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Sri Lanka nach den Anschlägen : Nach dem Terror kommt die Angst

In Trauer vereint: Familienmitglieder und Gäste an den Gräbern dreier Opfer des Anschlags in Negombo Bild: ADAM DEAN/The New York Times/Red

In der Bevölkerung Sri Lankas herrscht nach den beispiellosen Terroranschlägen Nervosität. Muslime fürchten Racheakte. Das gesellschaftliche Leben steht still.

          Nach den Selbstmordattentaten herrscht eine gereizte Stimmung im Stadtteil Kochchikade. Ein junger Anwohner mit Bart und schwarzem Rucksack wird immer wieder argwöhnisch beäugt und ausgefragt, als er durch die schmalen Gassen in der sri-lankischen Metropole Colombo läuft. Die Gemeinschaft gleich hinter dem Hafen ist durch die Bombenanschläge am Ostersonntag bis ins Mark erschüttert worden. Die Kirche von Sankt Antonius war so etwas wie das Herz der Nachbarschaft, in der Christen, Buddhisten, Hindus und Muslime jahrzehntelang friedlich nebeneinander gelebt haben.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          „Selbst in dreißig Jahren Bürgerkrieg ist hier nie etwas passiert. Wir glauben hier alle, dass dies das Werk des heiligen Antonius war. Doch nun ist Sankt Antonius selbst zum Ziel geworden“, sagt Jaya Kumar, ein Hindu, der neben den Göttern in Elefanten- und Affengestalt eine Statue des katholischen Heiligen im Schrein neben seiner Haustür stehen hat.

          Der Stadtteil ist ein Spiegel der Gesellschaft, in der neben 70 Prozent Buddhisten auch zwölf Prozent Hindus, fast zehn Prozent Muslime und sieben Prozent Christen nebeneinander leben. Nach den Selbstmordanschlägen auf Kirchen und Hotels mit mehr als 300 Toten macht sich aber Misstrauen breit. Viele befürchten einen neuen Ausbruch von Hass und Gewalt, vielleicht gar einen neuen Religionskonflikt.

          In einer Moschee einige Ecken weiter berichten Muslime, dass sie sich im Moment nicht mit ihren traditionellen Kopfbedeckungen auf die Straße trauen. „Wir haben Angst. Jetzt ist hier noch alles voll mit Polizei und Militär. Aber was passiert, wenn die nicht mehr da sind?“, fragt einer der Männer. Selbst zu den üblichen Gebetszeiten sind die Moscheen in diesen Tagen nahezu leer.

          Attentäter hatten offenbar ausländische Hilfe

          Nach Angaben der Regierung ist eine einheimische islamistische Gruppe mit dem Namen National Thowheeth Jamaath (NTJ) für den Terror verantwortlich. Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene gab an, sie habe Rache für den rechtsextremistischen Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch nehmen wollen. Das wäre zumindest eine Erklärung für die Gewalttaten, die vielen Menschen im lokalen Kontext zunächst äußerst rätselhaft erschienen.

          Die NTJ war bisher nur mit kleineren Vorfällen in Verbindung gebracht worden. Sie hatte sich offenbar als Reaktion auf anti-muslimische Unruhen gebildet, an denen auch nationalistische Buddhisten beteiligt gewesen waren. Im Dezember stand sie im Verdacht, buddhistische Statuen im Bezirk Kegalle beschädigt zu haben. Die Behörden nahmen anschließend mehrere Mitglieder der Gruppe fest und beschuldigten sie der Anstachelung zu religiösen Unruhen. Sie wurden aber wieder freigelassen. Nach Angaben des Ministers Kabir Hashim soll mindestens einer der Männer nun unter den Selbstmordattentätern sein.

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