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Nach Ausschreitungen : Polizei in Tunesien nimmt Hunderte Demonstranten fest

  • Aktualisiert am

Demonstranten blockieren am Rande der tunesischen Hauptstadt Tunis eine Straße, als es am 17. Januar zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften kommt. Bild: AFP

Zehn Jahre nach dem Sturz von Machthaber Ben Ali gehen in Tunesien Demonstranten auf die Straße und verstoßen gegen die Ausgangssperre. Nach Ausschreitungen wird das Militär eingesetzt. Es gibt zahlreiche Festnahmen.

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          Nach dreitägigen nächtlichen Ausschreitungen sind in mehreren Städten Tunesiens insgesamt mehr als 600 Menschen festgenommen worden. 632 Protestierende insbesondere im Alter zwischen 15 und 25 Jahren seien in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Montag. Die Randalierer hätten teilweise Reifen und Mülltonnen angezündet, um den Sicherheitskräften den Weg zu versperren.

          In mehrere Städte wurde nach Angaben des Verteidigungsministeriums das Militär entsandt. In Sousse, Bizerte, Kasserine und Siliana sei die Armee eingesetzt worden, um die Polizei zu unterstützen und Regierungsgebäude zu schützen. In der Hauptstadt Tunis setzten Sicherheitskräfte laut Augenzeugen Tränengas ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Auf Videos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Demonstranten Straßen blockieren und Reifen in Brand setzen. 

          Misstrauen gegen die Parteien

          Demonstranten waren seit Freitag jede Nacht auf die Straßen gezogen, um ihrem Unmut wegen der schlechten Wirtschaftslage Luft zu machen. Sie verstießen damit gegen eine nächtliche Ausgangssperre zur Eindämmung des Coronavirus. Die Proteste fallen auf den zehnten Jahrestag der Flucht des Langzeitherrschers Zine El Abidine Ben Ali. Er hatte am 14. Januar 2011 unter dem Eindruck von Massenprotesten das Land verlassen, nachdem er mehr als 20 Jahre lang an der Macht gewesen war. 

          Tunesien ist seitdem als einzigem Land, das von Aufständen in der arabischen Welt erfasst wurde, der schrittweise Übergang zur Demokratie gelungen. Aber auch zehn Jahre nach Ben Alis Sturz leidet das Land unter politischer Instabilität, Korruption und einer desolaten Wirtschaftslage. Die Corona-Krise hat zu weiteren Preissteigerungen geführt, die bereits hohe Arbeitslosigkeit verfestigt sich. Ein Drittel der jungen Leute ist inzwischen ohne Arbeit. Das Misstrauen gegen die herrschende Elite und die etablierten politischen Parteien ist groß. 

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