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Nach Flugzeugabschuss : Blumenmeer und Empathie

Eine Mahnung zwischen den Blumen und Plüschtieren: „Wir vergessen nicht. Wir vergeben nicht.“ Bild: Yulia Serdyukova

In Kiew wird um den sinnlosen Tod der rund 300 Insassen des abgeschossenen Flugzeugs MH 17 getrauert. Fast schien es, als hätten die Ukrainer sich auf diesen Moment vorbereitet. Bilder der Trauer.

          Schweigende Menschen in Sommerkleidern. Vor der Niederländischen Botschaft am Kontraktowa-Platz, dem alten Kiewer Viehmarkt bei den Anlegestellen am Dnjepr, kommen sie Stunde um Stunde. Sie haben Kerzen dabei, Rosen, Nelken und natürlich Sonnenblumen und wieder Sonnenblumen – die Blüte, die den Feldern der ukrainischen Steppe um diese Jahreszeit ihre Farbe gibt, und der ukrainischen Fahne ihr unteres gelbes Feld.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Schon am Donnerstagabend, als die Nachricht von der Katastrophe des Fluges MH 17 gerade erst an die Öffentlichkeit gedrungen war,  sind sie zu Hunderten dagewesen, bis  spät in die Nacht, still, ohne Wort,  mit Kerzen in den Händen. Manche hatten Spielzeug dabei, Teddybären, Stoffhasen, Plastikflugzeuge – eine Geste des Abschieds für die Kinder, die an Borde des abgeschossenen Flugzeugs ihr Leben verloren haben. Am Freitagmittag, zu der Stunde, wo sonst alles im Büro sitzt oder im Stau steht, waren es immernoch vielleicht zweihundert Menschen.

          „Putin killed your children“

          Weil alles schwieg und allenfalls ein Gebet murmelte, haben nur die  improvisierten Plakate und Handzettel, welche die Kiewer an diesen Tagen und Nächten an den Treppenaufgang  der Botschaft geklebt haben, das ausgedrückt, was die Menschen hier offenbar über die Katastrophe im Donbass denken: „Stop Terrorussia“ stand da, und, auf Niederländisch „Poetin Doodt Kinderen“ – Putin tötet Kinder.

          Fast schien es in manchen  Losungen, als hätten diese Menschen sich auf diesen Moment innerlich vorbereitet - auf den Augenblick, in dem die Ukraine, die sich angesichts zögerlicher Sanktionen gegen Russland vom Westen alleingelassen fühlt, selbst zeigen kann, was Solidarität bedeutet.  Jedenfalls hat sich in den Zorn der Parolen immer wieder eine prägende Note der Empathie gemischt.

          „Putin killed your children“ hieß es etwa unerbittlicher Anklage auf einem der Zettel zwischen den Blumenbergen auf dem Pflaster  – nur um gleich die mitfühlende Botschaft folgen zu lassen:  „Ukrainians cry with you“. Selbst an Russland, dessen schleichende Invasion im Donbass jetzt ihren ersten furchtbaen Höhepunkt gefunden hat, richteten sich neben allen Worten der Bitterkeit auch solche der Versöhnung: „Russen, wacht auf! Putin führt euch in den Abgrund!“ hieß es etwa auf einem Plakat, dass zwei Frauen still in die Höhe hielten – und darunter stand, wie in einem Briefabsender: „Die brüderliche Ukraine“.

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