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Nach Explosion in Waffenfabrik : Israel schweigt zu Vorwürfen Sudans

Anti-israelische Proteste in Khartum: Sudans Informationsminister drohte Israel mit Vergeltung. Bild: AFP

Sudan beschuldigt Israel, in der Nähe der Hauptstadt Khartum eine Waffenfabrik bombardiert zu haben. Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Mosche Jaalon wollte die Vorwürfe weder bestätigen noch dementieren.

          Israelische Politiker und Militärs schweigen zu den jüngsten Drohungen und Vorwürfen aus Sudan. In der Nacht zum Mittwoch war in Khartum eine Waffenfabrik zerstört worden. Das international isolierte Regime von Präsident Omar al Baschir bezichtige Israel, die Anlage mit vier Kampfflugzeugen bombardiert zu haben und drohte mit Vergeltung. Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Mosche Jaalon sagte, er könne weder bestätigen noch dementieren, dass Israel die Fabrik bombardiert hat. Zweifellos gebe es aber eine Waffenschmuggelroute aus Iran über Sudan, über die auch die Feinde Israel versorgt würden. Amos Gilad, der im Verteidigungsministerium für politisch-militärische Fragen zuständig ist, bezeichnete Sudan „als gefährlichen Terroristenstaat“. Die israelische Luftwaffe habe sich bei zahlreichen anspruchsvollen Einsätzen bewährt, fügte er im Armeerundfunk hinzu.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Israelische Zeitungen, die gute Kontakte zu den Geheimdiensten haben, schrieben einhellig, dass es sich bei dem zerstörten Gebäude um eine iranische Waffenfabrik gehandelt habe, die leichte Waffen und Munition herstelle. Auf dem Landweg gelangten die Waffen dann auf den Sinai und in den Gazastreifen sowie nach Afrika. Nach mehreren Berichten haben die iranischen Revolutionsgarden eine umfangreiche Präsenz in Sudan, zu der mehrere Fabriken gehören sollen.

          Brennende Waffenfabrik: Bombardierte die Israelische Luftwaffe die Anlage im Sudan?

          Die Rede ist von hunderten Iranern in dem afrikanischen Land, mit dem Iran formell vor gut vier Jahren ein Verteidigungsabkommen geschlossen hat. Iranische Schiffe, die Schwierigkeiten haben, den Suez-Kanal zu durchqueren, können ungehindert in Sudan entladen werden. „Sollte Israel wirklich den Angriff ausgeführt haben, könnte das ein eindeutiges Signal an Iran sein, dass Israel zu solchen Langstreckenaktionen in der Lage ist“, schreibt etwa die Zeitung „Jediot Ahronot“. Khartum liege mit knapp 2000 Kilometern weiter entfernt als die Atomanlagen in Natans und Qom. Für eine solche komplexe Aktion seien einige Dutzend Flugzeuge nötig, die in der Luft betankt werden müssen.

          Die Explosion in Khartum reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle ein. So wurde im April 2011 ein Hamas-Führer in Port Sudan bei einem ungeklärten Luftangriff getötet. Nach unbestätigten Berichten soll es sich um den Nachfolger des Hamas-Führers Mahmud Mabhuh gehandelt haben. Mabhuh, der die Hamas mit Waffen versorgte, war 2010 in Dubai ermordet worden; schnell geriet der israelische Auslandsgeheimdienst unter Verdacht. Anfang 2009 wurde ein möglicherweise von Mabhuh organisierter Konvoi mit Waffen in der sudanesischen Wüste aus der Luft bombardiert. Nach sudanesischen Angaben wurden damals 119 Personen getötet und 17 Lastwagen zerstört. Abermals bezichtigte das Regime von Präsident Baschir Israel. Angeblich gab es im Dezember 2011 einen weiteren ähnlichen Angriff in der Wüste.

          Unterdessen einigten sich Israel und die Hamas nach ägyptischer Vermittlung in der Nacht zum Donnerstag darauf, die gegenseitigen Angriffe einzustellen. Es war das erste Mal, dass sich die neue Führung in Kairo auf Bitten der Hamas in Israel erfolgreich um eine Waffenruhe bemühte.

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