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Nach dem Flugzeugabschuss : Obama macht indirekt Separatisten verantwortlich

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Flugzeugabschuss

Gibt die „Black Box“ Aufschlüsse?

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, Moskau sei dafür, dass an der Absturzstelle „internationale Fachleute“ so rasch wie möglich eintreffen sollten, die dort die „Black Boxes“ in Empfang nehmen sollten. Russland beabsichtige nicht, sie zu nehmen. Damit wies Lawrow eine Äußerung des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko zurück, die Separatisten könnten die „Black Boxes“ nach Moskau bringen. Ein Sprecher der kiewtreuen Gebietsverwaltung von Donezk teilte am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax mit, man habe die beiden Flugschreiber gefunden. Es blieb zunächst aber unklar, wo sie sich befanden. Die Absturzstelle wurde von Kräften der Separatisten kontrolliert.

Einige Mitglieder des UN–Sicherheitsrates wollten zudem die Konfliktparteien auffordern, eine Feuerpause einzuhalten. Australien fordert eine Resolution des Rats, die völkerrechtlich verbindlich wäre. Das Weiße Haus hatte am Donnerstagabend in einer Stellungnahme darauf verwiesen, dass zwar die Fakten noch unklar seien, sich der Abschuss des Flugzeugs aber „im Kontext einer Krise in der Ukraine ereignete, die durch russische Unterstützung für Separatisten, auch durch Waffen, Ausrüstung und Ausbildung angefacht“ worden sei.

Präsident Barack Obama ließ zunächst nicht erkennen, ob er seine Gangart gegenüber Russland abermals verschärfen will. Mehrere Demokraten vertraten die Ansicht, wenn sich Hinweise auf eine russische Verwicklung ergäben, seien vor allem die Europäer gefordert, den Kreml härter zu bestrafen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich dagegen aus, auf den Vorfall mit neuen europäischen Sanktionen zu reagieren. Sie erinnerte daran, dass die EU auf ihrem Gipfeltreffen am Donnerstag schon im Grundsatz eine Ausweitung der Sanktionen gegen Russland und die ukrainischen Aufständischen beschlossen hatten. Die Außenminister der EU werden darüber am Dienstag beraten.

Putin: Mit Poroschenko in Kontakt

Der russische Präsident Wladimir Putin sagte am Freitag, er stehe mit Poroschenko „in Kontakt“. Er hoffe, dass es Poroschenko gelinge, einen „endgültigen, völligen und langfristigen Frieden“ in der Ostukraine herzustellen. In der Nacht auf Freitag hatte Putin geäußert, „zweifellos“ trage die Ukraine als Staat, „über dessen Territorium das geschah, Verantwortung für diese schreckliche Tragödie“.

Die Regierungen in Moskau und Kiew wiesen sich unterdessen weiter gegenseitig die Schuld für den Tod der 298 Menschen an Bord zu. Der ukrainische Geheimdienst SBU teilte mit, an der Grenze zu Russland seien zwei Russen festgenommen worden. Sie seien Teil einer Belegschaft einer Batterie von Boden-Luft-Raketen des Typs Buk gewesen, die am Mittwoch von Russland aus auf ukrainisches Gebiet vorgedrungen sei. Einer der Männer habe Dokumente bei sich, die seine militärische Verwendung für Zieleinstellungen von Raketen zeigten.

Das russische Verteidigungsministerium teilte hingegen mit, die Route der Maschine und der Ort ihres Absturzes lägen in einem Gebiet, dass die ukrainische Armee mit Buk-Raketen und solchen des Typs S-200 beschieße. Kiew wies dies zurück. Die prorussischen Separatisten bezeichneten ihrerseits Mitschnitte von Telefonaten, die der SBU veröffentlichte und die ihre Verantwortung für den Abschuss beweisen sollen, als „Propaganda“.

Das Linienflugzeug der Malaysia Airlines war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur, als sie am Donnerstag abstürzte. Nach Angaben der Fluggesellschaft waren 298 Insassen an Bord der Boeing 777, unter ihnen 189 Niederländer und vier Deutsche, mehr als 40 Malaysier, Australier, Indonesier, Briten und andere Nationalitäten. Besonders in den Niederlanden und Malaysia reagierten die Menschen mit Trauer und Entsetzen auf das Unglück.

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