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Nach China verschleppt? : Verschwundener Milliardär „hilft bei Ermittlungen“

  • -Aktualisiert am

Rätselhaftes Verschwinden: Das am 19. Dezember 2013 aufgenommene Foto zeigt den in China geborenen, kanadischen Milliardär und Geschäftsmann Xiao Jianhua vor dem Internationalen Finanzzentrum in Hongkong. Bild: dpa

Der aus einem Luxus-Hotel in Hongkong verschwundene Milliardär Xiao Jianhua ist wiederaufgetaucht - in China. Dort hilft er angeblich bei „Ermittlungen“. Steht der Fall im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre, die in höchste Kreise reicht?

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          Der chinesische Milliardär Xiao Jianhua, der in der vergangenen Woche unter mysteriösen Umständen aus einem Luxus-Hotel in Hongkong verschwunden ist, befindet sich nach Berichten Hongkonger Zeitungen in Gewahrsam der Sicherheitskräfte in China. Er soll der Polizei bei „Ermittlungen helfen“, berichtet die „South China Morning Post“. Chinesische Agenten hätten ihn „ überredet“ mit nach China zu gehen.

          Nach der Entführung zweier china-kritischer Buchhändler im vergangen Jahr hat der Fall in Hongkong Sorge ausgelöst, dass chinesische Sicherheitskräfte dort abermals rechtswidrig tätig geworden sind, einen Hongkonger Bürger entführt und damit gegen die Unabhängigkeit der Hongkonger Justiz und Polizei verstoßen haben. Offizielle Stellen in Peking haben sich noch nicht zu dem Fall geäußert.

          Xiao Jianhua, der Gründer der in Peking ansässigen Unternehmensgruppe „Tomorrow Group“, verschwand am vergangenen Freitag, dem chinesischen Neujahrsabend, aus dem Hongkonger Luxus-Hotel „Four Seasons“, in dem er seit vier Jahren, bewacht von weiblichen Bodyguards, residiert. Seine Angehörigen wandten sich einen Tag darauf mit einer Vermisstenanzeige an die Hongkonger Polizei, zogen die Anzeige aber schon einen Tag später wieder zurück.

          Die Hongkonger Polizei bestätigte später, dass Xiao Jianhua am 27. Januar über die Landgrenze nach China ausgereist ist. Auf dem Wechat-Account von Xiao Jianhuas Unternehmen wurde jedoch die Nachricht verbreitet, dass er sich „zu medizinischer Behandlung im Ausland“ befinde.

          Noch am Mittwoch erschien eine Anzeige in der Hongkonger Zeitung Mingpao, in der Xiao noch einmal erklärte, dass er im Ausland sei, und nicht von chinesischen Sicherheitskräften entführt wurde. Xiao versicherte, er liebe sein Vaterland und die Kommunistische Partei und habe nie etwas gegen sie unternommen. Er wies aber auch daraufhin, dass er die kanadische Staatsbürgerschaft besitze und als Honorar-Konsul von Antigua und Barbuda konsularischen Schutz genieße.

          Hongkonger und auslandschinesische Zeitungen berichten aber, der Milliardär sei tatsächlich von chinesischen Agenten von Hongkong nach China gebracht worden, um bei „einer Ermittlung zu helfen“. Hilfe bei einer Untersuchung meint im chinesischen Sprachgebrauch ein Verhör unter Arrest an einem geheim gehaltenen Ort, noch bevor offiziell ein Verfahren eröffnet wird. Solche „Hilfe“ kann in einer Verhaftung enden.

          Bei den Ermittlungen geht es demnach um den Börsencrash in China im Jahr 2015 und um den Fall eines chinesischen Spiones, schrieb die „South China Morning Post“ unter Berufung auf anonyme Quellen. Andere Zeitungen schreiben von einem Zusammenhang mit den Korruptionsermittlungen gegen hohe chinesische Parteimitglieder.

          Xiao Jianhua, dessen Vermögen auf 5,9 Milliarden Dollar geschätzt wird und der damit einer der reichsten Männer Chinas ist, soll eine Art Banker für Chinas Machtelite gewesen sein. Sein Imperium umfasst Firmen in den Branchen Immobilien, Versicherung, Kohle und Zement. Eine Untersuchung der „New York Times“ hatte vor Jahren ergeben, dass seine Tomorrow-Gruppe der Schwester von Parteichef Xi Jinping und ihrem Mann bei einem Geschäftsabschluss geholfen habe. Nach den Berichten soll Xiao Jianhua auch dem Sohn des früheren stellvertretenden Staatspräsidenten Zeng Qinghong, Zeng Wei, bei einträglichen Deals geholfen haben. Auslandschinesische Kommentaren vermuten daher, dass Chinas Korruptionsfahnder jetzt die Familie Zeng Qinghongs im Visier haben.

          Chinesische Korruptionsermittler haben in den letzten Jahren die Fahndung im Ausland nach flüchtigen korrupten Funktionären und Unternehmern, mit denen sie zusammen arbeiteten, verschärft. Mehr als hundert wurden von verschiedenen Staaten an China ausgeliefert. Auslandschinesische Websites berichten, dass Xiao Jianhuas Frau sich bereits aus Angst vor Verfolgung nach Japan abgesetzt hat. Die chinesischen Medien haben über den Fall nicht berichtet. Die Behörden waren am Donnerstag noch wegen der Neujahrsfeiertage geschlossen. Die Hongkonger Polizei sagt, man habe die chinesische Seite um Auskunft gebeten.

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