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Reisewarnung : Mysteriöse Erkrankungen in amerikanischer Botschaft auf Kuba

  • Aktualisiert am

Was passierte in der amerikanischen Botschaft in Havanna? Viele Mitarbeiter klagten zuletzt über Beschwerden. Bild: Reuters

Mehrere amerikanische Diplomaten in Kuba haben Hörstürze, Tinnitus und Gehörverlust erlitten. Die Regierung in Washington vermutet gezielte akustische Attacken – und hat nun reagiert.

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          Nach mysteriösen Erkrankungen amerikanischer Diplomaten in Kuba zieht die Regierung der Vereinigten Staaten mehr als die Hälfte ihres Botschaftspersonals von der Insel ab. Die Botschaft in Havanna solle offen bleiben, allerdings würden dort keine gewöhnlichen Visa mehr ausgestellt, erklärten Regierungsvertreter am Freitag, die nicht namentlich zitiert werden wollten. Das Außenministerium warnte amerikanische Bürger zudem vor Reisen nach Kuba. Bislang sei zwar nur diplomatisches Personal betroffen gewesen, allerdings hätten sich einige der Attacken in Hotels ereignet, sagte der Mitarbeiter aus dem Außenministerium. Es sei daher nicht möglich, für die Sicherheit von amerikanischen Bürgern zu garantieren.

          Bei der Ursachenforschung für die rätselhaften Hörschaden von Botschaftsangestellten in Havanna tappt die amerikanische Regierung weiter im Dunkeln. "Die Ermittler waren nicht in der Lage festzustellen, wer dafür verantwortlich ist und wodurch die Angriffe ausgelöst wurden", heißt es in einer Stellungnahme des amerikanischen Außenministers Rex Tillerson, die sein Ministerium am Freitag in Washington veröffentlichte. Vermutungen gehen dahin, dass sie absichtlich Schall ausgesetzt waren. Die kubanische Regierung bestritt, etwas mit den Vorfällen zu tun zu haben. Nach Darstellung des amerikanischen Außenministeriums wurden die ersten Fälle Ende 2016 bekannt.

          In den vergangenen Monaten hatten mindestens 21 Angehörige der erst 2015 formell eröffneten amerikanischen Botschaft in Havanna Probleme mit dem Gehör bekommen. Die Symptome reichten von Schlafstörungen über Schwindelgefühle bis hin zu Tinnitus und komplettem Gehörverlust. Die Vereinigten Staaten entschieden sich daraufhin am Freitag, in Havanna nur noch eine Notbesatzung auf Kuba zu belassen.

          Die diplomatischen Beziehungen zu Kuba seien aber nicht gekappt worden, heißt es in dem Statement Tillersons weiter. Kuba habe zugesichert, bei der Aufklärung der Vorfälle mit den Vereinigten Staaten zu kooperieren. Jedoch werde die Botschaft bis auf weiteres in reduzierter Personalstärke betrieben. "Bis die Regierung von Kuba die Sicherheit unserer Diplomaten zusichern kann, wird unsere Botschaft nur mit Notbesetzung gefahren, um die Zahl der Diplomaten, die Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind, zu minimieren", schrieb Tillerson weiter

          Die Vereinigten Staaten und Kuba hatten sich in den vergangenen Jahren eigentlich wieder angenähert. Unter Trumps Vorgänger Barack Obama leiteten beide Regierungen eine Wende in ihrem jahrzehntelang zerrütteten Verhältnis ein. Im Sommer 2015 nahmen sie wieder diplomatische Beziehungen auf. Trump aber hatte die Politik Obamas immer wieder kritisiert. Im Juni schränkte er die Reisevorschriften für amerikanische Bürger für den Inselstaat wieder ein. Die sozialistische Führung in Havanna bezeichnete er als „brutales Regime“.

          Die kubanische Regierung warnte daraufhin vor einem Rückfall in die Zeiten des Kalten Krieges. Außenminister Bruno Rodriguez erklärte in der vergangenen Woche in einer Rede vor den Vereinten Nationen, Trump fehle jegliche moralische Autorität.

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