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Nach möglicher Vergiftung : Kreml-Kritiker Nawalnyj in Berliner Charité eingeliefert

Ein Rettungswagen, in dem Nawalnyj mutmaßlich transportiert wurde, erreicht am Samstagvormittag die Berliner Charité Bild: Reuters

Nach zähem Hin und Her ist der im Koma liegende russische Oppositionspolitiker nach Deutschland gebracht worden. Der Kreml-Kritiker wird jetzt wegen einer möglichen Vergiftung in der Berliner Charité untersucht.

  • Aktualisiert am
          4 Min.

          Der schwer kranke russische Oppositionelle Alexej Nawalnyj ist am Samstag in die Berliner Charite eingeliefert worden. Ein von mehreren Polizei-Fahrzeugen begleiteter Rettungswagen brachte ihn am Vormittag vom Flughafen Tegel zu der Universitätsklinik, wo er nun behandelt wird. Ein von der Organisation „Cinema for Peace“ organisiertes Rettungsflugzeug mit deutschen Ärzten hatte den 44-Jährigen von einer Klinik im sibirischen Omsk nach Deutschland geflogen. Der Zustand von Nawalnyj während des Fluges und nach der Landung sei stabil gewesen, sagte der Filmproduzent und Gründer der Organisation, Jaka Bizilj. Die Charité erklärte, nach Abschluss der Untersuchungen und nach Rücksprache mit der Familie würden sich die behandelnden Ärzte zu der Erkrankung und weiteren Behandlungsschritten äußern. Die Untersuchungen würden aber einige Zeit in Anspruch nehmen.

          Der Start der von der Initiative Cinema for Peace gecharterten Rettungsmaschine hatte sich zunächst um mehrere Stunden verzögert. Grund war laut den sibirischen Behörden, dass die Piloten des deutschen Flugzeugs die gesetzlichen Ruhezeiten einhalten mussten. Dem Abflug war ein stundenlanger Streit zwischen russischen und deutschen Ärzten über die Transportfähigkeit Nawalnyjs vorausgegangen.

          Die russischen Ärzte hatten am Freitag zunächst erklärt, der Zustand des 44-Jährigen sei zu instabil, weshalb er nicht nach Deutschland gebracht werden könne. Dem hatten deutsche Ärzte, die Nawalnyj untersuchen konnten, widersprochen. Am Freitagabend erlaubten die Ärzte in Omsk schließlich die Verlegung Nawalnyjs nach Deutschland. Dessen Frau Julia hatte den Kreml in einem Brief um die Erlaubnis für den Transport ihres Mannes nach Deutschland gebeten.

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hofft auf eine baldige Aufklärung der Erkrankung von Nawalnyj. Es sei wichtig, „dass die Frage nach der Ursache der dramatischen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes“ beantwortet werde, sagte Steinmeier am Samstag am Rande seines Besuchs bei den Salzburger Festspielen. „Ich hoffe, dass alle diejenigen, die zur Klärung dieser Frage etwas beitragen können, dies tatsächlich tun.“ Steinmeier zeigte sich erleichtert, dass Nawalnyj „in einem Krankenhaus und von Ärzten behandelt wird, die das Vertrauen der Familie genießen“. Er wünsche dem russischen Politiker eine rasche und vollständige Genesung, „damit seine Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt wird“.

          Zuvor hatte auch die Bundesregierung die Hoffnung geäußert, dass die Behandlung Nawalnyjs in der Berliner Charité zu einer Besserung seines Zustands führt. „Die wichtigste Priorität ist natürlich, dass das Leben von Herrn Nawalnyj gerettet werden kann und dass er genesen kann“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. „Wir wünschen, dass ihm jede medizinische Hilfe, die ihn hoffentlich retten kann, auch zukommt.“ Der schwere Verdacht einer Vergiftung stehe im Raum, sagte Seibert weiter. „Die Umstände des Falles müssen vollständig und transparent aufgeklärt werden.“ Die Bundesregierung beobachte den Umgang in Russland mit Oppositionskräften sehr genau.

          Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow wies Vorwürfe einer politischen Beeinflussung am Freitag zurück; Nawalnyj nicht verlegen zu lassen sei eine „rein medizinische Entscheidung“. Auf die Frage von Journalisten, ob die Ärzte in Omsk sich mit den Spezialisten in der Berliner Charité konsultieren wollten, hatte ein Arzt des Krankenhauses am Morgen gesagt, die Moskauer Spezialisten, mit denen er gesprochen habe, seien nicht schlechter als die deutschen.

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