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Rücktritt Kardinal McCarrick : Vertuschen bis es nicht mehr geht

Theodore Edgar McCarrick 2013 bei einem Besuch im Vatikan Bild: Reuters

Papst Franziskus hat den Rücktritt des prominenten amerikanischen Kardinals McCarrick angenommen, dem der Missbrauch Minderjähriger vorgeworfen wird. Der Schritt hat vor allem symbolische Bedeutung.

          Vor gut anderthalb Jahrzehnten begann in der katholischen Kirche der Vereinigten Staaten und auch im Vatikan angeblich das „große Aufräumen“: Nach der Aufdeckung des massiven Missbrauchsskandals in der Erzdiözese Boston von 2002 wurden allerlei Kommissionen berufen und Mechanismen beschlossen, um Kinder und Jugendliche vor künftigen Übergriffen durch Amtsträger zu schützen, die Verbrechen von Priestern und Bischöfen zu sühnen und den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Im Juni 2002 verabschiedete die amerikanische Bischofskonferenz die „Charta von Dallas“ zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. In anderen Ländern, auch im Vatikan, wurden ähnliche Aufklärungs- und Schutzinstrumente eingeführt. Allein in den Vereinigten Staaten musste die Kirche Milliarden an Entschädigungen an Hunderte Opfer bezahlen. Nach dem spektakulären Rücktritt von Kardinal Theodore McCarrick vom Wochenende muss man den Erfolg der Aufklärungs- und Selbstreinigungsoffensive der katholischen Weltkirche abermals in Frage stellen.

          Vertuschen so lange wie möglich

          Vielmehr bestätigt der Fall McCarrick das überkommene Verhaltensmuster: Vorwürfe werden so lange wie möglich vertuscht, höchste Amtsträger so lange wie möglich geschützt, bis der Druck der Öffentlichkeit denn doch zu groß wird. Dann geht plötzlich alles ganz schnell. Vor gut vier Wochen teilte der Vatikan mit, dass der heute 88 Jahre alte Kardinal und emeritierte Erzbischof der Hauptstadt-Diözese Washington das Priesteramt nicht mehr ausüben dürfe.

          Zuvor hatte eine Untersuchungskommission der amerikanischen Kirche unter Führung des New Yorker Kardinals Timothy Dolan die jüngst erhobenen Vorwürfe eines Missbrauchsopfers als „glaubwürdig und wesentlich“ beurteilt. In der Sakristei der St. Patrick’s Cathedral von New York soll sich der damalige Priester McCarrick 1971 mehrfach an einem 16 Jahre alten Ministranten vergriffen haben, dem er das Messgewand anzupassen vorgab.

          McCarrick ist der bisher ranghöchste Kirchenmann in den Vereinigten Staaten, der wegen des Vorwurfs sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen sein Priesteramt aufgeben musste. Dann kamen immer weitere Vorwürfe gegen „Uncle Ted“ – wie sich der mächtige und zugleich joviale Kardinal selbst zu nennen pflegte – ans Licht. In der vorvergangenen Woche erstattete ein Mann, heute Mitte sechzig, im Bundesstaat Virginia Anzeige gegen McCarrick.

          Schweigegeld an zwei Opfer

          Nach seinen Angaben wurde er erstmals im Alter von elf Jahren von McCarrick missbraucht, als dieser Priester in New York war. Die sexuellen Gewalttaten dauerten nach Angaben des Opfers fast zwei Jahrzehnte an. Zuvor war bekannt geworden, dass an zwei Missbrauchsopfer, die zum Zeitpunkt der Übergriffe schon volljährig waren, in den Jahren 2004 und 2007 von den Diözesen Newark in New Jersey sowie Metuchen im Bundesstaat New York Entschädigungen in Höhe von 80.000 beziehungsweise 100.000 Dollar gezahlt worden waren. Mit den außergerichtlichen Vereinbarungen waren Schweigeverpflichtungen für die Männer verbunden, von welcher die Opfer nun von der amerikanischen Kirche entbunden wurden.

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