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Nach Flugzeugabschuss : Iran bittet Ukraine um Entschuldigung

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Irans Präsident Hassan Rohani, hier während eines Treffens mit der Familie des getöteten Generals Soleimani, hat sich bei dem Präsident der Ukraine für den Abschuss eines ukrainischen Flugzeugs entschuldigt. Bild: dpa

Hassan Rohani sicherte dem ukrainischen Präsidenten zu, die Verantwortlichen für den Flugzeugabschuss zur Rechenschaft zu ziehen. Kanadas Premier Trudeau forderte von Iran „vollständige Klarheit“ über den Vorfall.

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          Der iranische Präsident Hassan Rohani hat die Ukraine in einem Telefongespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj offiziell um Entschuldigung für den versehentlichen Abschuss eines Passagierflugzeugs gebeten. „Das Zugeben der ‚Raketenversion‘ als Ursache für die Katastrophe hat den Weg für die Fortsetzung der Ermittlungen ohne Verzögerungen und Behinderungen geöffnet“, sagte Selenskyj einer Mitteilung zufolge am Samstag.

          Auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau bezeichnete das Bekenntnis Irans als „wichtigen Schritt“. In einem Telefongespräch mit Rohani forderte er nach eigenen Angaben aber auch, dass diesem Schritt noch „viele weitere“ folgen müssten. Er forderte von Teheran „vollständige Klarheit“ über den Abschuss des Flugzeugs, bei dem zahlreiche iranischstämmige Kanadier ums Leben kamen.

          Kanadische Ermittler sollen bald in Teheran eintreffen

          Trudeau kündigte an, dass in Kürze ein Team kanadischer Ermittler in Teheran erwartet werde. Die ersten kanadischen Fachleute sollten am späten Samstagabend in der iranischen Hauptstadt eintreffen und dort „eine Präsenz aufbauen, um die kanadischen Familien zu unterstützen“.

          Rohani versicherte dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj, dass alle Schuldigen für den Fehler des iranischen Militärs zur Verantwortung gezogen würden und mit juristischen Konsequenzen rechnen müssten. „Wir werden in jeder Hinsicht unsere juristischen Verpflichtungen einhalten“, teilte das iranische Präsidialamt mit.

          Laut Selenskyj sollen die sterblichen Überreste der Opfer bereits in der kommenden Woche in die Ukraine zurückgeführt werden. Teheran habe zugesichert, dies zu ermöglichen. Kiew werde an Teheran eine offizielle Note unter anderem mit Kompensationsforderungen senden, sagte der ukrainische Präsident.

          Am Samstag hatten die iranischen Revolutionswächter die Verantwortung für den Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine mit 176 Toten übernommen. Das Verkehrsflugzeug sei irrtümlich für einen Marschflugkörper gehalten und nach einer Kommunikationspanne abgeschossen worden, erklärte der Luftwaffenkommandeur der Revolutionswächter, Amirali Hadschisadeh, in einer im Fernsehen gesendeten Stellungnahme. Die Rakete der Flugabwehr sei am Mittwochmorgen neben dem Passagierflugzeug explodiert. Daraufhin sei dieses noch ein Stück weit geflogen und dann abgestürzt.

          Hadschisadeh gab den Vereinigten Staaten eine Mitschuld an dem Abschuss, da sie die Spannungen mit Iran verschärft hätten. Iran sei angesichts der amerikanischen Drohungen, 52 Ziele anzugreifen, in höchster Alarmbereitschaft gewesen und habe mit dem Ausbruch eines Krieges gerechnet. Als die ukrainische Passagiermaschine sich dann einer wichtigen Militäranlage genähert habe, sei sie als Bedrohung eingestuft worden.

          „Ich wünschte mir, selbst tot zu sein“

          Als er von dem Absturz des Passagierflugzeugs erfahren habe, habe er sich gewünscht, lieber „selbst tot zu sein, statt Zeuge dieses Unglücks“, sagte Hadschisadeh. Er verteidigte die zivile Luftfahrtbehörde, die den Abschuss geleugnet tagelang hatte. Sie treffe keine Schule, weil sie nichts über den Ablauf gewusst habe. Gleichzeitig merkte er an, dass es an jenem Abend angesichts der angespannten Lage eigentlich landesweit ein Flugverbot hätte geben müssen.

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