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Nach Anschlag : Verwundeter General bleibt Kommandeur in Afghanistan

  • Aktualisiert am

Verteidigungsminister Thomas de Maiziere bei seinem Antrittsbesuch in Afghanistan nebem dem gestern verwundeten Kommandeur des Regionalkommandos Nord, Markus Kneip (Foto vom 26.03.2011) Bild: dpa

Bei dem Selbstmordanschlag in Afghanistan, dem gestern zwei deutsche Soldaten zum Opfer fielen, wurde auch der Befehlshaber der Internationalen Schutztruppe Isaf in Nordafghanistan verletzt. Nie zuvor ist es den Taliban gelungen, einen deutschen General zu verwunden. Außenminister Westerwelle bekräftigte die Afghanistan-Strategie der Bundesregierung.

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          Nach dem Anschlag in der nordafghanischen Provinz Tachar mit zwei getöteten Bundeswehr-Soldaten ist der Zustand des verwundeten deutschen Generals Markus Kneip stabil. Kneip liege im Feldlazarett im Bundeswehr-Camp Marmal in Masar-i-Scharif, sagte ein Bundeswehr-Sprecher am Sonntag. Er habe weiterhin die Befehlsgewalt über die Internationale Schutztruppe Isaf in Nordafghanistan. „General Kneip ist nach wie vor der Kommandeur.“

          „Ich bin Kommandeur hier im Norden Afghanistans und werde gemeinsam mit meinen Soldaten diesen Auftrag weiter ausführen“, wird Kneip von „Bild.de“ zitiert. Ziel sei es, gemeinsam mit den afghanischen Partnern Frieden und Sicherheit in dieses Land zu bringen. „Das erwarten die Menschen hier von uns, nach 30 Jahren Krieg. Wir werden diese Erwartung erfüllen. Dafür stehe ich persönlich ein.“

          Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes vor fast zehn Jahren ist Kneip das hochrangigste Opfer der Bundeswehr und der internationalen Truppen insgesamt bei einem Anschlag. Nie zuvor wurde ein General bei einem Attentat am Hindukusch verletzt oder getötet. Nach ersten Erkenntnissen soll der Selbstmordattentäter vom Samstag eine Polizeiuniform getragen haben. Er sprengte sich nach einem hochrangigen Treffen im schwer gesicherten Sitz des Gouverneurs in der Provinzhauptstadt Talokan in die Luft.

          Der Ort des Anschlags in der afghanischen Stadt Talokan
          Der Ort des Anschlags in der afghanischen Stadt Talokan : Bild: dpa

          Opfer aus Rheinland-Pfalz und Niedersachsen

          Die beiden getöteten deutschen Soldaten kamen aus Rheinland-Pfalz und aus Niedersachsen. „Bei den Gefallenen handelt es sich um einen 43-jährigen Major aus dem Führungsunterstützungsbataillon 282 in Kastellaun und einen 31-jährigen Hauptfeldwebel des Feldjägerbataillons 152 aus Hannover“, teilte die Bundeswehr am Sonntag auf ihrer Homepage mit. Mit dem Anschlag stieg die Zahl der in Afghanistan ums Leben gekommenen Bundeswehrsoldaten auf 50. Von ihnen starben 32 bei Gefechten oder Anschlägen.

          Bei dem Anschlag, zu dem sich die Taliban bekannten, hatten die afghanischen Sicherheitskräfte ihr bislang hochrangigstes Todesopfer zu beklagen: Der Polizeikommandeur für den Norden und frühere Vize-Innenminister, Daud Daud, kam ums Leben. Unter den insgesamt sieben Toten ist auch der Polizeichef der östlich von Kundus gelegenen Provinz Tachar, Schah Dschahan Nuri.

          Neun Menschen wurden verletzt, darunter Tachars Gouverneur Abdul Jabar Taqwa. Von den fünf deutschen Verwundeten ist einer schwer verletzt. Leicht verletzt wurden nach Angaben der Bundeswehr Kneip und der Kommandeur des Bundeswehr-Lagers am Anschlagsort Talokan. Kneip hatte wenige Stunden vor dem Anschlag noch an der Trauerfeier in Kundus für einen am vergangenen Mittwoch bei einem Anschlag getöteten deutschen Soldaten teilgenommen.

          Am Sonntag wollte Isaf-Kommandeur David Petraeus mit Kneip in Masar-i-Scharif zusammentreffen. Ein Bundeswehr-Sprecher sagte, Kneip gehe es „den Umständen entsprechend gut“. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos ist nicht geplant, Kneip nach Deutschland zu bringen.

          Attentäter trug offenbar Uniform

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