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Ex-Guerilleros in Kolumbien : Nach dem Kampf

Ehemalige Farc-Kämpfer lassen sich als Minenräumer ausbilden. Bild: AFP

Die Wiedereingliederung der früheren Farc-Guerilleros ins zivile Leben Kolumbiens gestaltet sich schwierig. Doch es gibt auch Erfolgsgeschichten. Das Gelingen des Friedensprozesses hängt vom Erfolg der Projekte ab.

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          Das Restaurant „El Cielo“ gehört zu den angesagtesten Adressen in Bogotá und in Medellín. Spitzenkoch Juan Manuel Barrientos serviert hier Menüs auf höchstem Niveau, die ihn unter die besten Köche Lateinamerikas gebracht haben. Das Restaurant fällt allerdings nicht nur durch seine extravagante Küche auf, sondern auch durch einige der Köche am Herd: Unter ihnen finden sich sowohl frühere Kämpfer der „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) wie auch ehemalige Soldaten der Armee. Früher im Krieg gegeneinander, kochen sie heute gemeinsam. Schon vor dem Friedensabkommen zwischen Kolumbien und den Farc hatte Barrientos eine Stiftung gegründet, die durch Verletzungen untauglich gewordene Soldaten, ausgestiegene Guerilleros und Paramilitärs in der Küche ausbildet. Sie kochen sozusagen für den Frieden und erlernen ein Handwerk, das ihnen den Wiedereinstieg in die Zivilgesellschaft ermöglicht. Die Besten schaffen es ins „El Cielo“, das dreißig Prozent seiner Gewinne in die Stiftung steckt.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Wer im „El Cielo“ einen Espresso bestellt, der könnte rein hypothetisch noch mehr von den früheren Guerilleros bekommen. In den sogenannten „Reintegrationszonen“, wo ausgestiegene Kämpfer seit dem Friedensvertrag auf ein Leben in der Zivilgesellschaft vorbereitet werden, haben sich Kooperativen unter anderem dem Kaffeeanbau gewidmet – einige mit ansehnlichem Erfolg. Das Projekt hat das Interesse des italienischen Kaffeeproduzenten Illy geweckt, der in diesem Jahr mit einer Kooperative im Departement Cauca einen Vertrag über die Lieferung von rund 500 Tonnen Kaffee in den kommenden fünf Jahren abgeschlossen hat. Illy unterstützt die Produzenten technisch und garantiert ihnen die Abnahme. Bis zu 500 ehemalige Farc-Kämpfer haben dadurch einen bezahlten Job erhalten. Einer der von früheren Guerilleros produzierten Kaffees ist von derart herausragender Qualität, dass er im Oktober eine internationale Auszeichnung erhalten hat. Sein Name: „Espirito de Paz“ – Geist des Friedens.

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