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„Anti-Terror-Operation“ : Ukrainische Armee rückt in Donezk-Region vor

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Offenbar waren Panzer der ukrainischen Armee auch vor Slawjansk in Stellung gebracht worden. In der Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern im Gebiet Donezk hatten Bewaffnete am Wochenende alle Verwaltungsgebäude und die Polizeistationen in ihre Gewalt gebracht; bei einer Schießerei zwischen Separatisten und Sicherheitskräften gab es dort schon am Sonntag Tote. Der für die Separatisten in Slawjansk öffentlich als Führer auftretende Slawjansk Wjatscheslaw Ponomarjow sagte russischen Nachrichtenagenturen, von allen Seiten gebe es Meldungen, dass ukrainische Einheiten mit schwerem Gerät vorrückten. Ponomarjow wurde von der Agentur Itar-Tass zitiert, er sei zu Gesprächen bereit: „Das wichtigste ist, wir wollen kein Blut.“ Auf der Seite des örtlichen Internetportals Slavgorod.com.ua wurde ein Video veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie Zivilisten einen Panzer am Weiterfahren hindern. Das Portal berichtet zudem, dass im örtlichen Krankenhaus vier Verletzte mit Schusswunden behandelt würden.

Kiew: Rädelsführer aus russischer Armee

Der ukrainische Geheimdienst SBU hat nach eigenen Angaben den tatsächlichen Anführer der Separatisten in Slawjansk identifiziert. Es handle sich dabei um den Offizier einer Spezialeinheit der russischen Armee namens Igor Strelkow. Er sei von früher festgenommenen russischen Agenten identifiziert worden. Strelkow habe schon im März auf der Krim die Besetzung von Stützpunkten der ukrainischen Streitkräfte durch russische Einheiten koordiniert. Diese  Kräfte trugen dort keine Erkennungszeichen und wurden von Moskau als „Selbstverteidigungskräfte“ der Krim-Bewohner bezeichnet. Für sie hat sich in der Ukraine die Bezeichnung „Grüne Männchen“ eingebürgert.

Die Bürgermeisterin von Slawjansk Nelja Schtepa sagte laut der Internetzeitung „Ukrainska Prawda“, bei den Bewaffneten in der Stadt handle es sich um solche „Grünen Männchen“: „Sie verbergen nicht, dass sie von der Krim und aus Russland sind.“ Nur ein kleiner Teil der Bewohner von Slawjansk unterstütze die Forderungen der Separatisten. Die Bürgermeisterin hatte laut Slavgorod.com.ua die Bevölkerung schon am Montag aufgerufen, ihre Wohnungen nicht zu verlassen, es gebe erste Fälle von Plünderungen in der Stadt.

Die ukrainische Regierung sieht sich in Kiew unter wachsendem Druck, in der Ostukraine entschiedener vorzugehen. Vor dem Parlament hatten am Montagabend Demonstranten den Rücktritt von Innenminister Arsen Awakow gefordert, weil dieser nicht gehandelt habe. Abgeordnete forderten, Waffen an Ukrainer auszugeben, die das Land verteidigen wollten. Das wurde von Turtschinow indes kategorisch abgelehnt: „Der Staat gibt nur jenen Waffen, die in der Miliz arbeiten, in der Nationalgarde und in den Streitkräften dienen.“ Mit der Ausgabe von Waffen an Zivilisten „stoßen wir die Ukraine in den Abgrund des Bürgerkriegs“.

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