https://www.faz.net/-gpf-xtvi

Nach Blutbad in Arizona : Obama ruft Amerikaner zur Einheit auf

  • Aktualisiert am

„Unsere Herzen sind gebrochen durch ihren plötzlichen Tod” Bild: dpa

Barack Obama hat die Amerikaner bei der Gedenkfeier für die Opfer des Attentats auf die Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords zur Geschlossenheit aufgerufen: „Die Kräfte, die uns trennen, sind nicht so stark wie die, die uns einen.“ Sarah Palin wies Vorwürfe zurück, sie habe zur radikalen Stimmung beigetragen.

          2 Min.

          Nach dem Anschlag von Arizona hat Präsident Barack Obama die Amerikaner zu mehr Toleranz und Geschlossenheit aufgerufen. Die Tragödie müsse als Chance genutzt werden, den Umgang miteinander zu überdenken, sagte der Präsident bei einer Trauerfeier für die Opfer am Mittwochabend (Ortszeit) in Tucson. „In einer Zeit, in der unsere Debatten so stark polarisieren, ist es wichtig für uns für einen Moment innezuhalten und sicher zu gehen, dass wir miteinander in einer Art reden, die heilend wirkt, nicht verletzend.“

          Am Samstag hatte ein offenbar geistig verwirrter 22 Jahre alter Mann die Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords niedergeschossen und sechs weitere Menschen getötet, darunter einen Bundesrichter und ein neunjähriges Mädchen. In Folge des Blutbades wurde in den Vereinigten Staaten über die politische Radikalisierung debattiert. Während die Linke in dem Land die mitunter militante Rhetorik der Konservativen für die Tragödie mitverantwortlich macht, weisen Amerikas Rechte dies als politisches Manöver zurück.

          Obama appellierte an Politiker und Kommentatoren, keine vorschnellen Schlüsse aus dem Anschlag zu ziehen und die Debatte nicht zusätzlich anzuheizen. „Wenn eine Tragödie wie diese zuschlägt, ist es Teil unserer Natur, nach Erklärungen zu verlangen, zu versuchen, ein wenig Ordnung ins Chaos zu bringen“, sagte der Präsident. Aber das dürfe nicht als weitere Möglichkeit genutzt werden, sich gegenseitig anzugreifen. „Ich glaube, wir können besser sein.“

          „Gemeinsam werden wir wieder aufblühen”

          „Eine Attacke auf den Kern der Demokratie“

          Obama würdigte bei der Trauerzeremonie an der Universität von Arizona die durch einen Kopfschuss schwer verletzten Abgeordnete und die Toten. Über jedes einzelne Opfer sprach er persönliche Worte.

          „Unsere Herzen sind gebrochen durch ihren plötzlichen Tod“, sagte er. Zahlreiche ranghohe amerikanische Politiker wohnten der Gedenkfeier bei, darunter Heimatschutzministerin Janet Napolitano und Justizminister Eric Holder. Auch Giffords' Ehemann, der Nasa-Astronaut Mark Kelly, nahm teil.

          Zuvor hatten Obama und seine Frau Michelle Giffords und weitere bei dem Anschlag Verletzte im Krankenhaus besucht. Der Zustand der 40 Jahre alten Abgeordneten hat sich verbessert. Sie habe erstmals seit dem Attentat ihre Augen geöffnet, sagte der Präsident, der damit Jubel bei den Anwesenden auslöste. „Sie weiß, dass wir hier sind und sie weiß, dass wir sie lieben und sie weiß, dass wir sie anfeuern werden auf ihrem schwierigen Weg.“

          Das Repräsentantenhaus in Washington traf unterdessen am Mittwoch zu einer Sondersitzung zusammen und verabschiedete einmütig eine Resolution gegen Gewalt. Die Sitzung war streckenweise hochemotional. „Unsere Herzen sind gebrochen, aber unser Geist ist es nicht“, sagte der Präsident der Kammer, John Boehner, mit Tränen in den Augen. Der republikanische Mehrheitsführer Eric Cantor nannte das Verbrechen eine „Attacke auf den Kern der Demokratie“.

          Die Republikanerin Sarah Palin - die Galionsfigur der Tea-Party-Bewegung - wies derweil in einer Videobotschaft Kritik zurück, durch radikale Rhetorik das politische Klima vergiftet zu haben. Es dürfe keine „Blutanklage“ geben, die lediglich zu mehr Hass und Gewalt führe. „Wir müssen Gewalt verurteilen“, sagte die ehemalige Gouverneurin von Alaska.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Angeklagter: Der 93 Jahre alte Bruno D. wird aus dem Gerichtssaal in Hamburg geschoben.

          Prozess um SS-Wachmann : Eine große Umarmung

          Im SS-Prozess in Hamburg sagt ein früherer Häftling des KZ Stutthof aus. Er berichtet von furchtbaren Taten und Erlebnissen. Und er will dem Angeklagten vergeben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.