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Nach Abschuss von MH17 : Das Ende eines Fluges

Auf dem ersten von 16.40 Uhr, zwanzig Minuten nach dem Abschuss, soll die Stimme von Igor Besler zu hören sein, Kampfname „Bes“ („Dämon“), einem der Anführer der Aufständischen im Donezker Gebiet. Laut SBU berichtet er einem Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU namens Wasilij Geranin östlich der Stadt Donezk. Falls die Aufnahme echt ist, fragt der Oberst, wo die Piloten seien, und Besler antwortet, man sei aufgebrochen, um das Flugzeug zu suchen und zu fotografieren. „Es raucht“.

Immer war es der jeweilige Feind

Das zweite Gespräch sollen Aufständische mit den Kampfnamen „Major“ und „Grek“ (Grieche) geführt haben, gut eine halbe Stunde später. Kosaken, die in einem Ort in der Nähe stationiert seien, hätten das Flugzeug abgeschossen, das in der Luft auseinandergebrochen sei. Man habe die ersten „200“ gefunden – die Chiffre für Leichnam; es seien Zivilisten. Im dritten Mitschnitt soll ein Aufständischer mit einem Mann sprechen, offenbar einem ranghohen Kosaken. Das abgeschossene Zivilflugzeug sei in der Gegend von Snischne-Tores zu Boden gegangen, Orten östlich von Donezk.

Dort liege ein „Meer von Leichnamen von Frauen und Kindern“. „Im Fernsehen“ werde berichtet, es sei ein AN-26-Transportflugzeug gewesen, doch stehe da „Malaysische Fluglinie“ auf den Trümmern. Was es auf „ukrainischem Gebiet“ mache, fragt einer der Männer. Dies bedeute, dass es „Spione“ befördert habe, soll die Antwort sein: Hier solle man nicht fliegen, „hier herrscht Krieg“. Die Authentizität dieser Aufnahmen lässt sich nicht überprüfen. Ein Sprecher der Separatisten bestritt, dass sie echt seien, und bezeichnete die Mitschnitte als „Beispiel unprofessioneller Propaganda“.

Seither versuchen Ukrainer, Russen und Separatisten Beweise dafür anzuführen, dass es der jeweilige Feind war. Das russische Verteidigungsministerium behauptet, die ukrainische Armee habe im Konfliktgebiet mehrere Stellungen mit „Buk“-Raketen, die für den Abschuss verantwortlich sein könnten, die Ukrainer bestreiten das.

Flugzeugabschuss

Die ukrainische Regierung veröffentlichte am Freitagnachmittag ein kurzes Video, auf dem zu sehen ist, wie ein Lastwagen ein Raketensystem zieht – und zwei der vier zugehörigen Raketen fehlen. Die aus einem Gebüsch heraus gemachte Aufnahme zeige, wie die Separatisten ihre „Buk“ zurück nach Russland schafften, behauptet das ukrainische Innenministerium. Eine offene Frage ist, ob die Separatisen vielleicht Raketen des Typs Buk von den Ukrainern erbeutet haben könnten. Die russische Nachrichtenagentur Interfax hatte am 29. Juni berichtet, die „Donezker Volksrepublik“ habe mitgeteilt, ihr seien bei der Eroberung des Stützpunktes Nummer A-1402 der ukrainischen Luftabwehr in Donezk Boden-Luft-Raketen des Typs Buk in die Hände gefallen.

Die ukrainischen Streitkräfte antworteten damals auf Fragen ukrainischer Medien, die sich darauf bezogen, alle einsatzfähigen Raketen dieses Typs seien rechtzeitig abtransportiert worden, zurückgeblieben seien nur funktionsunfähige, die nicht mehr repariert werden sollten. Doch sagte der ukrainische Generalstaatsanwalt Vitali Jarema nun laut der Internetzeitung „Ukrainska Prawda“, Präsident Poroschenko sei von den Streitkräften darüber informiert worden, dass die Separatisten keine Buk-Raketen und auch keine des Typs S-300 erbeutet hätten.

Während sich Kiew und die Separatisten schnell festgelegt hatten, suchte Moskau noch nach einer Linie – die Schwierigkeiten dabei waren Präsident Putin anzusehen, als er am späten Abend nach der Rückkehr von seiner Lateinamerika-Reise mit mehreren Kabinettsmitgliedern zusammentraf und sich erstmals vor Kameras zu der Katastrophe äußerte: Seine Augen irrten hin und her, als fänden sie niemanden, auf den sie sich richten könnten, dann sah er meist auf den Tisch, und mied den Blick in die Kamera.

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