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Nach dem Blutbad in Bombay : Innenminister tritt zurück - schwere Vorwürfe gegen Pakistan

  • Aktualisiert am

Nach drei Tagen unter Kontrolle: Sicherheitskräfte vor dem Hotel „Taj Mahal” in Bombay Bild: REUTERS

Der nach den Terroranschlägen von Bombay in die Kritik geratene indische Innenminister Shivraj Patel hat seinen Rücktritt angeboten. Erst am Samstag hatten indische Sicherheitskräfte das dreitägige Terrordrama beenden können. Indien erhebt nun Vorwürfe gegen Pakistan.

          Der nach den Terroranschlägen in Bombay heftig in die Kritik geratene indische Innenminister Shivraj Patil hat seinen Rücktritt angeboten. Wie die Nachrichtenagentur PTI am Sonntag berichtete, übergab er Premierminister Manmohan Singh ein Schreiben, in dem er um seine Entlassung bittet. Nach einem Bericht des Senders NDTV hatte Patil bereits am Vortag während einer Krisensitzung der Führung der regierenden Kongresspartei die „moralische Verantwortung“ für die Anschlagsserie übernommen. Noch ist unklar, ob Premier Singh den Rücktritt annimmt.

          Erst am Samstag hatten indische Sicherheitskräfte mit der Erstürmung des Luxushotels „Taj Mahal“ das dreitägige Terrordrama in der westindischen Finanzmetropole Bombay beendet. Dabei kamen nach jüngsten offiziellen Angaben mindestens 183 Menschen ums Leben, 239 wurden verletzt. Unter den rund 20 toten Ausländern sind nach Angaben des indischen Außenministeriums auch drei Deutsche.

          Staatschef warnt vor Überreaktion

          Beim Sturm auf das „Taj Mahal“ lieferten sich die Terroristen heftige Schusswechsel mit den Sicherheitskräften, wie der Chef der Elitetruppen berichtete. Mehrfach hätten die Terroristen auch Feuer gelegt, wenn sie in Bedrängnis gerieten. Zeitweise quollen Rauchwolken aus den Fenstern des 565-Zimmer-Hotels, Flammen schlugen heraus. Immer wieder waren Explosionen zu hören. Nach der Einnahme des Gebäudes wurden Waffen und Granaten gefunden. Je nach Angaben waren zwischen 20 und 40 Terroristen an den Angriffen beteiligt. Sie kamen offensichtlich per Schiff. Neun Terroristen wurden laut Behördenangaben getötet, ein Mann wurde verhaftet. Bei ihm handelt es sich nach Angaben des Innenministeriums um einen Pakistaner.

          Nach drei Tagen unter Kontrolle: Sicherheitskräfte vor dem Hotel „Taj Mahal” in Bombay Bilderstrecke

          Die indische Regierung hatte schon früh auf „Verbindungen“ der Terroristen nach Pakistan gedeutet. Der Nachbarstaat, mit dem Indien seit der Unabhängigkeit drei Kriege führte, wies daraufhin eine Verwicklung in die Terrorattacken zurück und sicherte seine Kooperation bei den Ermittlungen zu. Staatschef Asif Ali Zardari warnte Indien vor einer „Überreaktion“. Mit Blick auf die Schuldzuweisungen der indischen Regierung an sein Land kündigte Zardari „entschiedenste“ Reaktionen an, sollte sich herausstellen, dass „ein Individuum oder eine Gruppe“ aus Pakistan in die Attentate verwickelt seien. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, „schnelle, quasi reflexartige Schuldzuweisungen können jetzt die Lage noch verschlimmern“. Zugleich mahnte er in der „Welt am Sonntag“ zu Besonnenheit. Der künftige amerikanische Präsident Barack Obama sprach dem indischen Premierminister Manmohan Singh sein Beileid aus.

          Stunden vor dem Angriff auf die im Hotel „Taj Mahal“ verschanzten Terroristen hatten Elitekommandos das Hotel „Oberoi“ und ein jüdisches Zentrum gestürmt. In dem Zentrum fanden sie tote Geiseln, darunter den Rabbiner und seine Frau. Wie das israelische Außenministerium mitteilte, kamen dort neun Personen ums Leben.

          Getarnt als Studenten

          Mehrere der islamistischen Attentäter von Bombay haben einem Zeitungsbericht zufolge die indische Finanzmetropole vor einigen Monaten besucht und dort eine längere Zeit als Studenten getarnt gelebt. Unter Berufung auf einen Verhörbericht eines gefangengenommen Extremisten berichtete die „Times of India“ am Samstag, neun der Täter hätten eine Wohnung im Bezirk Colaba in der Innenstadt in der späteren Anschlagsorte gemietet. Die Gruppe habe oft die beiden Luxushotels besucht, die unter den Zielen der Anschlagsserie vom Mittwoch waren. Die Extremisten, von denen die meisten aus Pakistan stammten, hätten sich als Malaysier ausgegeben.

          Mindestens zehn der Angreifer seien in der abgelaufenen Woche in Bombay eingesickert, berichtete die Zeitung weiter über die Planung der Anschläge. Sie hätten einen indischen Fischkutter in internationalen Gewässern gekapert, die vier Besatzungsmitglieder getötet und seien dann mit Schlauchbooten in Bombay an Land gegangen. Insgesamt seien die Anschläge von 16 Attentätern verübt worden.

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