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Nach der Wahl : Begeisterte Libyer

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Dass die Wahl in Libyen weitgehend friedlich verlaufen ist, ist eine gute Nachricht. Doch das Land ist längst noch nicht befriedet und stabil. Die Stämme spielen noch immer eine wichtigere Rolle als die vielen Parteien.

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          Es wird noch etwas dauern, bis das amtliche Endergebnis der Wahlen in Libyen feststeht, doch der Enthusiasmus, mit dem die Bevölkerung jetzt - zum ersten Mal seit Menschengedenken - in die Wahllokale strömte, verdient in jedem Fall die Bezeichnung „historisch“. Ein Dreivierteljahr nach dem gewaltsamen Ende des Autokraten Muammar al Gaddafi, der mit seiner selbsterdachten „Volksdschamahirija“ - dem angeblich basisdemokratischen „Volksmassenstaat“ - die Libyer viele Jahre der elementarsten Menschenrechte beraubt hatte, bestimmt das libysche Volk nun selbst über seine Vertreter und die künftige Politik. Dass die säkulare Allianz der Nationalen Kräfte nach ersten Umfragen vorne zu liegen scheint, ist nicht die schlechteste Nachricht; und auch, dass der Urnengang weitgehend friedlich ablief, gehört zu den positiven Nachrichten aus Tripolis.

          Freilich finden diese Wahlen in einem Land statt, das längst nicht so befriedet und stabil ist, wie man sich das wünschen mag. In dem riesigen Wüstenstaat Libyen, der fünfmal so groß ist wie Deutschland, aber dünn besiedelt, spielen die Stämme noch immer eine weitaus wichtigere Rolle als die vielen, seit Gaddafis Sturz gegründeten Parteien; viele der Milizen, die gegen Gaddafi gekämpft haben, sind nicht entwaffnet und begleichen hier und da alte Rechnungen. Im tiefen Südosten des Landes, in den Kufra-Oasen, begehren die Stämme der Tubu auf, und insbesondere im Osten des Landes, in der Cyrenaika, wo der bewaffnete Aufstand gegen Gaddafi im Februar 2011 mit Demonstrationen in Benghasi begonnen hatte, ist das Misstrauen gegenüber dem westlichen Landesteil um die Hauptstadt Tripolis groß.

          Dort hielten manche noch recht lange zu dem gestürzten „Bruder Oberst“. Nicht von ungefähr stürmten in Benghasi Bewaffnete ein Wahllokal und setzten es in Brand. Insgesamt freilich war auch in der Hauptstadt der Cyrenaika die Freude über die ersten freien Wahlen groß. Wie in Tunesien und Ägypten, sind sich auch die Libyer nicht einig in der Frage, wie religiös ihr Land sein soll, vor allem, wie stark der Islam in den Institutionen des Staates verankert werden soll. Der Osten, noch immer stark von den Traditionen der Senussi-Bruderschaft geprägt, gilt als religiöser als der Westen. So spricht manches dafür, dass sich in Libyen nach den Wahlen in Sachen Religion ähnliche Dispute entwickeln werden wie in den beiden Nachbarländern Tunesien und Ägypten. Allerdings: Gegen den Islam wird nichts gehen.

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