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Nach dem Militärputsch : Myanmars Diplomaten proben den Widerstand

Demonstranten am 5. März in Yangon Bild: AFP

Das blutige Vorgehen der Sicherheitskräfte bringt einige Vertreter des Landes dazu, sich der Bewegung des zivilen Ungehorsams anzuschließen. Der bisherige UN-Botschafter bleibt vorerst im Amt.

          3 Min.

          Nach der zunehmenden Gewalt gegen Demonstranten in Myanmar wächst der Widerstand unter den Diplomaten des südostasiatischen Landes gegen das Militärregime. Ein auf der Facebook-Seite der Botschaft Myanmars in Washington veröffentlichter Brief kritisierte das Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten scharf. Die Diplomaten zeigten sich darin „tief erschüttert“ über den Tod von Bürgern, die das Recht zur Meinungsäußerung wahrgenommen hätten.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Botschaft erklärte demnach ihre starke Gegnerschaft und Zurückweisung tödlicher Gewalt. Die Behörden wurden zu größtmöglicher Zurückhaltung aufgefordert. Das Schreiben ließ offen, ob die Mitarbeiter der Behörde die Militärjunta als rechtmäßige Regierung Myanmars anerkennt. Es wurde jedoch erklärt, dass die Botschaft ihre Funktionen bei der Vertretung des Landes weiter ausüben und „ihre Angehörigen weiter den Interessen ihres Landes und des Volkes dienen“ würden.

          Mehr als 100 Polizisten haben sich der Bewegung angeschlossen

          Unklar ist, ob das Schreiben tatsächlich die gesamte Botschaft und ihre Mitarbeiter repräsentiert oder nur einen Teil. Wie das Online-Magazin „The Irrawaddy“ am Freitag berichtete, hätten fünf Mitarbeiter der Botschaft in Washington am Donnerstag erklärt, dass sie sich der Bewegung des zivilen Ungehorsams gegen das Militärregime anschließen wollten. Auch ein Mitarbeiter der Vertretung seines Landes in Los Angeles wolle sich der Bewegung anschließen. Dem Bericht zufolge wollten auch drei Mitarbeiter der Vertretung Myanmars bei den Vereinten Nationen in Genf dem Ruf des zivilen Ungehorsams folgen, ebenso wie die Dritte Sekretärin der Botschaft Myanmars in Berlin. Die Versuche der F.A.Z., die Frau in Berlin zu kontaktieren, blieben bisher erfolglos. Die Botschaft ist aufgrund von Corona-Beschränkungen derzeit nur eingeschränkt erreichbar.   

          Wie das Online-Magazin außerdem berichtete, haben sich seit dem ersten Februar mehr als 100 Polizisten der Bewegung angeschlossen. Den höchsten Rang unter ihnen hatte wohl der Polizeioberst Tin Min Tun von der Polizeiabteilung in Yangon, der sich per Videobotschaft der Bewegung angeschlossen hatte.

          Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats

          Derweil hatte es in Myanmar nach Protesten gegen den Militärputsch auch am Freitag abermals ein Todesopfer durch mutmaßliche Polizeischüsse gegeben. Wie die örtliche Presse berichtete, hatte in Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes, ein Mann am Freitag am Rande der Demonstration eine Kugel in den Nacken bekommen. Der Mann war den Angaben nach kein Protestteilnehmer. Laut „Myanmar Now“ handelte es sich um einen 27 Jahre alten Möbelmacher. Laut Angaben der Vereinten Nationen waren zuvor schon 54 Menschen ums Leben gekommen. Auch in anderen Städten gingen die Sicherheitskräfte am Freitag weiter mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Demonstranten vor.

          Die Ereignisse seit dem Militärputsch am 1. Februar sind am Freitag auch das Thema einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. Wie schon eine frühere Sitzung zu Myanmar wird auch sie wieder hinter verschlossenen Türen stattfinden. Gleichzeitig setzt sich die Auseinandersetzung darüber fort, wer bei der Weltorganisation als rechtmäßiger Vertreter des Landes auftreten kann. Der bisherige UN-Botschafter des Landes, Kyaw Moe Tun, hatte sich vor einer Woche in einer emotionalen Rede gegen den Putsch in seinem Land ausgesprochen. Das Militärregime hatte ihn daraufhin entlassen und den bisherigen Stellvertreter Tin Maung Naing zum Interimsbotschafter erklärt. Dieser hatte nach Angaben der Vereinten Nationen vom Donnerstag jedoch seinen Rücktritt eingereicht, so dass Kyaw Moe Tun laut UN vorerst der Botschafter bleibt.

          Die Vereinigten Staaten hatten haben ihre Sanktionen gegen die Militärjunta in Myanmar weiter verschärft. Die neuen Strafmaßnahmen seien eine Reaktion auf die „schockierende und tödliche Gewalt“ gegen Demonstranten, hatte der amerikanische Außenminister Antony Blinken am Donnerstag erklärt. Er rief zur „Wiederherstellung der Demokratie“ in Myanmar auf. Nach Angaben des Handelsministeriums verhängten die Vereinigten Staaten neue Exportbeschränkungen gegen Myanmar. Die Sanktionen betreffen das Verteidigungs- und das Innenministerium, für den Putsch verantwortliche Generäle sowie zwei Konglomerate, die dem Militär gehören. Der Export von Gütern, die für militärische Zwecke genutzt werden könnten, soll durch die Kontrollen unterbunden werden. Als Reaktion auf den Putsch vom 1. Februar hatten die Vereinigten Staaten zuvor bereits Sanktionen gegen mehrere Mitglieder der Junta verhängt.

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