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Nach Anschlag : Unruhen in Tadschikistan

  • -Aktualisiert am

Hat die Situation in der Provinz Tadschikistans nicht unter Kontrolle: Staatspräsident Emomali Rachmon Bild: dpa

Tausende Menschen in Tadschikistan fordern den Rücktritt eines Provinzgouverneurs. Anlass war die Ermordung eines früheren Feldkommandeurs der Vereinigten tadschikischen Opposition. Die Demonstranten verdächtigen Sicherheitskräfte, den Anschlag verübt zu haben.

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          In Chorog, der Hauptstadt des autonomen Gebietes Berg Badachschan im Südosten Tadschikistans haben am Donnerstag mehrere tausend Demonstranten den Abzug der Regierungstruppen und den Rücktritt des Provinzgouverneurs gefordert. Die Menschen hatten sich bereits am Mittwoch auf dem zentralen Platz der Stadt versammelt, nachdem in der Nacht zuvor ein früherer Feldkommandeur der Vereinigten tadschikischen Opposition aus der Zeit des Bürgerkriegs zwischen 1992 und 1997, Imomnasar Imomnasarow, in seinem Haus in der Stadt von Unbekannten umgebracht worden war.

          Soldaten gaben zuerst Warnschüsse ab und verletzten später zwei Menschen, als einige Demonstranten versuchten ein angrenzendes Verwaltungsgebäude zu stürmen. Die Demonstranten verdächtigten die Sicherheitskräfte, für die Tötung Imomnasorows verantwortlich gewesen zu sein und warfen dem Präsidenten Tadschikistans, Emomali Rachmon, vor, ein Abkommen von Ende Juli gebrochen zu haben, in dem vereinbart worden sei, dass die Bevölkerung ihre Waffen abgibt und im Gegenzug die Regierungstruppen aus Chorog abgezogen werden.

          Drogenhandel soll Kämpfe in Chorog ausgelöst haben

          Zwischen diesen Truppen und bewaffneten Anhängern von ehemaligen Feldkommandeuren war es Ende Juli, wenige Tage nach der Ermordung des Chefs der regionalen Abteilung des Geheimdienstes, Abdullo Nasarow, zu heftigen Kämpfen in der Umgebung von Chorog und in der Stadt selbst gekommen, bei denen etwa 70 Menschen — Soldaten, Gefolgsleute der Feldkommandeure und wahrscheinlich rund 30 Zivilisten — umkamen. Tadschikische Behörden machten einen hohen Offizier des Grenzschutzes, Tolib Ajombekow, für Nasarows Tod verantwortlich und begründeten damit den Angriff der Soldaten. Gegen Zusicherung eines fairen Verfahrens ergab sich Ajombekow, dem die Behörden auch Drogenschmuggel und Menschenhandel vorwerfen, den Sicherheitskräften. Ajombekow war wie der am Mittwoch getötete Imomnasarow ebenfalls Feldkommandeur der im Bürgerkrieg gegen Rachmons Volksfront unterlegenen Vereinigten tadschikischen Opposition, die von islamischen Kräften geprägt wird. Auch Nasarow hatte auf der Seite der Opposition gekämpft. Um diese nach dem Krieg zu integrieren, wurden Feldkommandeuren Staatsposten zugestanden. Nasarow brachte es bis zum Geheimdienstgeneral, Aljombekow zum stellvertretenden Kommandeur einer Grenzschutzeinheit.

          Beobachter vor Ort und diplomatische Kreise vermuteten, der Tod Nasarows sei nur zum Anlass genommen worden, in Chorog eine ohnehin geplante Aktion in Gang zu setzen. Hintergrund sei der Streit um die Verteilung der Gewinne aus dem Drogenschmuggel zwischen einflussreichen Kreisen in der Hauptstadt Duschanbe und den Drogenbaronen in der Provinz im Hochgebirge des Pamir gewesen. Am Drogenschmuggel, hieß es in Chorog, habe auch der Geheimdienstgeneral Nasarow verdient und dessen Tod sei die Folge eines Streits mit Aljombekow um die Gewinnanteile gewesen. Berg Badachschan liegt an der Grenze zu Nordafghanistan und China und an einer Hauptroute des Drogenschmuggels aus Afghanistan.

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