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Nach Funkstille : Amerika spricht mit Nordkorea

  • -Aktualisiert am

Stephen Bosworth wird in Pjönjang von einem nordkoreanischen Funktionär in Empfang genommen Bild: AFP

Als erster amerikanischer Gesandter im Auftrag der Obama-Regierung ist Stephen Bosworth zu direkten Gesprächen nach Nordkorea gereist. Sein Auftrag: Nordkorea zur Rückkehr zu den Sechsergesprächen zu bewegen.

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          Der amerikanische Sonderbeauftragte für Nordkorea, Bosworth, hat am Dienstag in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang Gespräche mit der nordkoreanischen Regierung aufgenommen. Ziel der Reise des Sondergesandten ist es, Nordkorea dazu zu bewegen, wieder zu den Sechsergesprächen zurückzukehren und seine Verpflichtungen zum Abbau des Atomprogramms zu erfüllen.

          Bosworth flog mit sechs Begleitern vom amerikanischen Militärstützpunkt Osan in Südkorea direkt nach Pjöngjang. Üblich für die Reise von Nord- nach Südkorea ist eigentlich der Umweg über Peking, da Grenzübertritte an der hoch gesicherten innerkoreanischen Grenze nur für Mitarbeiter der von Nord und Süd gemeinsam betriebenen Industriezonen Kaesong möglich sind. In Seoul hatte sich Bosworth zuvor mit der südkoreanischen Regierung abgestimmt. (Zu Amerikas Sonderbeauftragtem siehe auch: Stephen Warren Bosworth: Der Sonderbotschafter für Nordkorea)

          Nach Angaben aus amerikanischen Regierungskreisen wird Bosworth keine neuen Hilfsangebote für Nordkorea vorlegen. Die amerikanische Regierung hofft, dass die Aussicht auf die Hilfsleistungen, die Nordkorea bereits bei den Sechsergesprächen zugesagt worden waren, ausreichen werden, um das Regime in Pjöngjang wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Man wolle aber auch bei harten Sanktionen bleiben, wenn Nordkorea sich weiterhin den Verhandlungen verweigert.

          Bosworth ist der erste amerikanische Gesandte, der im Auftrag von Präsident Obama zu direkten Gesprächen nach Nordkorea kommt. Bislang hatte nur der frühere Präsident Clinton in privater humanitärer Mission im August Nordkorea besucht, um dort die Freilassung zweier inhaftierter amerikanischer Journalistinnen zu erwirken.

          Nordkorea will wohlhabend und mächtig werden

          Das Regime in Pjöngjang hat direkten Gesprächen mit den Vereinigten Staaten immer den Vorzug vor multilateralen Gesprächen gegeben. Fortschritte in den Sechsergesprächen sind in der Vergangenheit auch nur durch direkte Gespräche zwischen den Abgesandten von Washington und Pjöngjang erreicht worden. Es wird erwartet, dass die nordkoreanische Propaganda den Besuch von Bosworth in Nordkorea als einen Erfolg der Politik Kim Jong-ils feiern wird.

          Nordkorea hatte sich im April aus den Sechsergesprächen zurückgezogen und damit auf Sanktionen reagiert, die die UN wegen des nordkoreanischen Raketentests gegen das kommunistische Land verhängt hatten. Pjöngjang ließ daraufhin einen Atomtest und mehrere Test von Kurzstreckenraketen folgen, die zu neuen Spannungen führten. Erst nach dem Besuch Bill Clintons zeigte sich Nordkorea wieder zugänglicher. Im Oktober kündigte Staatsführer Kim Jong-il beim Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao an, das Land werde zu den Sechsergesprächen zurückkehren, wenn zuvor direkte Gespräche mit den Vereinigten Staaten erfolgreich verlaufen würden.

          Nordkorea ist offenbar bemüht, seine marode Staatswirtschaft zu beleben. Nach Ansicht südkoreanischer Beobachter haben die Sanktionen die nordkoreanische Wirtschaft hart getroffen. Kim Jong-il hat als Ziel vorgegeben, dass Nordkorea bis 2012, dem hundertsten Geburtsjahr seines Vaters, des Staatsgründers Kim Il-sung ein wohlhabender und mächtiger Staat werden soll. In der vergangenen Woche wurde mit einer Währungsreform die nationale Währung neu bewertet. Damit soll vor allem die Ausbreitung privaten Handels verhindert und die Inflation vertuscht werden.

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