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Nach Anschlag auf Christen : Ägyptische Armee fliegt Angriffe in Libyen

  • Aktualisiert am

Aufgebrachte koptische Christen in der ägyptischen Stadt Minya bei der Beisetzung von Opfern des Terroranschlags. Bild: AP

Mehrere Lager von Islamisten im Nachbarland seien das Ziel gewesen, sagte Ägyptens Präsident Sisi. Zuvor hatten Attentäter mehr als 20 koptische Christen ermordet.

          Nach einem Terroranschlag auf Christen in Ägypten mit mindestens 28 Todesopfern hat das Militär des Landes Ausbildungslager militanter Islamisten in Libyen angegriffen. Dies sagte Präsident Abd al Fattah al Sisi am Freitag im Fernsehen. Ziel war nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Mena unter anderem das Hauptquartier des Schura-Rats der Mudschaheddin in der ostlibyschen Stadt Derna. Laut dem Sender Al Arabiya gab es Todesopfer unter den Extremisten. Al Jazeera meldete unter Berufung auf Militärkreise, es habe in der Region insgesamt sechs Luftangriffe gegeben.

          Bei dem Terrorangriff bewaffneter Männer auf einen Bus mit Christen waren zuvor am Freitag im Zentrum Ägyptens auch mindestens 22 Menschen verletzt worden. Zunächst war unklar, wer für die Tat verantwortlich ist. Seit dem Sturz des frei gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär im Sommer 2013 hat Ägypten zahlreiche Anschläge erlebt. Mehrfach wurden Christen zum Ziel. Sie machen rund zehn Prozent der mehr als 90 Millionen Ägypter aus.

          Die Hafenstadt Derna war neben der zentrallibyschen Küstenstadt Sirte bis zum Sommer 2016 eine der wichtigsten Hochburgen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Libyen.

          Feuer auf Bus eröffnet

          Der Bus mit den Christen war nach Angaben ägyptischer Sicherheitskreise auf dem Weg zu dem Kloster St. Samuel gewesen, das auf halbem Weg zwischen der Stadt Al-Minja und Kairo liegt. Unbekannte hätten sich nordwestlich der Stadt Al-Minja in drei Autos dem Bus genährt und das Feuer eröffnet. Augenzeugen berichteten, etwa zehn Bewaffnete in Uniform hätten auf die Insassen geschossen und seien dann entkommen.

          Anfang April waren am Palmsonntag bei einem Doppelanschlag auf Kirchen in Alexandria und in Tanta mehr als 45 Menschen ums Leben gekommen. Der IS reklamierte die Taten für sich. Die Regierung rief danach den Ausnahmezustand aus. Die Extremisten sind vor allem auf der Sinai-Halbinsel stark, haben aber auch in anderen Regionen des Landes Anhänger.

          Internationale Reaktionen

          Amerikas Präsident Donald Trump verurteilte den Anschlag scharf. „Die Terroristen führen einen Krieg gegen die Zivilisation“, heißt es in einer Mitteilung Trumps, die das Weiße Haus veröffentlichte. Die christlichen Gemeinden im Nahen Osten müssten verteidigt und geschützt werden, betonte Trump. Die Vereinigten Staaten stünden an der Seite des ägyptischen Volkes, wenn es gelte, den gemeinsamen Feind zu besiegen. Amerika werde auch alles Nötige tun, um sein eigenes Volk zu schützen.

          Auch UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Angriff aufs Schärfste. „Es kann keine Rechtfertigung geben für solch furchtbare Gewalt“, sagte er. Guterres sprach den Opfern und den Hinterbliebenen sowie Regierung und Volk Ägyptens sein Mitgefühl aus.

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