https://www.faz.net/-gpf-9cyj7

Mutter von Usama Bin Ladin : „Er war ein gutes Kind“

  • Aktualisiert am

Frühe Tage: Usama Bin Ladin im Jahr 1988 in Afghanistan Bild: dpa

Die Mutter des ehemaligen Al-Qaida-Chefs Usama Bin Ladin gibt erstmals ein Interview. Die Schuld für dessen Taten kann sie bis heute nicht ihrem Erstgeborenen zuschreiben.

          2 Min.

          Erstmals seit dem Angriff auf die Vereinigten Staaten von Amerika am 11. September 2001 durch das Terrornetzwerk Al Qaida hat die Familie des damaligen Netzwerk-Chefs Usama bin Ladin ein Interview gegeben. Wie die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, habe die Regierung von Saudi-Arabien dem Gespräch zugestimmt und ein Vertreter der Regierung habe daran teilgenommen, jedoch nicht in den Verlauf des Interviews eingegriffen. Bin Ladins Mutter Alia Ghanem sagte der Zeitung zufolge, ihr Erstgeborener sei „ein gutes Kind“ gewesen, und ihr Leben sei durch seine Abwesenheit sehr schwierig gewesen.

          Usama Bin Ladin wurde 1957 in Riad in Saudi-Arabien geboren und von seiner Mutter und ab seinem dritten Lebensjahr von seinem Stiefvater erzogen. Er kämpfte in Afghanistan gegen die sowjetischen Invasoren und wurde danach Kopf des Terrornetzwerks Al Qaida. Bei den Anschlägen vom 11. September 2001 kamen fast 3000 Menschen ums Leben. Seine Familie hat ihr Vermögen im Baugeschäft gemacht und ist eine der reichsten des Landes.

          Bin Ladin sei ein guter Schüler gewesen, sagt seine Mutter. Erst als er an der König-Abdulaziz-Universität in Dschidda Wirtschaft studiert habe, sei er in Kontakt mit radikalem Gedankengut gekommen: „Er war ein sehr gutes Kind, bis er in seinen frühen Zwanzigern einige Leute getroffen hat, die ihn praktisch einer Gehirnwäsche unterzogen haben.“

          „Er hat in globalem Maßstab Superstar-Status erreicht“

          Bin Ladin hat an der Universität Abduallah Azzam getroffen, ein Mitglied der islamistischen Muslimbruderschaft. Nach den Worten seiner Mutter hat Bin Ladin sich danach nach Afghanistan begeben. Als sie erfahren habe, dass er sich dem Dschihadismus verschrieben hatte, sei sie sehr erzürnt gewesen. „Warum hat er alles einfach so wegwerfen wollen?“, fragt die der Mitsiebzigerin in dem Interview.

          Bin Ladins Halbbruder Ahmad, der laut „Guardian“ ebenfalls bei dem Gespräch anwesend war, sagt hingegen, seine Mutter sei nicht objektiv. Bis heute verleugne sie die Schuld ihres Sohnes, der im Mai 2011 in Pakistan von einem amerikanischen Spezialkommando getötet worden war. Sie gebe den Leuten im Umfeld ihres Sohnes die Schuld an dessen Taten. Doch die ganze Familie, die Bin Ladin das letzte Mal 1999 in Afghanistan gesehen habe, habe innerhalb von 48 Stunden nach den Anschlägen in New York und Washington gewusst, dass es Usama gewesen sei und sei deshalb beschämt gewesen, sagt Ahmad.

          Die Angehörigen der Familien seien nach den Anschlägen von den Behörden befragt und zeitweise nicht aus dem Land gelassen worden, sagt er. Bin Ladins anderer Halbbruder Hassan fügt hinzu: „Er hat in globalem Maßstab Superstar-Status erreicht, aber es war alles umsonst.“

          Die saudische Regierung wiederum habe vor den Anschlägen im September 2001 gewusst, dass etwas passieren werde, sagt Prinz Faisal al-Turki, saudischer Geheimdienstchef von 1977 bis zum 1. September 2001. Es sei allerdings nicht klar gewesen, wo etwas passieren sollte, so al-Turki. In seiner Funktion sei er auch dafür zuständig gewesen, mit Bin Ladin im Auftrag der Regierung zu sprechen und ihn aufzufordern, seine Tätigkeiten einzustellen. Außerdem habe er versucht, den afghanischen Taliban-Führer Mullah Omar dazu zu bewegen, Bin Ladin auszuliefern, sei dabei jedoch erfolglos geblieben.

          Weitere Themen

          Trump attackiert die eigene Partei Video-Seite öffnen

          Ohne Rückhalt : Trump attackiert die eigene Partei

          Viel können die Demokraten nicht, wenn es nach dem amerikanischen Präsidenten geht. Aber wenigstens hielten sie zusammen – im Gegensatz zu den Republikanern, kritisiert Donald Trump.

          Ein Ping-Pong-Spiel mit ungewissem Ausgang

          Brexit-Deal im Parlament : Ein Ping-Pong-Spiel mit ungewissem Ausgang

          Selbst wenn Boris Johnson bei der Abstimmung über seinen Brexit-Deal siegen würde, bedeutet das noch keinen Durchbruch. Auch das Oberhaus hat nahezu grenzenlose Möglichkeiten, die Beratungen in die Länge zu ziehen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.