https://www.faz.net/-gpf-8wo9m

Nach Luftangriff in Syrien : Russland setzt Vereinbarung mit Amerika über syrischen Luftraum aus

  • Aktualisiert am

Überreste einer Granate, die möglicherweise Giftgas enthielt – in Syrien gefunden. Bild: dpa

Was in der Nacht geschah: Präsident Trump sagte, der Luftangriff sei „grundlegend für die nationale Sicherheit“ Amerikas gewesen. Mindestens neun Menschen sind dabei getötet worden. Ein wichtiger Teilnehmer im Syrien-Krieg wusste vorher Bescheid.

          5 Min.

          Russland hat nach dem amerikanischen Angriff auf einen syrischen Militärstützpunkt eine mit den Vereinigten Staaten geschlossene Vereinbarung über die Vermeidung von Zusammenstößen im syrischen Luftraum ausgesetzt. Russland setze das „Memorandum mit den Vereinigten Staaten über die Vermeidung von Zwischenfällen bei Flügen während Militäreinsätzen in Syrien“ aus, erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Freitag. Der Angriff sei eine gravierende „Verletzung des internationalen Rechts“.

          Wenige Tage nach der mutmaßlichen Giftgasattacke durch syrische Kampfflugzeuge auf  Zivilisten, darunter viele Kinder, in der Stadt Chan Scheichun haben die Vereinigten Staaten mit Raketen eine Luftwaffenbasis des Assad-Regimes getroffen, von der aus der Angriff gestartet worden sein soll. Um 3 Uhr nachts mitteleuropäischer Zeit begann das amerikanische Militär die Attacke; nach Angaben des Verteidigungsministeriums feuerten amerikanische Kriegsschiffen USS „Porter“ und USS „Ross“ im Mittelmeer 59 Präzisionsraketen des Typs Tomahawk ab.

          Die unbemannten „Tomahawk Land Attack Missiles“ (TLAMs) erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 880 Kilometer pro Stunde und können bis zu 2500 Kilometer weit fliegen. Sie kosten umgerechnet mehr als 800.000 Euro pro Stück. Eingesetzt werden sie vor allem von den amerikanischen und britischen Streitkräften. Die fünf bis sechseinhalb Meter lange Waffe ist GPS-gesteuert, Hersteller Raytheon wirbt damit, dass sie bei jedem Wetter einsetzbar ist und über einen permanenten eigenen Antrieb verfügt. Die „Tomahawks“ werden in vorher definierte Ziele gelenkt und besitzen häufig Tragflächen zur Stabilisierung der Flugbahn. Bei einer Flughöhe von unter 200 Metern sind sie von gegnerischem Radar nur schwer zu orten. Auch eine Infrarot-Erfassung ist kaum möglich, da das Turbofan-Triebwerk wenig Wärme ausstrahlt. Briten und Amerikaner setzen vor allem auf die Flexibilität des Waffensystems: Die Raketen können von Rampen und Radfahrzeugen ebenso gestartet werden wie von Schiffen, U-Booten oder Flugzeugen. Tomahawks wurden unter anderem im Ersten Golfkrieg 1991, im Irakkrieg 2003 und während des internationalen Militäreinsatzes in Libyen 2011 eingesetzt.

          Tillerson: Russland hat versagt

          Bei dem amerikanischen Luftangriff auf die syrische Militärbasis Al-Schairat sollen diese Präzisionsraketen nach einem Bericht der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana nun neun Zivilisten getötet haben. Darunter seien vier Kinder, meldete die Agentur am Freitag. Sieben weitere Menschen seien verletzt und Häuser schwer beschädigt worden. Die amerikanischen Raketen zerstörten nach Angaben des Pentagons syrische Kampfflugzeuge, Munitionsdepots, Treibstofflager und Luftabwehrstellungen. Der angegriffene Flugplatz in der Nähe des Ortes Al-Schairat sei dabei stark beschädigt worden. Nach Angaben des russischen Staatsfernsehens ist die Startbahn jedoch weitgehend intakt. Es seien neun Flugzeuge zerstört worden. Die Feuerwehr und Rettungshelfer seien im Einsatz, um den Brand unter Kontrolle zu bringen und die Opfer zu bergen, so der Gouverneur von Homs, Talal Barasi. Nach Angaben der Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte soll der Flugplatz bei dem Angriff jedoch weitestgehend zerstört
          worden sein, darunter die beiden Start- und Landebahnen. „Die Basis ist nicht länger einsatzfähig", erklärte die Beobachtungsstelle.

          Russland wusste offenbar über den geplanten Luftschlag Bescheid. Außenminister Rex Tillerson verwies unabhängig davon darauf, dass es vor der Operation keine Absprache mit Moskau gegeben habe. Russland habe in seiner Verantwortung versagt, sagte Tillerson am späten Donnerstagabend in Florida. Er verwies auf Zusagen Russlands, chemische Waffen in Syrien zu sichern und zu zerstören. Russland verurteilte den Angriff am Freitagmorgen scharf.

          Lesen Sie hier einen Überblick der internationalen Reaktionen auf den amerikanischen Bombenangriff.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump bezeichnete den amerikanischen Luftschlag auf die Militärbasis der Regierungstruppen jedoch als „grundlegend für die nationale Sicherheit“ seines Landes. Er habe den Angriff selbst angeordnet, sagte Trump in der Nacht zum Freitag während eines Pressestatements. Von dem ins Visier genommenen Flugplatz sei vor wenigen Tagen ein Angriff mit Giftgas ausgegangen, sagte Trump: „Ich rufe heute alle zivilisierten Nationen auf, sich uns anzuschließen.“ Das Blutvergießen müsse beendet werden. Mit dem Giftgasangriff habe Syrien seine internationalen Verpflichtungen und UN-Resolutionen verletzt.

          Weitere Themen

          Sanders gewinnt deutlich Video-Seite öffnen

          Demokraten-Vorwahlen in Nevada : Sanders gewinnt deutlich

          Mit einem eindeutigen Sieg bei der Vorwahl der Demokraten in Nevada hat der linksgerichtete Senator Bernie Sanders seine Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur weiter ausgebaut.

          Topmeldungen

          Problemimmobilien : Kaputte Verhältnisse

          Hochhausruinen, überbelegte Altbauwohnungen, verwahrloste Siedlungen: In Deutschland gibt es zigtausend Problemimmobilien, besonders viele in Nordrhein-Westfalen. Dort nennt man viele Ursachen und immer wieder den Namen eines Unternehmens.

          Paris St. Germain : Tuchel und der ewige Ärger mit seinen Stars

          Nicht nur die Niederlage in Dortmund setzt Paris St. Germain zu. Auch die Eskapaden der besten Spieler um Neymar sorgen für Ärger. Nun taucht ein Video auf, das Trainer Thomas Tuchel ganz und gar nicht erfreut.

          Keine Stadt wie andere : Hamburg wählt sich selbst

          An diesem Sonntag wird die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Die Stadt diskutiert, was sie ist, was sie bleiben und was sie werden will. Eine Geschichte über den Hafen, den Hundekot – und die Ungeduld.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.