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Nach Granateneinschlag : Israel feuert Warnschüsse in Richtung Syrien ab

Israelische Soldaten und ein UN-Beobachter am vergangenen Donnerstag an einer Einschlagstelle auf den Golanhöhen
          3 Min.

          Die israelische Armee hat am Sonntag auf dem Golan zum ersten Mal mehrere Warnschüsse in Richtung Syrien abgefeuert, nachdem eine syrische Granate einen israelischen Posten getroffen hatte. Es handele sich um die ersten israelischen Schüsse dieser Art seit dem Jom-Kippur-Krieg 1973, hieß es in der israelischen Presse.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der Beschuss gehe „auf den internen Konflikt in Syrien zurück“, teilte ein Armeesprecher mit. Es habe weder Verletzte noch Schäden gegeben. Israel habe zudem Syrien über die Vereinten Nationen vor weiterem Beschuss gewarnt, der „eine schnelle Reaktion“ zur Folge haben würde. Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, Israel
          beobachte die Ereignisse an seiner Grenze zu Syrien sehr genau und sei auf alle Eventualitäten eingestellt.

          Mit ähnlichen Worten hatte zuvor schon Verteidigungsminister Barak Syrien gedroht. Am Donnerstag war eine syrische Granate in der Nähe eines Kibbuz auf den 1967 eroberten und später annektierten Golanhöhen niedergegangen, ohne zu explodieren. Zuvor landeten zahlreiche syrische Geschosse in der entmilitarisierten Zone. Am vergangenen Wochenende waren zudem drei syrische Kampfpanzer in die Zone vorgedrungen.

          Protest vor den UN

          Die israelische Regierung hatte bisher zurückhaltend reagiert und hervorgehoben, dass die syrische Armee damit nicht Israel bekämpfe, sondern Aufständische in der Gegend. Zugleich wurden die israelischen Truppen auf den Golanhöhen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt und die Grenzbefestigungen verstärkt.

          In der vergangenen Woche hatte der israelische UN-Botschafter Ron Prosor in einem Schreiben an den UN-Sicherheitsrat gegen das Eindringen syrischer Soldaten in die Pufferzone auf den Golan-Höhen protestiert. Während des Sechs-Tage-Kriegs 1967 hatte Israel einen Teil der Golan-Höhen erobert, den Ägypten und Syrien im Jom-Kippur-Krieg 1973 vergeblich zurückzugewinnen suchten. Syrien fordert das besetzte und 1981 annektierte
          Gebiet zurück. Die UNO erkennt die Annexion nicht an. Israel und
          Syrien befinden sich offiziell weiterhin im Kriegszustand. Seit
          einem Abkommen der beiden Nachbarländer von 1974 patrouillieren etwa 1200 unbewaffnete UN-Blauhelmsoldaten in dem Gebiet.


          Regimegegner bilden Oppositionsblock

          Unterdessen haben sich die syrischen Regimegegner nach einwöchigen Verhandlungen in Qatar auf die Bildung eines gemeinsamen Oppositionsblocks geeinigt. Die Aktivisten vereinbarten am Sonntag nach Angaben aus Delegationskreisen in Doha die Gründung einer vereinten Plattform. Die zerstrittene Opposition war von Staaten aus der Gruppe der Freunde Syriens — allen voran Qatar und die Vereinigten Staaten — zu einem Zusammenschluss gedrängt worden.

          Die Plattform soll künftig die gesamte syrische Opposition vertreten und nach einem Sturz von Präsident Baschar al Assad eine Übergangsregierung bilden. Der Syrische Nationalrat (SNC), der sich bisher als einzige legitime Vertretung der Opposition verstand, hatte nach Angaben von Teilnehmern nach langem Zögern eingewilligt, Teil einer Koalition der Regimegegner zu werden. Für die SNC-Mitglieder sollen demnach 22 von insgesamt etwa 55 Sitzen in der neuen Syrischen Nationalen Allianz reserviert werden.
          Alle Streitfragen seien geklärt, hieß es.

          Zum Präsidenten der Organisation wurde der 52 H´Jahre alte Imam Maath al Chatib aus Damaskus gewählt, der seit Beginn des Volksaufstandes selbst mehrmals von den syrischen Behörden festgenommen worden war. Die Oppositionsführer Riad Seif und Suheir Atassi wurden am Sonntag zu den Vizepräsidenten bestimmt.

          Armee erobert wichtige Verbindung zurück

          In Syrien eroberte die Armee nach Angaben von Regierungsgegnern am Wochenende Teilstücke der wichtigsten Autobahn des Landes zurück. Auf der Autobahn zwischen Damaskus und Aleppo seien die Aufständischen zurückgedrängt worden, berichtete am Samstag die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Stadt Maaret al Numan hätten die Soldaten von Präsident Baschar al Assad aber noch nicht eingenommen. Angaben beider Seiten über den Verlauf der Kämpfe sind von unabhängiger Seite nicht nachprüfbar.

          Der den Rebellen nahe stehende Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Gefechte rund um Maaret al Numan dauerten an. Der Militärstützpunkt Wadi Deif am Rande der Stadt habe in den vergangenen Tagen Nachschub „an Munition und Lebensmitteln“ bekommen. Die Rebellen hatten Maaret al Numan Anfang Oktober eingenommen und später mehrere Dörfer in der Umgebung erobert. Den Armeestützpunkt Wadi Deif hatten sie wochenlang belagert, ohne ihn einnehmen zu können.

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