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Nach Flugzeugabsturz im Sinai : Ermittler gehen von Bombe im Laderaum aus

  • Aktualisiert am

Wrackteile des abgestürzten russischen Airbus A321 an der Unglücksstelle in Ägypten. Bild: dpa

Was ließ den russischen Airbus mit 224 Menschen an Bord abstürzen? Britische Sicherheitsbehörden haben einen konkreten Verdacht.

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          Britische Experten vermuten, dass eine in im Laderaum versteckte Bombe den russischen Ferienflieger mit 224 Menschen an Bord zum Absturz gebracht hat. Wie der britische Sender BBC berichtet, gehen die Sicherheitsbehörden davon aus, dass jemand mit Zugang zur Ladeklappe direkt vor dem Abflug vom Flughafen in Scharm al Scheich einen Sprengsatz im Gepäck oder darauf platzierte. 

          Am Mittwoch hatte Großbritannien alle Flüge aus und nach Scharm al Scheich aus Angst vor Terroranschlägen gestoppt. Der russische Airbus war am Samstag kurz nach dem Start in Scharm al Scheich über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Niemand überlebte das Unglück. Auch die Niederlande, Irland sowie die Lufthansa-Gruppe mit ihren Airlines Eurowings und Edelweiss setzen den Flugbetrieb aus. Am Donnerstagabend kündigte zudem die skandinavische SAS an, ihren Flug am Samstag in den Badeort zunächst nicht durchzuführen.

          Die Vereinigten Staaten prüfen nach Worten von Präsident Barack Obama sehr genau, ob eine Bombe das russische Flugzeug zum Absturz gebracht hat. Es gebe die Möglichkeit, dass eine Bombe an Bord war, sagte Obama am Donnerstag dem Radiosender CBS. „Wir nehmen das sehr ernst.“

          Die britische Regierung hat Fluggesellschaften indes erlaubt, am Freitag im ägyptischen Scharm al Scheich gestrandete Briten nach Hause zu holen. Dafür müssten aber besondere Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden, sagte eine Regierungssprecherin. So dürften die Reisenden etwa nur Handgepäck mitnehmen. Wie die Sprecherin weiter erklärte, werde gemeinsam mit den Fluggesellschaften geklärt, dass das Reisegepäck ebenfalls möglichst schnell ebenfalls zurück nach Großbritannien gebracht werde. Der Nachrichtenagentur PA zufolge sind für Freitag mehr als zwanzig Flüge aus der Stadt im Sinai zurück nach London geplant. Mindestens 9000 Briten saßen am Donnerstag in der Urlaubsregion fest, wie der Verband Abta in London mitteilte.

          2000 deutsche Touristen in Scharm al Scheich

          Die Fluggesellschaft Easyjet kündigte neun Flüge von Scharm al Scheich nach London und einen weiteren nach Mailand an. Die Maschinen würden leer dorthin fliegen und die Touristen abholen, hieß es in einer Erklärung. Hinzu kämen zwei am Donnerstag ausgefallene Flüge. Auch die britische Airline Monarch will zwei planmäßige Flüge und drei zusätzliche Flüge anbieten. Die belgische Gesellschaft Jetair kündigte ebenfalls an, drei Maschinen nach Scharm el Scheich zu schicken.

          Ein britisches Team und britisches Militär sind in Scharm al Scheich vor Ort um Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen zu organisieren, sagte der britische Außenminister Philip Hammond. Dazu gehöre, dass alles, was in die Maschinen gelange, durchleuchtet werde, und die Flugzeuge selbst genau überprüft würden. Die dahinterstehende Sorge ist, dass Terroristen einen Sprengsatz in eines der Flugzeuge schmuggeln könnten.

          Unklar ist die Situation weiterhin für die deutschen Touristen. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) in Berlin befinden sich derzeit auch etwa 2000 deutsche Gäste in Scharm al Scheich und im nahe gelegenen Dahab. Laut dem Reisekonzern Tui Deutschland gab es zunächst aber keine Stornierungen oder Wünsche besorgter Urlauber nach vorzeitiger Heimreise.

          Touristen am Flughafen von Scharm al Scheich

          Dessen ungeachtet riet der belgische Außenminister Didier Reynders von Reisen in den ägyptischen Badeort ab. "Wir raten befristet davon ab, während wir auf die Sicherheitsgarantien des Flughafens warten", sagte er dem Fernsehsender RTBF. Auch Frankreich riet seinen Bürgern von nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Scharm al Scheich und Taba ab.

          Die Regierung in Kairo wies die Vermutungen über einen Anschlag aber entschieden zurück: Die Ermittler hätten dafür bisher keine Belege gefunden, sagte der ägyptische Minister für zivile Luftfahrt, Hussam Kamal. Anderslautende Aussagen seien nur Hypothesen. Ein Anschlag wäre verheerend für die ägyptische Tourismusbranche, einem der wichtigsten Devisenbringer des Landes.

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