https://www.faz.net/-gpf-9kwu4

Nach Anschlag in Christchurch : Premierministerin will Waffengesetze verschärfen

  • Aktualisiert am

Die neuseeländische Premierministerin trägt nach dem Anschlag in Christchurch ein Kopftuch. Bild: AFP

Neuseeland ist geschockt: Bei einem Angriff auf zwei Moscheen sterben in der Stadt Christchurch mindestens 49 Menschen. Die Regierung spricht von Terrorismus und denkt darüber nach, die Waffengesetze zu ändern. Der Moschee-Attentäter erscheint erstmals vor Gericht.

          Nach dem Anschlag auf zwei Moscheen mit 49 Toten im neuseeländischen Christchurch will Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern die Waffengesetze des Landes ändern. Dem Guardian zufolge bestätigte Ardern, dass der mutmaßliche Täter im Besitz eines Waffenscheins war. Diesen habe er im November 2017 erworben. Demnach sagte sie bei einer Pressekonferenz, allein die „bloße Tatsache“, dass der Verdächtige in der Lage war, eine Lizenz für leistungsstarke Waffen zu bekommen, werde dazu führen, dass die Bevölkerung eine Änderung wünsche. Laut der Premierministerin hatte der Täter fünf Waffen bei sich, darunter halbautomatische und Schrotflinten. Die ausgerufene höchste Sicherheitsstufe solle beibehalten werden, erklärte Ardern.

          Der Moschee-Attentäter wurde derweil am Samstag (Ortszeit) erstmals einem Richter vorgeführt. Der neuseeländische Richter legte dem 28-jährigen Australier in der Anhörung offiziell Mord zur Last. Der Mann stellte keinen Antrag auf Freilassung gegen Kaution und bleibt weiter in Gewahrsam. Am 5. April soll er wieder vor Gericht erscheinen.

          Der Rechtsextremist und frühere Fitnesstrainer erschien in Handschellen und in einem weißen Gefängnishemd vor dem Richter. Die Anhörung verfolgte er ohne erkennbare Regung.

          Zuvor hatte die Regierungschefin von einem Terrorangriff gesprochen, der sich gegen das liberale Gesellschaftsmodell ihres Landes richte. Neuseeland sei als Anschlagsort
          ausgewählt worden, „weil wir für Vielfalt, Herzlichkeit, Mitgefühl  stehen". Das Land sei „Heimat für die, die unsere Werte teilen. Zuflucht für die, die es brauchen". Und diese "Werte werden nicht und können nicht durch diesen Angriff erschüttert werden", betonte Ardern. Rechtsextremismus verurteilte sie scharf.

          Zur Zeit des Freitagsgebets hatte ein Mann in die Al-Nur-Moschee von Christchurch mit einer Schnellfeuerwaffe um sich geschossen. Seine Tat filmte der Australier mit einer Helmkamera und übertrug die Bilder ins Internet. Die Polizei zählte am Tatort 41 Leichen. Einige Zeit später wurden in einer anderen Moschee der Stadt weitere Menschen erschossen. Der mutmaßliche Haupttäter sowie zwei weitere Verdächtige wurden festgenommen. Der Täter soll den Anschlag in einem „Manifest“ im Internet ankündigt haben.

          Der bulgarische Geheimdienst prüft mögliche Verbindungen des Attentäters auf dem Balkan. Denn das angebliche Video der Bluttat zeigt auf Waffen des Täters Namen von Schlachten in Europa gegen die Araber oder die Osmanen, darunter mehrere auf dem Balkan. Zudem habe der Attentäter von Christchurch im November 2018 historische Orte in Bulgarien besucht, sagte der bulgarische Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow am Freitagabend.

          Weltweites Entsetzen nach dem Anschlag

          Der Attentäter sei im Herbst 2018 von Dubai nach Bulgarien geflogen und habe auch Rumänien und Ungarn bereist. Bereits im Dezember 2016 sei er nach Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien gereist. Die bulgarischen Geheimdienste arbeiteten in dem Fall mit den Diensten der betreffenden Staaten zusammen, sagte Zazarow.

          Weltweit löste die Tat Entsetzen aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Attacke sei gegen Muslime gerichtet und damit auch ein Anschlag auf die neuseeländische Demokratie. Der amerikanische Präsident Donald Trump sicherte Ardern in einem Telefonat jedwede Hilfe zu.

          Weitere Themen

          Was in der langen Nacht geschah

          FAZ Plus Artikel: Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.

          „Eine Mischung aus Vertagen, Verzagen und Versagen“ Video-Seite öffnen

          Aktivisten unzufrieden : „Eine Mischung aus Vertagen, Verzagen und Versagen“

          Der Klimaaktionstag hat allein in Berlin mehr als 100.000 Menschen auf die Straße geholt. Sie wollen einen schnellen Wandel der Politik – ernüchternd ist da das Klimaschutzpaket der großen Koalition. In Stockholm meldete sich Greta Thunberg per Videoübertragung zu Wort.

          Zum Vorsprechen bei Gauland

          Streit in der AfD : Zum Vorsprechen bei Gauland

          Die AfD-Führung zitierte am Freitag einige Unruhestifter zum Rapport – einer kam gar nicht erst, sondern schimpfte auf Facebook. Andere verkündeten den Frieden.

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.
          Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff von der Demokratischen Partei, am Donnerstag im Kongress

          Whistleblower belastet Trump : Die Spur führt nach Kiew

          Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes macht Donald Trump schwere Vorwürfe. Dessen Regierung versuchte, die Informationen des Whistleblowers zu unterdrücken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.