https://www.faz.net/-gpf-6m2fj

Nach Fukushima : Briten schließen Teil der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield

  • Aktualisiert am

Der Nuklearkomplex Sellafield Bild: REUTERS

Die britischen Atombehörden wollen einen Teil der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield stilllegen. Indirekt ist dies die Folge der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima.

          2 Min.

          Die britische Regierung will einen Teil der atomaren Wiederaufbereitungsanlage in Sellafield stilllegen. Nach ihren Plänen soll die Herstellung sogenannter Mischoxid-Brennelemente dort aufgegeben werden. Indirekt ist dies die Folge der Atomkatastrophe von Fukushima im März: Japanische Kernkraftwerke sind die einzigen Abnehmer für die MOX-Brennelemente aus der im Nordosten Englands an der Irischen See gelegenen Anlage. „Derzeit arbeiten aber nur noch 17 von 54 japanischen Atomkraftwerken“, sagte Tony Fountain, der Leiter der für nukleare Abfälle zuständigen Regierungsbehörde NDA.

          Wegen der ungewissen Zukunft der Atomkraft in Japan sei es den britischen Steuerzahlern nicht zuzumuten, die seit 1997 betriebene MOX-Anlage weiter zu finanzieren. Sellafield gehört dem britischen Staat, der allein in diesem Jahr und den nächsten drei Jahren insgesamt umgerechnet rund 6,8 Milliarden Euro für die Beseitigung der radioaktiven Hinterlassenschaften dort ausgibt. Durch das Ende der MOX-Produktion gehen rund 600 Arbeitsplätze verloren.

          Den betroffenen Mitarbeitern sollen möglichst andere Stellen auf dem Gelände angeboten werden. Insgesamt gibt es in Sellafield bisher rund 12.000 Beschäftigte.

          Großbritannien will Atomkraft beibehalten

          Die berüchtigte britische Atomanlage ist wegen zahlreicher Störfälle und ihrer Abwassereinleitungen ins Meer international bekanntgeworden. 1956 nahm die Regierung auf dem Gelände das erste kommerzielle Atomkraftwerk der Welt, „Calder Hall“, in Betrieb. Ein Jahr später wurden bei einem Brand große Mengen Radioaktivität freigesetzt. Der Unfall gilt bis heute als der schwerste in der britischen Atomwirtschaft. Der letzte Atomreaktor in Sellafield wurde 2003 stillgelegt.

          Er war zu diesem Zeitpunkt der älteste der Welt. Auch nach der jetzt angekündigten Schließung der MOX-Produktion werden in Sellafield in großem Stil alte Brennelemente wiederaufbereitet. Sellafield wird außerdem von der Regierung als Zwischenlager für hochradioaktive Plutonium- und Uran-Abfälle aus anderen Atomanlagen im Land genutzt. Etwa die Hälfte der Mitarbeiter ist zudem mit dem Abbau und der Entsorgung der radioaktiven Hinterlassenschaften von insgesamt sechs alten Atomreaktoren auf dem Gelände beschäftigt. Diese Arbeiten werden nach Schätzung der Regierung mehr als hundert Jahre Zeit benötigen.

          So umstritten Sellafield in Großbritannien ist, so wenig will sich die konservativ-liberale Regierung in London auch nach der Fukushima-Katastrophe von der Atomkraft verabschieden. Im Gegenteil: Auf der Insel sind acht neue Kernkraftwerke geplant. Zu den potentiellen Investoren zählen auch die beiden größten deutschen Energiekonzerne Eon und RWE. Als ein Standort wurde auch Sellafield ausgewählt.

          Weitere Themen

          Was an Weihnachten erlaubt ist Video-Seite öffnen

          Beschluss der Bundesregierung : Was an Weihnachten erlaubt ist

          Die Bundesländer sprechen sich mit Blick auf Weihnachten und Silvester in Zeiten der Corona-Pandemie für eine Kontaktbeschränkung auf bis zu zehn Personen aus mehreren Haushalten aus. Für die Feuerwerks- und „Böller“-Fans gab es gute Nachrichten.

          Vorwärts in die Vergangenheit

          Barack Obamas Memoiren : Vorwärts in die Vergangenheit

          Barack Obama offenbart im ersten Teil seiner Memoiren, was er von Angela Merkel und Wladimir Putin hält. Vergangenheit wird plötzlich brandaktuell. Über seine innersten Antriebskräfte erfährt man kaum etwas.

          Topmeldungen

          Probe für den Ernstfall: Der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha (Grüne) lässt sich im Beisein von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) den Ablauf einer Impfung für die geplanten Impfzentren demonstrieren.

          Impfzentren in Bundesländern : Wie impft man Millionen?

          Sobald das erste Vakzin zugelassen ist, kann es eigentlich losgehen. Die Länder sollen in wenigen Wochen in der Lage sein, Massenimpfungen zu verabreichen. Doch vielfach ist noch gar nicht klar, wo genau die Zentren stehen sollen.

          Corona-Plan der Länder : Jedem sein Weihnachten?

          Das Virus kennt keine Feiertage. Trotzdem wollen die Ministerpräsidenten schon jetzt größere Feiern von Heiligabend bis Neujahr ermöglichen. Diese „Rettung“ könnte sich rächen.
          Black is beautiful

          Black Friday : Wie spare ich wirklich?

          Cyber Monday und Black Friday versprechen Tiefpreise. Doch nicht jedes vermeintliche Angebot ist gleich ein Schnäppchen. Wie können Verbraucher wirklich sparen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.