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Nach Abschuss von MH17 : Das Ende eines Fluges

Ein pro-russischer Separatist vor dem Wrack der abgeschossenen Flugzeugs Bild: REUTERS

Und keiner will es gewesen sein. Ukrainer, Russen und Separatisten versuchen Beweise dafür anzuführen, dass am Flugzeugabsturz der jeweilige Feind schuld war. Über Propaganda und Provokation.

          Der Freitag war im ostukrainischen Kriegsgebiet ein Tag wie die Tage zuvor. Entlang der russisch-ukrainischen Grenze wurde heftig gekämpft, beide Seiten meldeten kleine Erfolge, gegnerische Angriffe, zivile Opfer. Die Verwaltung von Luhansk teilte mit, beim Beschuss der Stadt seien 20 Einwohner getötet worden. Das war die Armee, behaupten die Separatisten. Das waren die „Terroristen“, heißt es von der Armee. Das übliche Klein-Klein der Kriegsmeldungen, hinter denen sich großes menschliches Leid verbirgt, das übliche Propagandageplänkel.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Aber die Auseinandersetzung hat eine neue Dimension, seit am Donnerstag um 16.20 Uhr Ortszeit eine Boeing 777 der Malaysia Airlines über dem Kampfgebiet aus 10.000 Meter Höhe abgestürzt ist. An Bord 298 Menschen, die nichts mit dem Krieg in der Ukraine zu tun hatten – Niederländer, Deutsche, Amerikaner, Australier, Malaysier. Jetzt interessiert sich die ganze Welt dafür, wer wann von welcher Position mit welcher Waffe geschossen hat, denn über eines besteht Einigkeit: Das Flugzeug wurde abgeschossen. Und keiner will es gewesen sein.

          Um 16.50 Uhr Ortszeit am Donnerstag sah das noch anders aus – da verkündete Igor Girkin (Kampfname Strelkow), der militärische Führer der Separatisten, im Netzwerk VKontakte einen Erfolg: „Gerade eben ist in der Gegend von Tores ein Flugzeug An-26 abgeschossen worden, es liegt irgendwo in der Gegend des Bergwerks Progress. Wir haben doch gewarnt: Fliegt nicht in ‚unseren Himmel‘.“

          Die Separatisten legten sich schnell fest

          Nachdem bekanntgeworden war, dass in dieser Gegend ein Passagierflugzeug abgeschossen wurde, gab Girkin in einem weiteren Eintrag an, er habe die Information über den Abschuss einem Online-Forum entnommen, dessen Nutzer, „örtliche Bewohner“ und „Landwehrmänner“, zu diesem Zeitpunkt „alle dachten, dass wieder ein An-26 der Kiewer Nazis abgeschossen wurde“. Die Separatisten legten sich dann schnell fest: Die Ukrainer haben das Flugzeug abgeschossen – und die russischen Staatsmedien ließen sie damit ausführlich zu Wort kommen.

          Andrej Purgin, „stellvertretender Ministerpräsident“ der „Volksrepublik Donezk“, äußerte im Sender Rossija 24, das ukrainische Militär habe die Boeing womöglich für ein russisches „Spionageflugzeug“ gehalten. Alexander Borodaj, ein Russe und (zumindest ehemaliger) Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes FSB, der als „Ministerpräsident“ auftritt, sprach ebenfalls in Rossija 24 von einer „Provokation“ der Ukraine.

          Er sagte, man habe zwar Luftabwehrraketen, die aber könnten höchstens Ziele in „3.000 bis 4.000 Meter“ Höhe erreichen. Darüber, welche Waffen die Separatisten haben, wurde freilich schon spekuliert, seit am Montag ein An-26-Transportflugzeug der ukrainischen Armee abgeschossen worden war, das nach Angaben der Regierung in Kiew in einer Höhe von 6.500 Metern geflogen war.

          „Ein Akt des internationalen Terrorismus“

          Kurz vor den ersten Meldungen über einen neuerlichen Flugzeugabschuss im Kampfgebiet hatte der Nationale Sicherheitsrat der Ukraine dann eine Erklärung veröffentlicht, es gebe Erkenntnisse, dass die Separatisten über russische Waffensysteme verfügten, mit denen Flugzeuge aus großer Höhe abgeschossen werden könnten. Sie hätten aus Russland Luftabwehrraketen des Typs Buk erhalten, mit denen Ziele in mehr als zehn Kilometer Höhe abgeschossen werden können.

          Auch die ukrainische Führung legte sich daher schnell fest: Der Flug MH17 wurde von den Separatisten abgeschossen. Präsident Petro Poroschenko rief die internationale Gemeinschaft zum Schutz vor dem „Aggressor“ Russland auf: „Der Abschuss eines zivilen Flugzeuges ist ein Akt des internationalen Terrorismus, der sich gegen die ganze Welt richtet“, sagte er in einer Ansprache an das ukrainische Volk. Der ukrainische Geheimdienst SBU versuchte diese Version mit der Veröffentlichung von drei abgehörten Gesprächen der Separatisten zu untermauern.

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