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Nach Massaker in El Paso : Wer steckt hinter 8chan?

  • Aktualisiert am

Trauer nach dem Massaker in El Paso: Mit einem „Manifest“ wurde die Tat auf dem Online-Portal 8chan angekündigt. Bild: AFP

Die Bluttat von Texas wurde auf dem umstrittenen Online-Portal 8chan mit einem „Manifest“ angekündigt. Der IT-Sicherheitsdienst nennt es mittlerweile eine „Hass-Kloake“. Der Betreiber der Plattform zeigt sich davon ungerührt.

          Das umstrittene Online-Portal 8chan, auf der der Todesschütze von El Paso ein rassistisches „Manifest“ veröffentlicht haben soll, ist am Montag weitgehend offline gegangen. Zuvor hatte der IT-Sicherheitsdienstleister Cloudflare, der unter anderem Internetseiten vor Cyberangriffen schützt, die Geschäftsbeziehung zu 8chan gekündigt. Die Plattform habe sich zu einer „Hass-Kloake“ entwickelt, schrieb Cloudflare-Chef Matthew Prince in einem Blogeintrag. Einer der Grundsätze von 8chan ist, dass die Betreiber die von Nutzern geposteten Inhalte nicht kontrollieren oder löschen. Das lockt unter anderem Rassisten auf die Plattform.

          Nachdem 8chan den Schutz durch Cloudflare verlor, war die Seite zeitweise gar nicht erreichbar oder Links liefen ins Leere. Cloudflare-Chef Prince schränkte zugleich ein, dass es vermutlich nicht allzu lange dauern werde, bis 8chan einen anderen Anbieter finde und den Dienst wieder vollständig hochfahren könne. Das sei auch passiert, als Cloudflare im Jahr 2017 den Schutz der Neonazi-Website „Daily Stormer“ aufgegeben habe.

          Cloudflare versucht grundsätzlich, sich aus der Debatte um Inhalte von Plattformen herauszuhalten – Prince sagt, er wolle nicht derjenige sein, der entscheidet, was im Internet veröffentlicht werden darf. Im Fall von 8chan verwies er aber nun darauf, dass auch der Todesschütze von Christchurch, der Mitte März in Neuseeland zwei Moscheen angegriffen und 51 Menschen getötet hatte, die Plattform genutzt habe.

          Betreiber leben auf den Philippinen

          In der Stadt El Paso an der Grenze zu Mexiko hat der 21 Jahre alte, weiße Amerikaner Patrick Crusius am Samstag in einem Einkaufszentrum zwanzig Personen erschossen und 26 weitere verwundet. Danach ließ er sich widerstandslos festnehmen. Nach Medienberichten wurde das „Manifest“ am Samstag um 10.20 Uhr texanischer Zeit auf der Plattform hochgeladen; also 19 Minuten vor dem Massaker. Das vierseitige Dokument trägt den Titel „Die unbequeme Wahrheit“. Darin lobt der Autor den Schützen von Christchurch und erklärt, seine Tat sei eine „Antwort auf die hispanische Invasion von Texas“.

          Der New York Times zufolge verantwortet seit 2015 ein amerikanischer Veteran namens Jim Watkins gemeinsam mit seinem Sohn Ronald das Portal. Gegründet wurde es im Jahr 2013 von Fredrick Brennan. Er lebt, wie die Watkins auch, auf den Philippinen. Laut New York Times hat Brennan die Zusammenarbeit mit Watkins im vergangenen Jahr beendet. Der 8chan-Gründer bedankte sich auf Twitter bei Cloudflare für die Kündigung der Geschäftsbeziehung mit dem Portal. „Schließlich könnte dieser Albtraum ein Ende haben“, schrieb Brennan. Er wolle einfach in Frieden seine Quellcodes schreiben, ohne von Medien wie CNN oder der New Times angerufen zu werden, sobald ein Massaker stattfinde. 

          Brennan, der unter dem Pseudonym „Hotwheels“ bekannt ist, leidet an Knochenschwund und sitzt im Rollstuhl. Die Idee zur Gründung der Plattform habe Brennan nach eigenen Angaben während eines Pilz-Rausches gehabt, um freie Rede für jedermann zu ermöglichen. 8chan sollte ursprünglich eine Alternative zur älteren Plattform 4chan sein, die aus Brennans Sicht zu restriktiv geworden war.

          Bereits im März hat der Gründer sich laut New York Times im Wall Street Journal von 8chan distanzieren wollen und davor gewarnt, dass weitere Massaker folgen könnten. Am Sonntag hatten Kritiker Cloudflare zur Kündigung der Geschäftsbeziehungen mit 8chan gedrängt, weil Betreiber Watkins offenbar nicht bereit ist, die Seite abzuschalten. Die New York Times zitiert ein Interview aus dem Jahr 2017, in dem Watkins gesagt haben soll, mit der Plattform lasse sich kein Geld verdienen, aber er habe viel Spaß damit. Brennan forderte, die Seite solle offline gehen. Während der Dienstleister Cloudflare schließlich handelte, zog ein anderer noch keine Konsequenzen. Der kanadische Dienstleister Tucows, der die Domain-Registrierung von 8chan kontrolliert, hatte nach Angaben der New York Times nach Stand von Sonntagabend nicht vor, die Geschäftsbeziehungen zu beenden.

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