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Nach Anschlag mit drei Toten : Attentäter in Israel gefasst

Israelische Sicherheitskräfte riegeln ein Waldgebiet in der Nähe der Stadt Elad bei der Suche nach den Tätern ab. Bild: AFP

Mehr als zwei Tage dauerte es, bis die Täter eines Anschlags in Israel gefasst wurden. Ministerpräsident Naftali Bennett spricht von einer neuen Phase des Kampfs gegen Terrorismus.

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          Für israelische Verhältnisse dauerte die Fahndung ungewöhnlich lang. Doch am Sonntagvormittag teilten die Sicherheitskräfte mit, dass die beiden Palästinenser, die am Donnerstagabend drei Israelis getötet haben sollen, gefasst worden sind. Sicherheitskräfte ergriffen die beiden 19 und 20 Jahre alten Männer, die aus der Nähe der Stadt Dschenin im Westjordanland stammen, demnach bei einem Steinbruch nahe der zentralisraelischen Stadt Elad, wo der Anschlag begangen worden war. Sie wurden offenbar unverletzt festgenommen. „Wir haben gesagt, dass wir die Terroristen ergreifen, und so ist es gekommen“, sagte Ministerpräsident Naftali Bennett zum Auftakt der Kabinettssitzung am Mittag.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Zuvor hatte über mehr als zwei Tage hinweg ein Großaufgebot von Polizeikräften sowie Mitarbeitern von Armee und Geheimdienst nach den Tätern gesucht. Die Zugänge zum nahen Westjordanland wurden abgeriegelt, um sie daran zu hindern, wieder durch eines der Löcher im Zaun zu schlüpfen und so zurück in palästinensisches Gebiet zu gelangen – auf diesem Wege waren sie offenbar nach Israel gekommen. Da es aber auch Befürchtungen gab, sie könnten einen weiteren Anschlag begehen, wurden die Bewohner Israels aufgefordert, insbesondere entlang der Grenze zum Westjordanland wachsam zu sein und keine ihnen unbekannten Personen im Auto mitzunehmen.

          Das erste Opfer der Täter am Donnerstagabend war laut offizieller Darstellung der Taxifahrer gewesen, der sie nach Elad gebracht hatte. In dem vorwiegend von ultraorthodoxen Juden bewohnten Ort, der östlich von Tel Aviv liegt, griffen sie dann Zivilisten mit Äxten an. Sie töteten insgesamt drei Personen – drei 49, 44 und 35 Jahre alte Männer – und verwundeten vier weitere, zum Teil schwer. Daraufhin flohen sie. Dass die israelischen Sicherheitskräfte so lange benötigen, um Attentäter zu finden, ist ungewöhnlich. Nach einem Anschlag in Tel Aviv Anfang April hatte es eine ganze Nacht gedauert, bis der Täter gefunden – und getötet – worden war.

          Große Spannungen und Gewalt

          Der Anschlag vom Donnerstagabend war für viele Israelis ein besonderer Schock, weil er auf das Ende des Unabhängigkeitstags fiel, der in Israel üblicherweise fröhlich und mit Familienfesten begangen wird. Zudem hatte es Hoffnung gegeben, dass es nach dem Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan zu einer Beruhigung kommen würde. Auch der palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte den Anschlag. Palästinensische und israelische Zivilisten zu töten, führe nur zu einer weiteren Verschlechterung der Situation, hieß es in einer Mitteilung. Die Hamas lobte den Anschlag, reklamierte ihn aber nicht für sich.

          Zuletzt hatte es in Israel und den palästinensischen Gebieten mehrere von großen Spannungen und Gewalt gekennzeichnete Wochen gegeben. Auf dem Al-Aqsa-Plateau in Jerusalem war es wiederholt zu Zusammenstößen zwischen israelischen Polizisten und vorwiegend jüngeren Palästinensern gekommen, und das israelische Militär hatte im Westjordanland mehrere Operationen durchgeführt. Bei fünf Anschlägen in Israel seit März sind nun insgesamt 17 Menschen getötet worden, zudem gab es eine Attacke mit einem Todesopfer in einer Siedlung im von Israel besetzten Westjordanland. Zugleich sind seit Jahresbeginn mindestens 40 Palästinenser von israelischen Sicherheitskräften getötet worden; die meisten von ihnen hatten Anschläge begangen oder waren laut israelischen Angaben in Konfrontationen mit Sicherheitskräften verwickelt gewesen.

          Bennett sprach am Sonntag davon, dass Israel am Beginn „einer neuen Phase des Kampfs gegen den Terrorismus“ stehe: Auch diejenigen, die zur Gewalt anstachelten, dürften „nicht ruhig schlafen“. In Israel sind nach dem Anschlag Rufe nach der Tötung von Yahya al-Sinwar laut geworden. Der Anführer der islamistischen Hamas im Gazastreifen hatte vor rund einer Woche in einer Ansprache die israelischen Übergriffe auf die Al-Aqsa-Moschee angeprangert und mit Vergeltung gedroht, sollte dies nicht enden. Weiter hatte er, an Palästinenser gerichtet, gesagt: „Jeder mit einer Schusswaffe soll sie bereithalten. Und wer keine hat, soll seine Axt oder sein Messer bereithalten.“ Die Hamas warnte am Sonntag, dass ein Anschlag auf al-Sinwar oder einen anderen ihrer Anführer ein Erdbeben in der Region auslösen würde.

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