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Nach Gaza-Unruhen : Erdogan ruft Muslime zur Einheit gegenüber Israel auf

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Der türkische Präsident mit einem Palästinensertuch um den Hals am Freitag in Istanbul Bild: Reuters

Der türkische Präsident hält eine scharfe Ansprache gegen Israel. Sein Regierungschef Yildirim zieht gar einen Vergleich zu Hitler und Mussolini – und spricht von Völkermord.

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          Bei einer Großkundgebung in Istanbul gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Muslime zur Einheit aufgerufen. Die Muslime zeigten ein „scheues und feiges Bild“ im Angesicht ihrer Gegner, kritisierte Erdogan am Freitag in einer Ansprache vor tausenden Menschen. Es sei Zeit, die internen Differenzen zu überwinden und eine „starke Haltung gegen Israels Tyrannei“ zu zeigen.

          Zuvor hatte der türkische Regierungschef Binali Yildirim Israel in einer scharfen Ansprache vorgeworfen, durch die Besetzung von palästinensischem Land und die Missachtung internationalen Rechts „Hitler und Mussolini“ nachzuahmen. Er warf Israel zudem „Völkermord“ und „ethnische Säuberungen“ vor und kritisierte, dass die israelischen Behörden keine Versorgung von Verletzten im Gazastreifen zuließen.

          „Jerusalem ist unsere rote Linie“

          Die Kundgebung aus Solidarität mit den Palästinensern fand unter der Parole „Verurteilt die Unterdrückung, unterstützt Jerusalem!“ statt. Israelische Soldaten hatten allein am Montag rund 60 Palästinenser bei Protesten am Grenzzaun zu Israel erschossen und etwa 2400 weitere verletzt.

          Schon Stunden vor Erdogans Auftritt drängten sich tausende Menschen am Kundgebungsort am Marmara-Meer. Die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu sprach von 500.000 Teilnehmern. Die Demonstranten schwenkten palästinensische und türkische Flaggen und hielten Plakate mit der Aufschrift „Jerusalem ist unsere rote Linie“ hoch. Auch der palästinensische Regierungschef Rami Hamdallah und andere ausländische Politiker nahmen an der Kundgebung teil.

          Die Kundgebung erfolgte vor einem Sondergipfel der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), den Erdogan als OIC-Vorsitzende einberufen hatte. Neben dem jordanischen König Abdullah II. wurden die Emire Katars und Kuwaits, der iranische Präsident Hassan Rohani, Afghanistans Staatschef Aschraf Ghani und der sudanesische Präsident Omar al Baschir erwartet. Saudi-Arabien wird von Außenminister Adel al-Dschubeir vertreten.

          Der UN-Sicherheitsrat erwägt außerdem die Entsendung einer „internationalen Schutzmission“. Ein von Kuwait erstellter Resolutionsentwurf, der der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in New York vorlag, ruft UN-Generalsekretär António Guterres dazu auf, „Wege und Mittel zu Sicherstellung von Sicherheit, Schutz und Wohlergeben der palästinensischen Zivilbevölkerung“ vorzuschlagen. In der kommenden Woche könnte der Sicherheitsrat über den Entwurf beraten.

          Ägypten will Grenzzaun öffnen

          Der ägyptische Außenminister Sameh Schukri sollte nach Angaben aus Kairo über die Bemühungen seines Landes „zur Minderung des Leidens des palästinensischen Brudervolks, besonders im Gazastreifen“ informieren. Ägypten hat seine Grenze zum Gazastreifen weitgehend abgeriegelt. Es kündigte am Donnerstag aber an, sie für die Zeit des islamischen Fastenmonats Ramadan zu öffnen, der am Mittwoch begann.

          Teilnehmerinnen der Demonstration mit einer palästinensischen Flagge

          Erdogan hatte erst im Dezember einen OIC-Gipfel in Istanbul einberufen, um die Entscheidung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zur Verlegung der Botschaft nach Jerusalem zu verurteilen. Am Montag wurde die neue Botschaft in Jerusalem anlässlich des 70. Jahrestags der Gründung Israels eröffnet. Für die Palästinenser gilt die Staatsgründung wegen der darauffolgenden Massenvertreibungen als Nakba (arabisch: Katastrophe). Sie begehen sie jedes Jahr am 15. Mai mit Kundgebungen und Demonstrationen.

          Die Todesschüsse des israelischen Militärs und seiner Scharfschützen auf die zumeist unbewaffneten Demonstranten stießen in der islamischen Welt auf einhellige Kritik. Am Donnerstag wurde bekannt, dass 50 der 60 Opfer Hamas-Mitglieder waren. Angesichts der Differenzen zwischen den OIC-Staaten erscheint es unwahrscheinlich, dass sie sich in Istanbul auf konkrete Maßnahmen einigen können.

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