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Nach dem Start explodiert : Nordkorea scheitert mit neuem Raketentest

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Direkt vor dem Besuch von Donald Trumps Vize in Südkorea startet der Norden wieder eine Rakete. Der Test scheitert zwar, könnte den Konflikt aber verschärfen – auch wenn Amerika zunächst gelassen reagiert.

          3 Min.

          Nordkorea hat am Sonntag wie befürchtet eine Rakete getestet, die jedoch unmittelbar nach dem Start explodierte. Amerikas Verteidigungsministerium bestätigte das Scheitern: Die Rakete sei „fast sofort explodiert“.

          Der Raketentest erfolgte nur einen Tag nach einer gigantischen Militärparade in Pjöngjang zum 105. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung. Amerikas Präsident Donald Trump, der mit einem Alleingang gegen Nordkorea gedroht hatte, wurde über den Test informiert.

          Welcher Raketentyp genau getestet wurde, war zunächst unklar. Nordkorea habe versucht, eine ballistische Rakete abzufeuern, sagte Dave Benham, ein Sprecher des amerikanischen Pazifik-Kommandos, in Washington. Die Rakete sei in der Nähe von Sinpo abgeschossen worden. Nach Beobachtungen des Militärs erfolgte der Raketenabschuss um 23.21 Uhr deutscher Zeit. Zuvor hatte schon das südkoreanische Verteidigungsministerium den Raketentest gemeldet.

          Pence in Südkorea gelandet

          Amerikas Verteidigungsminister Jim Mattis erklärte, „der Präsident und sein Militärteam“ hätten „Kenntnis von Nordkoreas jüngstem erfolglosen Raketentest“. „Der Präsident hat keinen weiteren Kommentar“, hieß es. Der amerikanische Vizepräsident Mike Pence ist derweil in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul eingetroffen. Er will angesichts der verschärften Spannungen um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm die Solidarität Amerikas mit dem südkoreanischen Verbündeten bekunden.

          Mit dem Raketentest sei zu rechnen gewesen, sagte ein Berater von Vize-Präsident Mike Pence am Sonntag. Er sei nicht überraschend gekommen und ebenso fehlgeschlagen wie der vorherige Test. „Wir müssen nicht mehr Ressourcen dagegen aufwenden“, sagte der Berater, der namentlich nicht genannt werden wollte und Pence bei einem Südkorea-Besuch begleitet. Bei dem Geschoss habe es sich vermutlich um eine Mittelstrecken-Rakete gehandelt. Die gute Nachricht sei, dass der Test schon nach fünf Sekunden gescheitert sei. Außenminister Rex Tillerson telefonierte der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge wegen des Vorfalls mit der chinesischen Führung. Zum Inhalt des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.

          Am Ostersonntag trifft sich Pence mit amerikanischen Truppen, die in Südkorea stationiert sind, bevor er am Montag auf den kommissarischen Präsidenten Südkoreas, Hwang Kyo-ahn, treffen wird. Dabei wird voraussichtlich die von Nordkorea ausgehende wachsende nukleare Bedrohung im Mittelpunkt stehen.

          Pence wurde nach Informationen des Senders CNN kurz nach einem Zwischenstopp in Alaska über Nordkoreas gescheiterten Raketentest vom Sonntagmorgen informiert. Er habe auch direkten Kontakt mit Präsident Donald Trump gehabt.

          Machtdemonstration : Nordkorea zeigt am „Tag der Sonne“ neue Waffen

          Weltweit war befürchtet worden, dass Nordkorea anlässlich des 105. Geburtstags von Kim Il-sung einen sechsten Atomwaffentest unternehmen könnte. Amerikanischen Experten zufolge hatten Satellitenbilder verdächtige Aktivitäten auf dem Testgelände Punggye Ri gezeigt.

          Sorge vor Atomwaffentests

          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un – ein Enkel Kim Il-sungs – hatte allein im vergangenen Jahr zwei Atomwaffentests vornehmen lassen. Gleichzeitig arbeitet die nordkoreanische Führung an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis zu Amerikas Westküste getragen werden könnten. Das stalinistisch geführte Land verstößt damit gegen mehrere Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.

          Bei der Militärparade in Pjöngjang waren am Samstag 56 Raketen verschiedener Bauart präsentiert worden, darunter möglicherweise auch auch eine neue ballistische Interkontinentalrakete. Experten zweifelten allerdings an der Echtheit aller bei der Parade präsentierten Raketen.

          Konflikt droht zu eskalieren

          Der Konflikt um das umstrittene nordkoreanische Atomprogramm hatte sich zuletzt verschärft. Trump drohte, die Vereinigten Staaten seien notfalls zu einem Alleingang bereit, wenn China nicht den Druck auf seine Verbündeten in Pjöngjang erhöhe. Washington kündigte an, wegen der Gefahr aus Nordkorea „militärische Optionen“ zu prüfen. Vergangene Woche schickte Amerika einen Flugzeugträger und mehrere Kriegsschiffe zur Koreanischen Halbinsel.

          Im Gegenzug drohte Nordkorea den Vereinigten Staaten, einen Atomangriff mit einem entsprechenden Gegenschlag zu vergelten. Nordkorea sei bereit, einen „vollständigen Krieg mit einem vollständigen Krieg zu beantworten“, sagte die Nummer zwei des stalinistisch geführten Landes, Choe Ryong-hae. „Wir sind bereit, auf jeden Atomangriff mit einem Atomangriff auf unsere Weise zu reagieren.“

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