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Nach der Tötung Bin Ladins : Kritik an Informationspolitik des Weißen Hauses

  • -Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Obama vor dem Abflug nach New York Bild: dapd

Widersprüchliche Informationen zu den Umständen der Tötung des Al-Qaida-Führers Usama Bin Ladin schüren Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Regierung von Präsident Barack Obama.

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          Am Donnerstag sind die Kritik und das Misstrauen angesichts der widersprüchlichen Informationen der amerikanischen Regierung zu den Umständen der Tötung Usama Bin Ladins gewachsen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Vor seiner Reise nach New York zum Ground Zero hatte Präsident Obama verfügt, dass die Fotos des von mindestens zwei Kugeln getöteten Terroristenführers Bin Ladin nicht veröffentlicht werden. In einem Interview mit dem Fernsehsender CBS sagte Obama, es sei „sehr wichtig für uns, dass die grausamen Fotos eines durch einen Kopfschuss getöteten Menschen nicht als Propagandainstrument für den Aufruf zu neuen Gewalttaten herumschwirren“. Zudem sei es unwürdig, „dieses Zeug wie eine Trophäe herumzuzeigen“, sagte der Präsident.

          Ein „unzweifelhafter Beweis“ für den Tod Bin Ladins?

          Diese Äußerung des Präsidenten stieß auf teilweise heftige Kritik: Die Forderung nach Veröffentlichung der Fotos habe nichts mit Triumphalismus zu tun, sondern mit den Verschwörungstheorien, wonach sich Bin Ladin nicht in dem Haus in Abbottabad befunden habe. Der republikanische Senator Lindsay Graham sagte, der riskante Einsatz der Eliteeinheit der Kriegsmarine sei doch vor allem deswegen der Bombardierung des Anwesens durch Drohnen vorgezogen worden, „um unzweifelhafte Beweise für Bin Ladins Tod zu gewinnen“.

          Präsident Obama besuchte auch die Feuerwehrstaffel am Times Square.

          Die Veröffentlichung der Fotos sei deshalb „die beste Vorgehensweise, um unsere nationalen Interessen in aller Welt zu verteidigen und zu schützen sowie der Welt einen unzweifelhaften Beweis zu liefern“. Fotos des erschossenen Kuriers, von dessen Bruder und offenbar auch von Bin Ladins Sohn wurden zunächst in Pakistan und dann auch von internationalen Nachrichtenagenturen veröffentlicht.

          Stetig neue Versionen vom Verlauf der Operation

          Mehr noch als der Streit über die Veröffentlichung der umstrittenen Fotos des Leichnams Bin Ladins oder auch von Videoaufnahmen von dessen Seebestattung wenige Stunden nach seinem Tod in Gewässern vor der Südküste Pakistans schüren die immer neuen Versionen vom Verlauf der Operation Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Regierung. Am Donnerstag verhängte das Weiße Haus faktisch eine Informationsblockade, nachdem seit der Operation vom 1. Mai täglich neue und zudem widersprüchliche Versionen über den Verlauf des Einsatzes bekanntgeworden waren.

          Zunächst hatte Obamas Anti-Terror-Berater John Brennan mitgeteilt, Bin Ladin sei bei einem Schusswechsel erschossen worden, zudem habe er eine seiner Ehefrauen als menschliches Schutzschild missbraucht. Deshalb sei auch seine Frau in dem Schlafraum im zweiten Stock des Gebäudes erschossen worden. Diese Version wurde zunächst dahingehend korrigiert, dass Bin Ladin selbst nicht bewaffnet gewesen sei.

          Zudem sei seine jüngste Ehefrau auch nicht als Schutzschild missbraucht worden, vielmehr sei sie durch einen Beinschuss verletzt worden, als sie sich den amerikanischen Soldaten in den Weg gestellt habe. Bei der getöteten Frau habe es sich um die Ehefrau des Bruders von Bin Ladins Kurier gehandelt, die zusammen mit ihrem Mann im Erdgeschoss erschossen wurde.

          Bin Ladin anscheinend unbewaffnet

          Nach der jüngsten Version kamen die gut zwei Dutzend Soldaten der Eliteeinheit bei der Erstürmung des Hauptgebäudes überhaupt nicht unter Feuer. Schüsse wurden lediglich aus einem Nebengebäude abgegeben, in dem sich Bin Ladins Kurier Scheich Abu Ahmed aufgehalten hatte. Erst nachdem der in Kuweit geborene pakistanische Kurier erschossen worden war, begann demnach der Sturm auf das Hauptgebäude, in dem sodann im Erdgeschoss neben dem Bruder des Kuriers und dessen Ehefrau auch der jüngste Sohn Bin Ladins erschossen wurde.

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