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Sri Lanka nach den Anschlägen : Nach dem Terror kommt die Angst

Anfang des Jahres entdeckten Sicherheitskräfte hundert Kilogramm C4-Sprengstoff zum Bombenbau in Puttalam in der Nähe eines Wildparks. Der Fund weckte damals Befürchtungen über ein aktives Netzwerk islamistischer Zellen. Die Polizei nahm vier radikale Muslime fest, ließ sie aber teilweise ebenfalls wieder frei. Trotzdem erscheint es unwahrscheinlich, dass die Gruppe ohne Hilfe von außen eine Serie von Anschlägen dieser Größenordnung organisieren könnte. „Wir glauben nicht, dass eine kleine Organisation in diesem Land all das allein machen kann“, teilte Regierungssprecher Rajitha Senaratne am Montag mit.

Terrormiliz IS reklamiert Attentate für sich

Ein anonymer amerikanischer Behördenmitarbeiter sagte der „Washington Post“ zudem, die Organisation habe Verbindungen zum „Islamischen Staat“ (IS), es sei aber unbekannt, wie eng diese seien. Am Dienstag reklamiert die Terrorgruppe die Anschläge auf Hotels und christliche Kirchen in Sri Lanka dann tatsächlich für sich. Das IS-Sprachrohr Amak schreibt in den sozialen Netzwerken, die Angreifer, die Attacken auf „Bürger der Koalition und die christliche Gemeinschaft“ ausgeführt haben, seien Kämpfer des IS gewesen.

Auch eine kleine Zahl von Muslimen aus Sri Lanka hatte sich der Terrormiliz in Syrien und im Irak angeschlossen. Es waren zwar nur wenige. Fachleute gehen aber davon aus, dass schon der Einfluss von ein oder zwei zurückgekehrten Extremisten ausreiche, um eine Gruppe zu radikalisieren.

Die Attentäter gingen bei ihren Anschlägen äußerst planvoll vor. So hatte sich einer der Täter im Luxushotel Cinnamon Grand unter falschem Namen und unter Angabe einer falschen Adresse ein Zimmer gebucht. Am Morgen war der Mann im Hotelrestaurant an das Buffet getreten. Wegen des Feiertags war das Restaurant gut besucht. Viele Familien waren unter den Gästen. Dann sprengte sich der Terrorist offenbar mit einem Selbstmordgürtel in die Luft. Ein Manager sagte später, es habe unglaubliches Chaos geherrscht.

Die insgesamt sechs Detonationen fanden in einem Zeitraum von nur dreißig Minuten statt. Die Bomben entfalteten eine ungeheure Zerstörungskraft. Als Sicherheitskräfte am Montag einen weitere Bombe nahe der Kirche Sankt Antonius entdeckten und „kontrolliert“ zur Sprengung brachten, löste die schwere Explosion eine Panik aus.

Sri-lankische Regierung in der Kritik

Sie hinterließ ein Geröllfeld aus Metall- und Kunstoffteilen sowie ein großes Loch in einer Hafenmauer. In einer in der Nähe liegenden Moschee zerstörten herumfliegende Teile die Scheiben. Die Muslime, die sich am Dienstag dort zusammengefunden haben, distanzieren sich von dem Anschlag und den mutmaßlichen Tätern. Es handele sich um Extremisten, den „Bodensatz“ der Muslime in Sir Lanka, sagen sie. Ihre Mitglieder operierten vor allem im Geheimen. Bekannt ist die Gruppe den meisten hier unter einem anderen Namen. Einer sagt hinter vorgehaltener Hand, dass sie schon seit einigen Jahren versucht habe, in Kochchikade Anhänger zu finden. Sie sei aber stets abgewiesen worden.

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