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Sri Lanka nach den Anschlägen : Nach dem Terror kommt die Angst

Die Menschen im Stadtteil gehen alle davon aus, dass die Täter von außerhalb kommen. Einige stammten aber zumindest aus der Hauptstadt. Einer von zwei Selbstmordattentätern in dem Shangri-La-Hotel soll ein Geschäftsmann mit dem Namen Insan Seelavan gewesen sein. Eine sri-lankische Zeitung berichtete, der Mann habe in einem anderen Stadtteil eine kleine Fabrik betrieben. Nach seiner Identifizierung seien neun Mitarbeiter der Firma festgenommen worden. Die Ehefrau und Schwester des Mannes seien ums Leben gekommen, als sie sich während einer Razzia in einem Haus selbst in die Luft gejagt hätten. Nach Medienberichten sind außerdem zwei muslimische Brüder aus Sri Lanka für Selbstmordanschläge auf Hotels verantwortlich. Es seien Söhne eines wohlhabenden Gewürzhändlers aus Colombo. Insgesamt befinden sich schon vierzig Verdächtige in Haft.

Trotzdem hinterfragen viele weiter das Verhalten der Regierung vor den Anschlägen. Sie werfen ihr vor, auf Warnungen nicht entsprechend reagiert zu haben. In einem Schreiben vom 11. April an führende Sicherheitsvertreter hatte Sri Lankas Polizeichef vor Plänen der NTJ gewarnt, Selbstmordanschläge auf Kirchen sowie auf die indische Botschaft in Colombo zu verüben. Darin waren auch die Namen mehrerer Personen genannt, die an dem Plan beteiligt gewesen sein sollen.

Eine neue Art von Konflikt

Im Stadtteil Kochchikade sind viele Menschen am Dienstag damit beschäftigt, Leinen über den Straßen aufzuhängen, an denen als Zeichen der Trauer und des Mitgefühls weiße und schwarze Schleifen hängen. Einer von ihnen ist der Rentner Clifford Francis. Auch er spricht von dem Gemeinschaftsgefühl, das in dem Gebiet zwischen Buddhisten, Hindus, Muslimen und Christen geherrscht habe. „Wir sind wie eine Familie“, sagt der 65 Jahre alte Mann. Er selbst sei nach dem Anschlag zur Kirche gelaufen. „Ich sah Kinder, die in Stücke zerfetzt waren.“ Es sei seines Wissens das erste Mal in Sri Lanka, dass sich Muslime gegen Christen gewendet hätten.

Dass es sich um eine neue Art von Konflikt handelt, bestätigen auch Beobachter des politischen Geschehens in dem südasiatischen Land. Christen und Muslime stellen in Sri Lanka Minderheiten dar, die beide unter dem Bürgerkrieg gelitten hätten. In den vergangenen Jahren hatte es vor allem Zwischenfälle zwischen Angehörigen der buddhistischen Mehrheit und Muslimen gegeben. In dem Bezirk Kandy war im vergangenen Jahr ein wütender Mob auf Moscheen und muslimische Geschäfte losgegangen. Die Beschädigung buddhistischer Statuen war wohl eine Reaktion darauf. Ein buddhistischer Mönch sagt, er wisse, dass die Islamisten auch buddhistische Einrichtungen angegriffen hätten. „Aber wir sollten trotzdem keinen Hass predigen“, sagt er.

Bei aller Nervosität sehen das die meisten Menschen im Stadtteil so. „Wir wollen nicht zurückkehren zu dem, was damals dreißig Jahre lang hier passiert ist“, sagt einer der Muslime in Kochchikade. Der Bürgerkrieg habe viele Menschen in Sri Lanka traumatisiert.

Hinter der Moschee findet zur gleichen Zeit eine Totenwache für einen Familienvater statt, der am Sonntag bei dem Anschlag auf die Kirche Sankt Antonius getötet wurde. Familie und Nachbarn sitzen auf Plastikstühlen unter zwei Pavillon-Zelten. Im Innenraum des Hauses liegt in einen schwarzen Anzug gekleidet der Leichnam aufgebahrt. Eine Schwester des Toten sagt, in ihrer Familie gebe es keinen Hass auf die Täter oder gar auf Muslime allgemein. Sie zitiert Jesus Christus: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

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