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Nach den Anschlägen in Algier : „Äußerste Wachsamkeit“ in Frankreich und Spanien

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Einen Tag nach den Anschlägen in Algerien wächst in Madrid und Paris die Angst vor Terroranschlägen. Vor allem Spanien könnte mit seinen beiden Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika ins Visier von Extremisten geraten.

          Einen Tag nach den Anschlägen in Algerien hat der prominente spanische Ermittlungsrichter Baltasar Garzón vor einer erhöhten Terrorgefahr in Spanien gewarnt. Das traditionell mit den Maghreb-Staaten eng verbundene Land sei dem „großen Risiko eines neuen islamistischen Anschlags“ ausgesetzt, sagte Garzón der Zeitung „La Vanguardia“ (Donnerstagausgabe). Der Richter rief zu erhöhter Wachsamkeit auf.

          Mit seinen beiden Exklaven Ceuta und Melilla auf nordafrikanischem Boden sei Spanien im Visier von Extremisten. Zu den fast zeitgleich verübten Autobombenattentaten am Mittwoch in Algier hatte sich die Gruppe Al Qaida im Maghreb bekannt. „Wir werden nicht ruhen, bis wir die ganze Erde des Islam von Kreuzzüglern, Abtrünnigen und Spionen befreit und wir wieder Fuß im geraubten Andalusien und im missbrauchten Kuds (Jerusalem) gefasst haben“, hieß es in der Bekennernachricht.

          Höchste Alarmstufe in Madrid

          Die historische Anspielung auf Andalusien bezieht sich auf die Zeit der maurischen Herrschaft im Süden der iberischen Halbinsel zwischen dem achten und 15. Jahrhundert.

          In Madrid herrscht schon wegen des Terrorprozesses höchste Alarmbereitschaft

          Wegen des seit Mitte Februar laufenden Terrorprozesses nach den Anschlägen vom 11. März 2004 herrscht in der spanischen Hauptstadt Madrid bereits die höchste Alarmstufe. Nach Informationen der Zeitung „ABC“ ordnete das Innenministerium in Madrid eine verschärfte Beobachtung von Verdächtigen mit Kontakten in die islamistische Szene sowie der Exklaven Ceuta und Melilla an. Bei den Anschlägen in Algier gegen den Regierungssitz und eine Polizeiwache wurden mindestens 24 Menschen getötet und 222 weitere verletzt.

          Auch Frankreich fühlt sich bedroht

          Der französische Innenminister François Baroin sieht durch die Anschläge in Algier die Bedrohung Frankreichs durch Terroristen bestätigt. Baroin rief zu „äußerster Wachsamkeit zu jeder Zeit, überall in Frankreich und unter allen Umständen“ auf. Paris ist nervös, denn Geheimdienste haben vor möglichen Bombenattentaten während der Präsidentenwahlen gewarnt.

          „Zielscheibe Frankreich“ heißt es seit einiger Zeit. Denn die algerischen Terroristen haben mit der Anbindung an Al Qaida auch die Losung ausgegeben, „gegen die Gegner unseres Glaubens überall dort vorzugehen, wo wir sie denn treffen können.“ Unter anderem wegen des Kopftuchverbots an Frankreichs Schulen und der Kolonialvergangenheit haben die Islamisten Frankreich im Visier. 2006 nahmen französische Sicherheitskräfte nicht weniger als 139 mutmaßliche Terroristen oder deren Helfer fest. Ein Ende der Alarmbereitschaft ist nicht in Sicht.

          Jordanien: „Feige Anschläge“

          Unterdessen haben die algerischen Ermittler am Donnerstag die Fahndung nach Hintermännern aus dem Umfeld des Al-Qaida-Terrornetzwerkes verstärkt. Rund um die neuralgischen Punkte der Hauptstadt und vor allem an den Polizeistationen wurden die Sicherheitsmaßnahmen massiv verschärft. Algeriens gesamte politische Klasse und damit auch die zugelassenen islamistischen Parteien verurteilten die Anschläge.

          Der französische Staatschef Jacques Chirac hat seinem algerischen Kollegen Abdelaziz Bouteflika die Solidarität Frankreichs zugesagt und die Anschläge „schärfstens verurteilt“. Algeriens Kampf gegen den internationalen Terrorismus sei auch der Kampf der Pariser Regierung, machte Chirac deutlich.

          Auch die iranische Regierung hat die Anschläge verurteilt. Sie seien mit dem islamischen Glauben nicht vereinbar, sagte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums. Der jordanische König Abdullah II. sprach von feigen Anschlägen, die nichts mit dem Islam zu tun hätten.

          Reisewarnungen mehrerer Staaten

          Mehrere Staaten haben ihre Bürger zu besonderer Vorsicht bei Reisen in das nordafrikanische Land angehalten. Das Auswärtige Amt in Berlin riet Reisenden in Algerien, „zeitnahe Erkundigungen über die örtliche Sicherheitslage einzuholen“. Ein erhöhtes Risiko bestehe außerhalb der großen Städte und abseits der großen Verbindungsstraße, vor allem in der Kabylei.

          Die französische Regierung erklärte, dass die großen Städte im allgemeinen als sicher einzuschätzen seien. Gleichwohl werde zu größter Vorsicht aufgerufen. Die Franzosen in Algerien sollten vermeiden, zu festen Zeiten auf den gleichen Wegen unterwegs zu sein. Die amerikanische Botschaft in Algier teilte mit, dass Bewegungen der Mitarbeiter am Donnerstag und Freitag auf das Nötigste eingechränkt würden.

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