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Nach Abschuss von MH17 : Das Ende eines Fluges

Die „ukrainische Rakete“ habe eigentlich Putin gegolten

Das russische Staatsfernsehen wiederholte die Aufnahmen der Nacht am Freitag ständig. Denn der Präsident gibt darin die Sprachregelung vor, wie man in Russland mit dem Abschuss des malaysischen Flugzeugs umzugehen hat: den Hinterbliebenen kondolieren, die Ukraine beschuldigen, Aufklärung fordern. Er sagte, „diese Tragödie“ wäre nicht geschehen, „wenn auf dieser Erde Frieden herrschen würde, jedenfalls, wenn im Südosten der Ukraine nicht die Militäroperationen wiederaufgenommen worden wären“. Und „zweifellos“ trage der „Staat, über dem, über dessen Territorium das geschah, Verantwortung für diese schreckliche Tragödie“.

Unter Räuspern und Pausieren bittet Putin dann seine Regierung, angeführt von dem dazu, wie üblich in solchen Momenten, nickenden Ministerpräsidenten, „alle nötige Hilfe bei der Untersuchung dieses Verbrechens“ zu leisten. Es gehe darum, ein „objektives Bild“ des Geschehenens zu erhalten. „Das sind absolut unzulässige Dinge, und niemand hat das Recht, daran vorüberzugehen, ohne angemessene Schlüsse daraus zu ziehen“, fährt Putin fort.

In russischen Medien wird unterdessen unter Berufung auf eine anonyme Quelle in der nationalen Luftfahrtbehörde die Spekulation verbreitet, die „ukrainische Rakete“ habe eigentlich Putin gegolten. Denn sein Flugzeug habe am Donnerstagnachmittag auf dem Rückflug aus Lateinamerika nahe der polnischen Hauptstadt Warschau denselben Punkt passiert auf einer Höhe von 10.100 Metern wie das malaysische Flugzeug, nur 37 Minuten später. Die „Konturen“ des Flugzeugs seien ähnlich, auch die Bemalung.

Ein Waffenstillstand sei zur Aufklärung nicht notwendig

Der Leiter der Flugsicherung sagte offziell dazu, seine Behörde kommentiere nie die Flugrouten der Maschine des Präsidenten. Das russische Staatsfernsehen freilich berichtet immer wieder über die These. Auch ein Duma-Abgeordneter sagte, er schließe ganz und gar nicht aus, dass „ukrainische Piloten“ die Farben auf der Maschine für die russische Trikolore gehalten haben könnten. In Kiew mischte sich bei den Menschen derweil Mitgefühl mit den Opfern mit Zorn. Vor der Niederländischen Botschaft am Kontraktowa-Platz kommen sie Stunde um Stunde.

Sie haben Kerzen dabei, Rosen, Nelken und natürlich Sonnenblumen und wieder Sonnenblumen – die Blüte, die den Feldern der ukrainischen Steppe um diese Jahreszeit ihre Farbe gibt und der ukrainischen Fahne ihr unteres gelbes Feld unter dem blauen Himmel. Schon am Donnerstagabend, als die Nachricht von der Katastrophe des Fluges MH17 gerade erst an die Öffentlichkeit gedrungen war, sind sie zu Hunderten dagewesen, bis spät in die Nacht.

Weil alle schwiegen und allenfalls ein Gebet murmelten, haben nur die improvisierten Plakate und Handzettel, welche die Kiewer an diesen Tagen und Nächten an den Treppenaufgang der Botschaft geklebt haben, das ausgedrückt, was die Menschen hier offenbar über die Katastrophe im Donbass denken: „Stop Terrorussia“ stand da, und, auf Niederländisch, „Poetin Doodt Kinderen“ – „Putin tötet Kinder“. Fast schien es in manchen Losungen, als hätten diese Menschen sich auf diesen Moment innerlich vorbereitet – auf den Augenblick, in dem die Ukraine, die sich angesichts zögerlicher Sanktionen gegen Russland vom Westen alleingelassen fühlt, selbst zeigen kann, was Solidarität bedeutet.

In der Ostukraine verkündet derweil Igor Girkin-Strelkow, ein Waffenstillstand sei zur Aufklärung des Abschusses nicht notwendig und zweckmäßig.

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