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Festnahme in Florida : Mutmaßlicher Briefbomber ist fanatischer Trump-Fan

  • Aktualisiert am

FBI-Agenten führen den mutmaßlichen Briefbomber Cesar Sayoc (im ärmellosen Shirt) nach seiner Festnahme in Miramar, Florida, ab. Bild: AP

Der Tatverdächtige aus Florida betreibt mehrere Onlinekonten, auf denen er Trump preist und dessen Gegner attackiert. Seine ehemalige Chefin beschreibt ihn als „sehr wütend auf die Welt“. Nun drohen dem vorbestraften Cesar S. 48 Jahre Haft.

          Nach tagelanger Großfahndung ist in den Vereinigten Staaten ein mutmaßlicher Briefbomber festgenommen worden: Der Verdächtige, der mehrere Sprengsätze an prominente Kritiker des amerikanischen Präsidenten Donald Trump verschickt haben soll, wurde am Freitag im Bundesstaat Florida gefasst. Diverse Indizien deuten darauf hin, dass Cesar S. ein fanatischer Anhänger des amerikanischen Präsidenten ist. Auf Konten in den Onlinenetzwerken, die offenbar von dem 56-Jährigen stammen, wird Trump gepriesen und gegen dessen politische Gegner agitiert.

          S. wurde offiziell mehrerer Verbrechen beschuldigt, darunter die „illegale Versendung von Sprengstoffen“ und „Drohungen gegen frühere Präsidenten“. Laut Justizministerium drohen ihm bis zu 48 Jahre Haft. Ihm wird vorgeworfen, 13 Sprengsätze an Kritiker Trumps geschickt zu haben. Zu den Adressaten gehörten Trumps Vorgänger Barack Obama, den früheren Vizepräsidenten Joe Biden, die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, der Multimilliardär George Soros und Hollywoodstar Robert De Niro. Zu den Motiven des mutmaßlichen Attentäters wollten sich die Ermittler zunächst nicht äußern. Dafür sei es noch „zu früh„, sagte der Direktor der Bundespolizei FBI, Christopher Wray, in Washington. Es gebe noch viele offene Fragen.

          Trump verurteilte den Versand der Briefbomben als „Terrorakte“. Der Täter müsse „mit der ganzen Härte des Gesetzes“ bestraft werden, sagte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat North Carolina. „Politische Gewalt darf in Amerika niemals geduldet werden und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um sie zu stoppen.“  Zugleich wies er den Vorwurf zurück, wonach er den Täter durch seine oftmals aggressive Rhetorik gegenüber den oppositionellen Demokraten womöglich angestachelt habe. Ihn treffe keine Schuld, auch wenn der Mann offenbar ein Unterstützter seiner Politik sei, sagte der amerikanische Präsident.

          S. wurde auf einem Parkplatz in Plantation, einem Vorort von Fort Lauderdale, festgenommen. Der Lieferwagen, mit dem er unterwegs war, wurde beschlagnahmt. Auf Fotos in den Onlinenetzwerken, die das von der Polizei beschlagnahmte Fahrzeug zeigen sollen, sind mehrere Pro-Trump-Aufkleber zu sehen. Auf einer der Scheiben kleben außerdem Fotos des früheren Präsidenten Obama und der früheren Außenministerin Clinton. Auf ihre Gesichter sind Zielscheiben gedruckt. Auch ein Aufkleber mit dem Spruch „CNN ist zum Kotzen“ prangt auf dem Lieferwagen. Obama, Clinton und der Trump-kritische Fernsehsender gehörten zu den Briefbomben-Adressaten. Ein Foto von S. bei Facebook zeigt ihn mit einer roten Kappe mit dem Trump-Slogan „Macht Amerika wieder großartig“. In einer Twitter-Botschaft im Juni, die offenbar von S. stammt, wird Trump zum Geburtstag gratuliert und der Präsident aufgefordert, das „fantastische“ Projekt des Mauerbaus an der Grenze zu Mexiko voranzutreiben. Debra Gureghian, Managerin einer Pizzeria in Fort Lauderdale, in der S. früher arbeitete, beschreibt ihn als „durchgeknallt“. S. sei „sehr wütend“ auf die Welt gewesen – auf „Schwarze, Juden, Schwule“, sagte sie der Zeitung „Washington Post“.

          Außenseiter und Fan von Trump

          Über S. Lebenslauf ist bislang wenig bekannt. Die biographischen Angaben auf seinen mutmaßlichen Onlinekonten sind nicht unbedingt zuverlässig. Demnach soll S. früher „professioneller Fußballspieler, Ring- und Käfigkämpfer“ gewesen sein, aber auch Tiermedizin studiert haben. Den Angaben nach soll er zumindest teilweise philippinischer Herkunft sein, sein Großvater sei dort ein „berühmter Chirurg“ gewesen. Andererseits wird S. in diesen Darstellungen mit dem Indianerstamm der Seminoles in Verbindung gebracht. Er habe in einem von den Seminoles betriebenen Hotel-Kasino gearbeitet. Der Stamm teilte jedoch mit, er habe „keine Belege“ dafür, dass S. dort tätig gewesen und Stammesmitglied sei.

          Der vom FBI sichergestellte Lieferwagen des mutmaßlichen Briefbombers ist zugeklebt mit Stickern, die Trump preisen und seine Gegner anprangern.

          S. war schon in früheren Jahren mit dem Gesetz in Konflikt geraten, laut Gerichtsdokumenten wegen schweren Diebstahls und einer Bombendrohung. Die Ermittler kamen ihm nun durch einen Fingerabdruck auf die Spur, den sie auf einem der großen Briefumschläge mit den Rohrbomben gefunden hatten. Der Anwalt seiner Familie erklärte, seine Mutter habe den 56-Jährigen jahrelang vergeblich dazu gedrängt, einen „Spezialisten“ aufzusuchen. S. habe sich eigentlich nicht für Politik interessiert, sagte der Verteidiger Ron Lowy dem Sender CNN. Offenbar fühlten sich „solche Außenseiter“ wie sein Mandant aber angesprochen von Trumps Politikstil.

          FBI-Direktor Wray sagte, es seien mindestens 13 Briefe mit Sprengsätzen verschickt worden. Er warnte, dass noch weitere Bomben unterwegs sein könnten. Alle Vorrichtungen hätten aus einer PVC-Röhre, einer kleinen Uhr, einer Batterie, Drähten und einem „energetischen Material“ bestanden, das potenziell explodieren könne. Es sei aber noch nicht klar, ob die Sprengsätze tatsächlich funktionsfähig gewesen seien, erläuterte Wray. Durch die Sendungen war niemand verletzt worden.

          Noch am Freitag waren drei weitere der Briefbomben abgefangen worden. Zwei davon waren an afroamerikanische Senatoren der oppositionellen Demokraten, Cory Booker und Kamala Harris, gerichtet. Beide gelten als mögliche Präsidentschaftsbewerber. Der dritte dieser Sprengsätze war für den früheren Nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper bestimmt. Die Sendung trug die Adresse des New Yorker Sitzes des Fernsehsenders CNN, wo Clapper regelmäßig als Experte auftritt. Auch eine der zuvor aufgetauchten Briefbomben war an CNN in New York adressiert. In diesem Fall war sie für den CNN-Experten und früheren Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA, John Brennan, bestimmt. Sollte sich nun der Verdacht bestätigen, dass der Tatverdächtige ein Trump-Anhänger ist, könnte dies die politische Stimmung rund anderthalb Wochen vor den Kongresswahlen weiter anheizen.

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