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Nach Anschlägen : Paris will jüdische Einrichtungen besser schützen

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Chirac und Raffarin: Schnellverfahren gegen antijüdische Straftäter Bild: dpa/dpaweb

„Wenn man einen Juden in Frankreich angreift, greift man damit ganz Frankreich an“, erklärte Staatspräsident Chirac bei einer Kabinettssitzung zum Thema Antisemitismus.

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          Nach dem Brandanschlag auf eine jüdische Schule in einem Pariser Vorort sollen Frankreichs jüdische Kult- und Bildungsstätten besser geschützt werden.

          Die Behörden verzeichneten einen „Antisemitismus neuen Typs“, sagte Bildungsminister Luc Ferry am Dienstag im Nachrichtensender LCI. Staatspräsident Jacques Chirac warnte antisemitische Straftäter mit den Worten: „Wenn man einen Juden in Frankreich angreift, greift man damit ganz Frankreich an.“ Die Täter sollen künftig möglichst in Schnellverfahren verurteilt werden; nach einer Sondersitzung der zuständigen Minister im Elysée-Palast forderte Chirac am Montagabend „exemplarische Strafen“.

          „Besorgniserregenden Anstieg antisemitischer Taten“

          Antisemitismus stehe im Widerspruch zu allen französischen Werten, sagte Chirac. „Unsere jüdischen Mitbürger sind seit Jahrhunderten in Frankreich zu Hause, so wie alle unsere Mitbürger.“ Premierminister Jean-Pierre Raffarin sagte, die Behörden würden die Sicherheit der jüdischen Kult- und Bildungsstätten verstärken. Raffarin beruft künftig einmal im Monat einen Ausschuß aus den zuständigen Ministerien ein, der über antisemitische und rassistische Straftaten und die angemessenen Reaktionen berät. Ferry beklagte einen „Besorgniserregenden Anstieg der antisemitischen Taten vor allem 2001 und 2002“.

          Im Pariser Vorort Gagny war am Samstag ein jüdisches Schulgebäude durch einen Brandanschlag fast völlig zerstört worden. Im weltanschaulich neutralen Frankreich gelten die Beziehungen zwischen den 700.000 Juden und den rund fünf Millionen Moslems seit dem Beginn der zweiten Intifada als äußerst gespannt.

          Grosser: „Weniger Aufregung bei Rassismus gegen Araber“

          Unterdessen sagte der deutsch- französische Politologe und Publizist Alfred Grosser in einem Interview: „Die Regierung sagt wenig, daß der Rassismus gegen Araber mindestens so stark, wenn nicht noch stärker ist, und der wird viel weniger verfolgt“. Wenn etwa, wie vor kurzem eine Moschee niederbrenne gebe es „weniger Aufregung“.

          Auch werde nicht erwähnt, dass zwischen solchen Vorgängen eine Verbindung bestehe, monierte Grosser. Die offiziellen jüdischen Organisationen in Deutschland und in Frankreich verteidigten ständig Israel, „das wirklich nicht zu verteidigen ist, das ist eine Art Krieg zu führen gegen Unschuldige“. Es sei dann normal, daß ein in Frankreich sowieso schon sozial diskriminierter junger Araber allen Juden eine Mitverantwortung für Äußerungen der jüdischen Organisationen und eine bedingungslose Solidarität mit dem Verhalten Israels zuschreibe.

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