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Nach Anschlag in Christchurch : Abrüstung im Paradies

Die neuseeländische Polizei ist zwar oft unbewaffnet unterwegs, kann jedoch auch anders. Bild: dpa

Neuseeland fühlte sich sicher und war deshalb auch beim Waffenbesitz relativ liberal. Nun will die Regierung die Gesetze verschärfen – und zwar schnell.

          Der neuseeländische Waffenhändler Gun City bezeichnet sich auf seiner Website selbst als größtes Waffengeschäft der Welt. Eine der landesweit fünf Filialen liegt rund zehn Minuten Fahrt außerhalb von Christchurch im Vorort Redwood. Sie hat die Größe einer kleinen Lagerhalle. An den Wänden im Innenraum des Geschäfts stehen Hunderte Gewehre in Zweierreihen in den Holzregalen. In der Mitte stehen weitere Regale mit Schrotflinten, neben Plastikfiguren von Gänsen und Enten. Auf einem Tisch stapeln sich die Pappschachteln mit den Patronen. Die Zahl der Kunden ist an diesem Montag gering. Drei, vier Personen schauen sich an den Auslagen um. Die Mitarbeiter sind trotzdem gut beschäftigt. Das Telefon klingelt fast ununterbrochen. „Für die Possum-Jagd? Da reicht Kaliber .22“, sagt der Verkäufer in das Telefon.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Einige Anrufe kommen offenbar von Journalisten und Bürgern, die sich beschweren, dass der Waffenhändler so kurz nach dem Attentat auf zwei Moscheen von Christchurch überhaupt öffnet. Sie haben gehört, dass der Australier Brenton Tarrant, der 28 Jahre alte Attentäter von Christchurch, vier seiner Waffen bei Gun City bestellt hatte. Fast zur gleichen Zeit bestätigt der Besitzer des Geschäfts die Berichte auf einer hastig anberaumten Pressekonferenz. „Alle Verkäufe von Gun City an dieses Individuum wurden im Prozess einer von der Polizei verifizierten Online-Bestellung durchgeführt“, sagt David Tipple der Presse in Christchurch. Es seien keine Auffälligkeiten bei dem Käufer festgestellt worden. Der Attentäter habe seit dem November 2017 über einen Waffenschein verfügt. Die halbautomatische Waffe, die in dem Video des Anschlags zu sehen sei, stamme nicht von Gun City, rechtfertigt sich der Geschäftsführer.

          Es ist ein denkwürdiger Auftritt, bei dem der Gun-City-Chef sich wiederholt weigert, „in eine Waffendebatte“ einzusteigen. Nicht viel später tritt in der Hauptstadt Wellington auch die Premierministerin Jacinda Ardern vor die Presse. Die 38 Jahre alte Premierministerin scheut die Diskussion nicht, im Gegenteil. Schon am Samstag, dem Tag nach dem Massaker dem 50 Menschen zum Opfer fielen, hatte sie eine Verschärfung der Waffengesetze angekündigt. Am Montag hat ihr Kabinett zum ersten Mal darüber beraten. Man habe sich „im Prinzip“ geeinigt und werde die Reform innerhalb von zehn Tagen beschließen, verkündet die Premierministerin. Die Details stünden noch nicht fest. Spekulationen zufolge könnte das Verbot halb-automatischer Gewehre ein Teil der Reformen sein.

          Waffenrecht im Vergleich

           

          Die Waffengesetze sind auch in Neuseeland seit längerem ein kontroverses Thema. Waffenbesitzer haben sich bisher gegen strengere Gesetze ausgesprochen. Nach dem Schock des Anschlags scheint die Stimmung eine rasche Änderung aber zu begünstigen. „Ich stehe zu 200 Prozent hinter Jacinda in dieser Sache“, sagt ein Passant in Christchurch, der gerade vor der Al-Nur-Moschee den Opfern des Anschlags seinen Respekt zollt. Wie der „New Zealand Herald“ berichtet, haben einige Neuseeländer ihre halbautomatischen Gewehre am Montag sogar freiwillig bei der Polizei abgegeben. Die größte Waffenmesse des Landes wurde abgesagt. Ein Schützenverein, in dem der rechtsextreme Terrorist Brenton Tarrant Mitglied war, hat seinen Schießplatz geschlossen und erwägt nun sogar die Selbstauflösung.

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