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Mutmaßlicher Kriegsverbrecher gefasst : Hadzic, der Letzte

Goran Hadzic ist gefasst und dürfte bald an das Haager Tribunal für das ehemalige Jugoslawien überstellt werden. Davon profitiert vor allem einer: der serbische Präsident Boris Tadic.

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          Es ist der zweite Fahndungserfolg für Boris Tadic innerhalb weniger Wochen. Wie schon Ende Mai anlässlich der offiziellen Bestätigung der Verhaftung von Ratko Mladic stellte der serbische Staatspräsident am Mittwoch vor der eilig einberufenen Presse die „internationale Verpflichtung“ heraus, die Serbien mit der Festnahme Goran Hadzics erfüllt habe.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Und - wie schon im Falle des ehemaligen Generalstabschefs der bosnischen Serben - ist auch im Falle des letzten bis Mittwoch noch flüchtigen Angeklagten des vom UN-Sicherheitsrat eingerichteten Tribunals zur Verfolgung der in Jugoslawien begangenen Kriegsverbrechen mit einer raschen Überstellung nach Den Haag zu rechnen: Aus der serbischen Justiz hieß es, Hadzic werde binnen einer Woche nach seinem Erscheinen vor dem serbischen Sondergericht zur Verfolgung von Kriegsverbrechern nach Den Haag gebracht. Dorthin, wo unter anderen Mladic und der ehemalige Führer der bosnischen Serben Radovan Karadzic schon sind. „Damit beendet Serbien eines der schwierigsten Kapitel in der Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal“, sagte Tadic nun in Belgrad.

          Vergleich mit Fahndung nach Usama Bin Ladin

          Goran Hadzic war zwischen 1992 und 1993 „Präsident“ der selbsternannten „Republik der serbischen Krajina“. Er ist laut Haager Anklage für den Tod Hunderter Zivilisten und die Deportation von Zehntausenden Kroaten und Nichtserben durch die serbischen Truppen während des Kroatien-Krieges (1991 bis 1995) verantwortlich. In Den Haag soll sich Hadzic wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in insgesamt 14 Anklagepunkten verantworten.

          Goran Hadzic vor einem Belgrader Sondergericht am 20. Juli

          Tadic verglich die Fahndung nach Hadzic, der 2004 untergetaucht war, gar mit der Tötung des Al-Qaida-Führers Usama Bin Ladin durch ein amerikanisches Elitekommando in Pakistan Anfang Mai: „Wir waren in derselben Situation“, äußerte der Präsident. Die serbischen Behörden hätten mehrere Jahre mit großem Einsatz an der Ergreifung Hadzics gearbeitet, was nun belohnt worden sei.

          Schon seit längerem hatte es Gerüchte gegeben, dass der Gesuchte sich in der Nähe von Novi Sad in der nördlichen serbischen Provinz Vojvodina versteckt halten könnte. Präsident Tadic sagte, Hadzic sei am Mittwochmorgen um 8.24 Uhr in der Bergregion Fruska Gora nahe Novi Sad festgenommen worden. Dort lebe auch die Familie des Angeklagten. Der staatliche serbische Sender RTS meldete, er sei im Kloster Krušedol aufgespürt worden; Tadic sagte dagegen, Hadzic sei weder in einem Kloster, noch in einer Militärkaserne festgenommen worden.

          Konkreter wurde Vladimir Vukcevic, der serbische Staatsanwalt für Kriegsverbrechen. Er sagte, Hadzic sei in einem Wald nahe Kruedol aufgespürt worden, Der Festgenommene habe mit Angehörigen der serbisch-orthodoxen Kirche in Verbindung gestanden; neben ihm sei ein Kontaktmann, der ihn mit Geld versorgen wollte, gefasst worden. Auch sei Hadzic bewaffnet gewesen, sagte Vukcevic. Der mittlerweile 52 Jahre alte Hadzic habe aber keinen Widerstand geleistet. „Es war schwer, ihn zu erkennen, er sah nicht mehr wie er selbst aus.“ Alte Fotos zeigten ihn stets mit dichtem Bart und dunklem Haar - nun hatte er einen Schnurrbart und Halbglatze.

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