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Nach den Wahlverlusten : Labours neues Motto: Wir haben verstanden

Brown sieht die „schwierigen wirtschaftlichen Umstände” als Grund für die Wahlverluste an Bild: AFP

Die dramatische Niederlage bei den Kommunalwahlen stürzt Gordon Brown und seine Partei in die Krise. Nun herrscht eine blanke Unsicherheit darüber, mit welchem Kurs Labour das Vertrauen einer Mehrheit der Wähler zurückgewinnen könnte.

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          Von diesem Sieg werden sich die britischen Konservativen lange nicht erholen. Er ist zu unerwartet und zu deutlich ausgefallen, um die Partei unverändert zu lassen. Boris Johnson, der Außenseiter, der Bajazzo, der Nonkonformist, hat im Namen der Konservativen Partei den Londoner Bürgermeister Livingstone besiegt, den absolutistischen Amtsinhaber, der die Alliteration London = Livingstone den Einwohnern der britischen Hauptstadt drei Jahrzehnte lang mit immer neuen Provokationen und politischen Ideen ins Bewusstsein gedrückt hat.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Bis zum Ende einer fünfzehn Stunden währenden Stimmauszählung hatte der blonde Bobtail Boris Johnson seinen Erfolg nicht wahrhaben wollen, hatte während des zähen Auszählungstages und noch in der Nacht Glückwünsche und Fragen nach der Zukunft abgewehrt. Dann, nachdem das Ergebnis gegen Mitternacht verkündet worden war, zog er doch ein vorbereitetes Redemanuskript aus dem Sakko und las, ohne zu lächeln, den Satz vor: „Ich glaube keine Minute, dass diese Wahl beweist, London sei zu einer Stadt der Konservativen geworden - aber ich hoffe, die Wahl zeigt, dass die Konservativen zu einer Partei geworden sind, der man nach dreißig Jahren wieder die großartigste, kosmopolitischste, multikulturellste Stadt der Welt anvertrauen kann.“

          Überzeugende Wahlsiege der Konservativen

          Und wenn auch der Anspruch eines Bürgermeisterkandidaten kühn erscheint, mit seinem Wahlerfolg gleich die Reform der eigenen Heimatpartei belegen zu wollen, so trifft seine Analyse dennoch mitten in das aufgehellte Blau, das die Konservativen als Parteifarbe zeigen. David Cameron, der Anführer der Konservativen, hatte nach dem Überraschungscoup, mit dem er vor drei Jahren die Parteispitze eroberte, anhaltende Autoritätsschwierigkeiten. Oft ließ ihn der hinhaltende ironische Widerstand der alten Parteigarde nicht jugendlich und ideenreich, sondern vorlaut und naseweis wirken. Cameron saß nicht entspannt und bequem auf seinem Führungsposten, sondern rutschte unablässig hin und her zwischen dem Zwang, die eigenen stockkonservativen Anhänger zu besänftigen, und der Erkenntnis, dass Mehrheiten für seine Partei nur durch Anpassung an die gesellschaftlichen Sympathiegesetze in den Kapiteln Soziales und Ökologie zu gewinnen seien.

          In Boris Johnson fand Cameron eine Figur, die den Wandel der Partei verkörpern konnte. In der Nacht seines Erfolges blieb den alten Eulen der Tories bloß der Trost der Prophezeiung, Boris werde seinem Parteichef nach der ersten Freude bald viel Kummer bereiten. Michael Portillo - eine der ewigen und unerfüllten Führungshoffnungen der Konservativen - weissagte in der Auszählungsnacht altklug, bis zur nächsten Unterhauswahl in frühestens einem, spätestens zwei Jahren werde Cameron jetzt ängstlich die Luft anhalten, stets in Sorge, dass Boris als Bürgermeister irgendeinen Blödsinn begehe. Doch der Sieg der Blauen ist auch außerhalb Londons bei den Kommunalwahlen in England und Wales so überzeugend ausgefallen, dass der Oppositionsführer Cameron seine Nervosität erst einmal bezähmen kann. Hochrechnungen aus den lokalen Wahlergebnissen ermitteln, dass die Konservativen gegenwärtig bei einer Unterhauswahl 140 Sitze mehr als Labour gewönnen - eine „Arbeitsmehrheit“, mit der auch ein unerfahrener Premierminister am Anfang mehr als auskäme.

          Ohne Livingstone in London hätte Labour noch viel dramatischer verloren

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