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Nach der Nominierung : Romney: Obama fehlt der Führungswillen

Mitt Romney und seine Frau Ann am Dienstagabend in Tampa Bild: AFP

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Mitt Romney, hat die Außenpolitik von Präsident Obama kritisiert. Auch andere führende Republikaner beklagten den schwindenden Einfluss Amerikas in der Welt.

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          Nach der offiziellen Nominierung Mitt Romneys zum Präsidentschaftskandidaten und des Abgeordneten Paul Ryan für das Amt des Vizepräsidenten zum Auftakt ihres Parteitages in Tampa im Bundesstaat Florida vom Dienstag haben die Republikaner am Mittwoch die Außen- und Sicherheitspolitik von Präsident Barack Obama scharf kritisiert. Romney, der sich am Dienstagabend nach der Rede seiner Frau Ann kurz auf dem Parteitag gezeigt hatte, sagte in einer Rede vor dem Veteranenverband „American Legion“ in Indianapolis, Obama fehle der Führungswillen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Auch kritisierte Romney die geplanten Streichungen im Verteidigungshaushalt. Auf dem Parteitag in Tampa beklagten die frühere Außenministerin Condoleezza Rice sowie der Präsidentschaftskandidat von 2008 John McCain den schwindenden Einfluss Amerikas in der Welt. Die Doktrin Obamas, die informell „Führung aus der zweiten Reihe“ genannt wird, sei gescheitert. Zum Abschluss des zweiten Tages der „National Convention“, der unter dem Motto „Wir können es ändern“ (We Can Change It) stand, wollte sich in der Nacht zum Donnerstag Ryan an die mehr als 2000 Delegierten wenden.

          Das Motto des ersten Tages der Parteiversammlung lautete „Wir haben es aufgebaut“ (We Built It). Der Satz richtete sich gegen eine Aussage Obamas, der bei einer Wahlkampfveranstaltung mit den Worten „Ihr habt das nicht aufgebaut“ auf die Bedeutung von steuerfinanzierter Infrastruktur, Schulen und Verwaltungen hingewiesen hatte, ohne die privates Wirtschaften gar nicht möglich sei. Zahlreiche Unternehmer und Politiker stellten die Mühen von kleinen und mittleren Betrieben in der gegenwärtigen Wirtschaftslage und angesichts hoher Steuern sowie unübersichtlicher Regulierungen in den Vordergrund. Außerdem wandten sich die Rednerinnen und Redner an weibliche Wähler, die in Umfragen deutlich mehr Sympathie für Präsident Obama als für den Herausforderer Romney äußern, und an Angehörige der Minderheiten.

          Die Hauptrede hielt Romneys Ehefrau Ann, die ihren Mann als liebenden Familienvater mit Sinn für Humor und als hart arbeitenden Geschäftsmann präsentierte, der vielen Menschen in Not geholfen habe, ohne sich dafür in der Öffentlichkeit zu brüsten. „Heute Abend möchte ich mit Euch über Liebe reden, nicht über Politik“, sagte sie, ehe sie erzählte, wie sie ihren künftigen Mann bei einem Tanzabend ihrer Schule kennenlernte. In ihrer gut 20 Minuten langen Rede wies die 63 Jahre alte Mutter von fünf Söhnen und Großmutter von 18 Enkeln das oft kolportierte Bild zurück, sie und ihr Mann hätten eine „Märchenehe“ ohne materielle oder andere Nöte geführt. Frau Romney stellte dem die harte Arbeit als Hausfrau und Mutter von fünf Söhnen gegenüber und erwähnte ihre Erkrankungen an Multipler Sklerose und an Brustkrebs: „Mitt und ich führen eine echte Ehe.“

          Die sorgsam auf die Nöte von Frauen in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ausgerichtete Rede mündete in ein Loblied auf die Rolle von Frauen und Müttern in der amerikanischen Gesellschaft: „Es sind die Mütter, die immer ein bisschen härter arbeiten müssen, damit alles recht wird.“ Frauen erwarteten nicht, dass ihr Leben leicht sein werde, was Männer kaum je verstünden. „Ihr seid das Beste an Amerika. Ihr seid die Hoffnung für Amerika“, rief Frau Romney, die für ihre Rede langen Beifall erhielt. Die Rede Ann Romneys gipfelte in dem Versprechen, ihr Mann werde im Falle seiner Wahl die Probleme lösen, vor denen Amerika stehe: „Dieser Mann wird nicht scheitern. Dieser Mann wird uns nicht im Stich lassen. Dieser Mann wird Amerika wieder aufrichten!“

          Bilanz Obamas „ein Schatten seiner Rhetorik“

          Im Mittelpunkt der weiteren Reden des Abends stand das Bekenntnis zum freien Unternehmertum, die Klage über eine hypertrophe Regierungsbürokratie und über die steigende Staatsverschuldung. Im Saal des „Tampa Bay Times Forum“, der für viele Millionen Dollar für den Parteitag hergerichtet worden war, ist eine „Nationale Schuldenuhr“ angebracht, deren rasch laufende Digitalziffern das Anwachsen des Schuldenberges auf bald 16 Billionen Dollar anzeigt. Der „Sprecher“ des Repräsentantenhauses John Boehner sagte, die Bilanz von dreieinhalb Jahren Regierung von Präsident Obama sei „nur ein Schatten seiner Rhetorik“.

          Der unterlegene Präsidentschaftsbewerber Rick Santorum bezeichnete die Präsidenten- und Kongresswahlen vom 6. November als Möglichkeit der „Entscheidung für Leben und Freiheit und gegen Abhängigkeit“. In seiner Grundsatzrede zum Abschluss des Tages sagte der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, es sei an der Zeit, „diese Ära fehlender Führung“ zu beenden. Der Abschluss des Parteitags mit der Rede Romneys an diesem Donnerstag steht unter der Überschrift „Wir glauben an Amerika“.

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