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Nach KGB-Verhör : Belarussische Oppositionspolitikerin nach Polen gebracht

  • Aktualisiert am

Olga Kowalkowa am 22. August bei einer Demonstration in Minsk. Kurze Zeit später wurde die Oppositionspolitikerin von der belarussischen Sonderpolizei festgenommen. Bild: dpa

Mit Olga Kowalkowa, Mitglied im von der belarussischen Opposition gegründeten Koordinierungsrat, musste eine weitere Oppositionelle das Land verlassen. Sie berichtet von „Folter“ und Drohungen des KGB.

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          Die belarussische Oppositionspolitikerin Olga Kowalkowa ist nach Polen gebracht worden. Kowalkowa, die dem Wahlkampfteam der nach Litauen geflohenen Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja angehörte, sagte am Samstag vor Journalisten in Warschau, sie sei nach ihrer Festnahme in der vergangenen Woche von belarussischen Sicherheitskräften bedroht und dann zur polnischen Grenze gebracht worden.

          Kowalkowa gehört dem von der Opposition gegründeten Koordinierungsrat an, der nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl einen Machtwechsel in Belarus erreichen will. Am Dienstag vergangener Woche wurde sie festgenommen. Am Samstag gab sie in Warschau zusammen mit Michal Dworczyk, dem Kabinettschef des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki, eine Pressekonferenz.

          Kowalkowa berichtete, sie sei mit einem Auto des belarussischen Geheimdienstes KGB vom Gefängnis zur polnischen Grenze gebracht worden. Sie habe in dem Auto am Boden liegen müssen und sei am Grenzübergang Kuznica Bialostocka freigelassen worden. Dort habe sie ein polnischer Busfahrer mitgenommen.

          Dworczyk sagte, Kowalkowa sei in der Nacht zum Samstag „unter dramatischen Umständen“ in Warschau angekommen. Kowalkowa sagte, alles was ihr in den vergangenen Tagen und Wochen passiert sei, betrachte sie „als Folter“. Ihr sei immer wieder eine „lange Haft“ angedroht worden.

          Dworczyk betonte, dass die Regierung in Warschau allen Oppositionellen helfen werde, die in Belarus um ihre Gesundheit und ihr Leben fürchteten. Nach einem Beschluss von Regierungschef Morawiecki könnten „alle Opfer der politischen Repressionen in Belarus auf die Unterstützung und Hilfe Polens zählen“.

          Seit der umstrittenen Wahl halten die Proteste in Belarus an – ebenso wie die Berichte über Festnahmen von Demonstranten und oppositionellen Politikern. Erst am Samstag hatten tausende Studierende gegen die Regierung von Lukaschenka protestiert und waren daraufhin teilweise festgenommen worden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hatten maskierte Sicherheitskräfte protestierende Studenten von Straßen abgedrängt und in Kleinbusse gepfercht. Die maskierten Männer ergriffen die Studenten im Zentrum von Minsk, war auf Aufnahmen des Medienunternehmens TUT.BY am Samstag zu sehen.

          Rund 30 Personen seien wegen Teilnahme an nicht genehmigten Kundgebungen festgenommen worden, berichtete die russische Nachrichtenagentur TASS am vierten Wochenende mit Protestkundgebungen seit der Präsidentenwahl.

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