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Nach Einigung in Ukraine : Janukowitsch verschwindet aus Kiew

  • Aktualisiert am

Ukrainische Regierungsgegner in einem Militärfahrzeug auf dem Majdan Bild: AFP

Regierungsgegner haben die Residenz des Staatspräsidenten Janukowitsch besetzt. Sie fanden sie verlassen vor. Janukowitsch hat sich abgesetzt - mit unbekanntem Ziel.

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          Die ukrainischen Sicherheitsorgane des Innenministeriums haben in Kiew offiziell auf die Seite der Opposition gewechselt. Das teilte die für die Polizei zuständige Behörde auf ihrer Internetseite mit. Das diene ausschließlich dem ukrainischen Volk und unterstütze das Streben der Bürger nach schnellstmöglichen Änderungen, hieß es in der Mitteilung.

          „Die Miliz ruft die Bürger auf, mit gemeinsamen Anstrengungen die Rechtsordnung im Staat zu wahren, keine Vernichtung der Infrastruktur der Rechtsschutzorgane zuzulassen, die jahrelang aufgebaut wurde und immer vom Volk benötigt wird für den Schutz vor rechtswidrigen Handlungen“, teilte das Ministerium mit.

          Janukowitschs Residenz in der Hand der Opposition

          Ukrainische Regierungsgegner nahmen unterdessen die Residenz des ukrainischen Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch kampflos ein. Zudem sind nach Angaben des stellvertretenden Vorsitzenden des Staatsschutzes, Nikolaj Reschepnjak, das Parlament, der Ministerrat und das offizielle Präsidentenpalast in der Hand der oppositionellen Kräfte. Die Objekte würden gemeinsam von den staatlichen Wachdiensten zusammen mit den revolutionären Milizen bewacht. Diese Angaben konnten zunächst nicht bestätigt werden. 

          „Meschigorja“, das luxuriöse Anwesen des Präsidenten außerhalb Kiews, sei ohne Gegenwehr eingenommen worden, berichten Oppositionelle. Der staatlichen Wachdienste habe sich kooperativ gezeigt. Momentan patrouillieren Regierungsgegner auf dem Gelände, Soldaten sind keine zu sehen.

          Vor dem opulent verzierten Eingangsportal schieben jetzt Sicherheitskräfte der Opposition Wache.

          Die gesamte Nacht, berichten Regierungsgegner, seien per LKW Gegenstände aus dem Palast abtransportiert worden. „Die Miliz hat sich gestern schon zurückgezogen“, sagte Reschepnjak. Er habe daher die Residenz an die Opposition zu übergeben. Er handele im Auftrag seines Vorgesetzten.

          Tausende Soldaten aus Kiew eskortiert

          Ein Mitglied der Regierungsgegner sagte, gestern hätten seine Einheit, eine Hundertschaft aus Wischgorod, insgesamt 1140 Polizeisoldaten des Innenministeriums aus der Stadt heraus eskortiert. Dies sei auf deren eigenen Wunsch geschehen.  Die Sicherheitskräfte seien vollständig demoralisiert gewesen.

          Janukowitsch, sagte Klitschko am Samstagmorgen, sei mit einem engen Kreis Vertrauter zunächst nach Charkow geflogen. Auch mehrere Medien berichteten darüber und beriefen sich auf jeweils eigene Kontakte in der Präsidialverwaltung. In Charkow ist am Samstag ein Kongress der regierenden Partei der Regionen geplant. Später hieß es allerdings Medienberichten zufolge, der Flughafen Charkow habe gemeldet, Janukowitsch sei dort nicht angekommen. Sein Aufenthaltsort blieb zunächst unklar.

          Regierungsgegner auf dem Majdan singen am Samstagmorgen die Nationalhymne

          Unterdessen erklärte der ukrainische Parlamentschef Wladimir Rybak seinen Rücktritt . Der Vertraute von Präsident Viktor Janukowitsch nannte am Samstagvormittag gesundheitliche Gründe für den Schritt, meldete die Nachrichtenagentur Interfax. In der ukrainischen Hauptstadt fordern unterdessen Zehntausende Regierungsgegner weiterhin den sofortigen Rücktritt von Staatspräsident Janukowitsch.

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