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Nach Mord an Palästinenser : Erste Festnahmen und ein weiterer brisanter Fall

Der 15 Jahre alte Amerikaner Tariq Abu Khdeir soll von Soldaten zusammengeschlagen worden sein. Bild: AP

Nach dem mutmaßlichen Rachemord an einem 16 Jahre alten Palästinensers sind Medienberichten zufolge sechs Verdächtige festgenommen worden. Israelische Polizisten sollen in Jerusalem einen Cousin des Getöteten während Ausschreitungen brutal zusammengeschlagen haben.

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          Nach dem vermuteten Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen sind in Israel Medienberichten zufolge sechs Verdächtige festgenommen worden. Medien meldeten am Sonntag unter Berufung auf Sicherheitskreise, der 16-Jährige sei vermutlich aus nationalistischen Motiven getötet worden. Die Formulierung deutet darauf hin, dass es sich bei den Verdächtigen um Juden handelt. Der Jugendliche war in Jerusalem verschleppt und später tot aufgefunden worden. Es wurde davon ausgegangen, dass es sich um einen Racheakt für die Entführung und Tötung dreier israelischer Schüler handelte.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Unterdessen sollen israelische Polizisten in Jerusalem den Cousin des am Mittwoch ermordeten Palästinensers aus dem Ostjerusalmer Viertel Schuafat brutal zusammengeschlagen haben. Die Regierung verspricht zügige Aufklärung.

          Fotos des Fünfzehnjährigen mit einem verquollenen Gesicht drängten die Raketen aus Gaza und die gewaltsamen Proteste der vergangenen Nacht in den Nachrichten zeitweise in den Hintergrund. Die Aufnahmen sollen Tarek abu Khdeir zeigen. Nach Angaben seiner Familie und palästinensischer Menschenrechtler wurde er am Donnerstagabend von israelischen Grenzpolizisten bei seiner Festnahme misshandelt.

          Washington beunruhigt über „exzessive Gewalt“

          Tarek abu Khdeirs Familie stammt aus Schuafat, lebt aber in Florida. Der Junge ist amerikanischer Staatsangehöriger, weshalb sich das Außenministerium in Washington zu Wort meldete. Man sei „zutiefst beunruhigt“ darüber, dass der Junge bei seiner Festnahme „heftig“ geschlagen worden sei und verurteile den „exzessiven Einsatz von Gewalt“, hieß es in einer Erklärung.

          Bisher bemühten sich die israelischen Sicherheitskräfte bei den Krawallen der vergangenen Tage um Deeskalation: Sie setzten Tränengas, Wasserwerfer und Knallgranaten ein. Die Zahl der Festnahmen hielt sich in Grenzen.

          Umso erschreckender waren deshalb nun die Bilder des jungen Amerikaners und zwei im Internet verbreitete Videofilme, die einen anderen Eindruck erwecken. Sie zeigen angeblich, wie Grenzpolizisten mit ihren Stiefeln auf den Kopf des am Boden liegenden Jungen treten, bei dem es sich um Tarek abu Khdeir handeln soll. Ein Fernsehteam des Senders CNN filmte später den Blutfleck und die Handfessel, die nach den Worten des Reporters immer noch in dem Hinterhof in Schuafat zu sehen waren.

          Ein lokaler Fernsehsender verbreitete Bilder, auf denen die Prügelszenen zu sehen sein sollen.

          In einer ersten Reaktion der israelischen Grenzpolizei hieß es, das Bildmaterial sei manipuliert worden und gebe nicht wieder, was wirklich geschehen sei. Der Junge sei zusammen mit sechs maskierten Palästinensern festgenommen worden, von denen einige mit Messern gedroht hätten. Seine Eltern bestritten diese Darstellung. Tarek Abu Khdeir wurde nun am Sonntag wegen der Beteiligung an Ausschreitungen von einem Richter zu neun Tagen Hausarrest verurteilt.

          Die Polizeisprecherin Luba Samri sagte, Abu Khdeir habe Sicherheitskräfte attackiert und eine Steinschleuder bei sich getragen. Nun sei es ihm nicht erlaubt, das Viertel Beit Hanina in Ost-Jerusalem zu verlassen.

          Zu den Umständen der Festnahme nahm Justizministerin Zipi Livni Stellung. „Die Bilder zeigen eine sehr gravierende Tat, die von uniformierten Männern begangen wurde“, sagte sie. Das entspreche nicht der Vorgehensweise israelischer Sicherheitskräfte, kritisierte die Ministerin. Sie wies die Generalstaatsanwaltschaft an, den Vorfall zu untersuchen. In Jerusalem und im Norden Israels dauerten derweil die gewaltsamen Proteste an, die nach dem Tod von Tarek abu Khdeirs Cousin Muhammad am Mittwoch begonnen hatten.

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