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Armenien-Resolution des Senats : Türkei bestellt amerikanischen Botschafter ein

  • Aktualisiert am

Demo vor der amerikanischen Botschaft in Ankara am Freitag Bild: AFP

Nun hat auch der amerikanische Senat die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord verurteilt. Ankara protestiert heftig.

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          Das türkische Außenministerium hat den amerikanischen Botschafter David Satterfield einbestellt, nachdem der amerikanische Senat die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges als Völkermord anerkannt hatte. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitagnachmittag. Der türkische Vize-Präsident Fuat Oktay twitterte, der Senat versuche, die „Geschichte mit Lügen umzuschreiben“.

          Der Senat hatte die Resolution am Donnerstag verabschiedet. Der Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Fahrettin Altun, schrieb noch in der Nacht auf Twitter: „Wir weisen diese Versuche zurück, der Türkei aus politischen Gründen zu schaden, die nichts mit der Wahrheit zu tun haben.“ Die Resolution gefährde die Beziehungen zwischen den Nato-Partnern.

          Bis zu 1,5 Millionen Todesopfer

          Während des Ersten Weltkriegs waren Armenier systematisch verfolgt und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht die Massaker an 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Taten. Die Bezeichnung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

          Zuvor hatte schon das Repräsentantenhaus eine entsprechende Resolution verabschiedet. Daraufhin hatte die Türkei Ende Oktober den amerikanischen Botschafter einbestellt. Die Kongress-Resolutionen sind rechtlich nicht bindend, haben aber Symbolkraft und Gewicht für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei. 2016 hatte der Deutsche Bundestag die Massaker an den Armeniern ebenfalls als Völkermord gewertet – das belastete die deutsch-türkischen Beziehungen schwer.

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