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Nach Amoklauf in Uvalde : NRA betont „Menschenrecht“ auf Waffenbesitz

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Ein Mitglied der National Rifle Association (NRA) hält sich die Ohren zu, als er während der Jahrestagung der NRA an Demonstranten vorbeigeht. Bild: dpa

Die Mitglieder der NRA haben sich nach dem Amoklauf in Uvalde vehement gegen Schusswaffenkontrolle ausgesprochen. Sie betonen ein Recht auf Selbstverteidigung und sprechen von einem „geistesgestörten Einzeltäter“.

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          Tausende Mitglieder der Waffenlobbyorganisation National Rifle Association (NRA), unter ihnen der frühere amerikanische Präsident Donald Trump, haben sich am Freitag (Ortszeit) im texanischen Houston bei ihrem Jahrestreffen vehement gegen Schusswaffenkontrolle ausgesprochen. Der Verband stehe für „das grundlegende Menschenrecht auf Selbstverteidigung“, sagte Verbandschef Wayne LaPierre. Jedes Jahr nutzten „mehr als eine Million Amerikaner“ ihre Waffen zu ihrem Schutz.

          Die Debatte um eine Reform des Waffenrechts war nach einem Amoklauf an einer Grundschule in der Kleinstadt Uvalde im Bundesstaat Texas am Dienstag neu entbrannt. Der 18 Jahre alte Täter hatte 19 Kinder und zwei Lehrerinnen erschossen. Laut Tageszeitung „Houston Chronicle“ demonstrierten hunderte Menschen vor dem Versammlungsort gegen die NRA. Die Jahresversammlung ist zugleich eine Schusswaffenmesse.

          Trump warnte in seinem Auftritt vor den Waffenlobbyisten vor Kontrollgesetzen. Diese verhinderten keine Schulmassaker. Jede Schule brauche Metalldetektoren und bewaffnete Polizisten oder Sicherheitskräfte. Diese Maßnahmen seien „keine Frage des Geldes, sondern des politischen Willens“. Sollte er wieder Präsident werden, werde er mit noch nie dagewesener Härte gegen Gewaltkriminalität vorgehen, sagte Trump.

          313 Kinder unter zwölf Jahren erschossen

          Der Bürgermeister von Houston, Sylvester Turner, hatte die NRA gebeten, die Versammlung aufzuschieben, um „Familien Zeit zu geben, ihre Kinder zu beerdigen“. Die NRA betonte in einer Erklärung, der Mörder sei ein „geistesgestörter Einzeltäter“. Man habe tiefes Mitgefühl mit den Opfern. Mehrere Country-und-Western-Musiker sagten laut Medienberichten ihre Vorstellungen bei der NRA-Versammlung ab.

          Die NRA gibt auf ihrer Webseite an, sie habe fünf Millionen Mitglieder. Seit mehreren Jahren wird der Verband von internem Streit und von Finanzproblemen gebeutelt. Der Schusswaffenexperte Mike Spies vom Fachdienst „thetrace.org“ sagte im Fernsehsender PBS, die NRA habe in den vergangenen Jahren an Einfluss verloren. Allerdings habe sich in Teilen der Bevölkerung eine „Schusswaffenkultur“ ausgeprägt und das Image vom Bewaffneten als Beschützer. Republikanische Politiker brauchten diese Wähler.

          Nach Angaben des gemeinnützigen Instituts „Gun Violence Archive“ sind im Jahr 2021 Vereinigten Staaten 313 Kinder unter zwölf Jahren erschossen worden. In dem Land sind geschätzte 400 Millionen Schusswaffen in privater Hand. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, hat der NRA vorgeworfen, sie trage zur Schusswaffengewalt bei. Der Verband vertrete die Interessen der Waffenhersteller, die ihre Produkte an junge Erwachsene vermarkteten.Der amerikanische Präsident Joe Biden wird am Sonntag in Uvalde erwartet.

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