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Nach den Anschlägen : Die Rückkehr des Krieges nach Moskau

  • -Aktualisiert am

Die Angst vor dem Terror ist nach Moskau zurückgekehrt Bild: REUTERS

Von der russischen Hauptstadt aus schienen die Kämpfe in Nordkaukasus ein weit entferntes Geschehen zu sein. Der Anschlag brachte die Terrorangst wieder, in der die Moskauer in der ersten Hälfte des Jahrzehnts gelebt hatten - und die Frage, was seither geschehen sei.

          Die Metro ist der Stolz der Moskauer. Bis zu neun Millionen Menschen bewegen die Züge der nach Lenin benannten Untergrundbahn jeden Tag, das sind fast so viele Menschen, wie Moskau, wenigstens nach offiziellen Angaben, Einwohner zählt. Für mindestens 39 meist junge Menschen wurde die Metro am Montagmorgen jedoch zur tödlichen Falle. Zwei Explosionen in zwei Zügen der Untergrundbahn kosteten ihnen das Leben, 65 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Mitten im Berufsverkehr zündeten Selbstmordattentäter kurz vor acht Uhr an der Haltestelle „Lubjanka“ und etwa vierzig Minuten später an der Station „Park Kultury“ ihre tödlichen Ladungen, als die Züge in die Bahnhöfe einfuhren und sich die Türen öffneten. Deshalb gab es auch Opfer unter denen, die auf dem Bahnsteig warteten.

          Noch bevor die Ermittler erste Vermutungen preisgaben, wurde im Rundfunk sofort davon gesprochen, dass die Auftraggeber der Anschläge sicherlich im Nordkaukasus zu suchen seien. Irgendwann habe das ja so kommen müssen, denn Russland führe Krieg gegen den bewaffneten Untergrund im Nordkaukasus. Weil der letzte Anschlag auf die Metro sechs Jahre her sei und der berüchtigte tschetschenische Terroristenführer Schamil Bassajew, der 2004 Anschläge auf zwei Flugzeuge, die Moskauer Metro geplant und die Geiselnahme von Beslan organisiert hatte, 2006 getötet worden sei, habe man sich Moskau fälschlicherweise in Sicherheit gewiegt.

          Es gab in den vergangenen Jahren nur noch wenige sichtbare Spuren der Terrorangst, in der die russische Hauptstadt in der ersten Hälfte des Jahrzehnts gelebt hatte: An vielen öffentlichen Plätzen blieben die Papierkörbe abmontiert, aus Furcht, sie könnten von Bombenlegern genutzt werden. Und an den langen Rolltreppen hinunter in die Metro forderten noch immer Plakate die Bürger auf, verdächtige Auffälligkeiten der Miliz zu melden.

          Dutzende Menschen wurden bei den Explosionen getötet

          Dass der Krieg aus dem am Rande des großen Landes liegenden, weit von Moskau entfernten Nordkaukasus wieder in das russische Kernland zurückkehren kann, wurde schon im November vergangenen Jahres deutlich, als bei einem Anschlag auf den zwischen Moskau und Sankt Petersburg verkehrenden Hochgeschwindigkeitszug „Newskij Ekspress“ 26 Menschen getötet wurden. Am Montag traf es nun auch die Hauptstadt selbst wieder. Statt Bomben in Müllcontainern wurden vermutlich Sprengstoffgürtel als Waffen benutzt, die sehr wahrscheinlich zwei Frauen aus dem Nordkaukasus mitten unter den Passagieren der Untergrundbahn zur Explosion gebracht hatten. Die Warnung, dass wieder junge Frauen für Selbstmordanschläge angeworben würden, hatte bereits vor zwei Jahren einer, der es wissen musste, ausgesprochen. Der inzwischen ermordete ehemalige tschetschenische Kommandeur der Sondereinheit „Bataillon Ost“ Sulim Jamadajew hatte damals gesagt, in den Bergen Tschetscheniens würden wieder „Schwarze Witwen“ ausgebildet.

          Die ersten Hinweise darauf erfuhren die Moskauer aus dem Radio, und sie hörten die Vermutung, dass die Anschläge wahrscheinlich ein Racheakt des islamistischen Untergrunds seien, dem die Sicherheitskräfte in den vergangenen Monaten schwere Verluste beigebracht hatten. So war einer der "Ideologen" im Kampf um die Errichtung eines Kalifats im Nordkaukasus vor kurzem getötet worden, ein Russe, der den Kampfnamen Said Burjatskij trug und angeblich hinter dem Anschlag auf den „Newskij Ekspress“ stand. Vor wenigen Tagen wurde auch Ansor Astemirow erschossen, der vor fünf Jahren den Angriff von Untergrundkämpfern auf Naltschik, die Hauptstadt der Teilrepublik Kabardino-Balkarien, mit angeführt hatte, bei dem mehr als hundert Menschen getötet wurden.

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