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Sex, Lügen und Lobbyisten : Mutmaßliche russische Agentin fasziniert Amerika

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Angeklagt: Maria Butina auf dem Freedom Fest in Las Vegas im Jahr 2015, auf dem sie auch Donald Trump befragen durfte Bild: Reuters

Maria Butina soll versucht haben, als Agentin die Politik der Vereinigten Staaten zu beeinflussen. Ihre Geschichte klingt wie einem Spionageroman entnommen. Sogar eine Verbindung zu Donald Trump gibt es.

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          Auf Fotos in den Online-Netzwerken posiert die rothaarige Russin mit Schnellfeuergewehren und anderem Schießgerät, auf manchen trägt sie dazu einen Cowboyhut. Andere Bilder zeigen sie mit Politikern und Lobbyisten. Die Fotos finden derzeit in den Vereinigten Staaten viel Aufmerksamkeit. Denn inzwischen sitzt Maria Butina im Gefängnis. Die 29 Jahre alte Russin ist angeklagt, als Agentin konservative Kreise in den Vereinigten Staaten infiltriert zu haben.

          Butina soll an einer „Verschwörung“ der russischen Regierung zur verdeckten Einflussnahme auf die amerikanische Politik beteiligt gewesen sein. Fest steht, dass sie sich ein weitverzweigtes Netzwerk aufgebaut hatte. Dazu setzte sie eine Vielzahl von Mitteln ein – ihre Waffenliebe, ihre guten Englischkenntnisse, ihr offenbar kontaktfreudiges Wesen. Und wohl auch Sex.

          Die schwer auf der Präsidentschaft von Donald Trump lastende Affäre um verdeckte russische Einmischungen in die amerikanische Politik wird durch die junge Russin um einen mit pikanten Details gespickten Handlungsstrang erweitert. In Washington lebte Butina mit einem Republikaner zusammen – der in der Anklage nicht identifizierte Mann ist laut Medienberichten der 56 Jahre alte Politikberater Paul Erickson.

          Butina benutzte ihren deutlich älteren Liebhaber den Ermittlungen zufolge als Türöffner, um Zugang zu Politikern zu bekommen. Emotional sonderlich zugeneigt sei sie ihm offenbar nicht gewesen.

          In beschlagnahmten Dokumenten äußere sie sich abschätzig über das Zusammenleben mit dem Mann, berichtet ein Ermittler der Bundespolizei FBI. Die Beziehung sei für sie nur ein „notwendiger Aspekt ihrer Aktivitäten“ gewesen. Auch habe sie parallel einer anderen Person „Sex“ angeboten, um dafür Zugang zu einer Lobbyistenorganisation zu bekommen.

          Auf die Öffentlichkeit übt Butina bereits eine ähnlich faszinierende Wirkung aus wie einst Anna Chapman, die 2010 aufgeflogene – und ebenfalls rothaarige – russische Spionin. Auch der russische Funktionär, der Butinas Aktivitäten steuerte, zog diesen Vergleich: „Fragen Deine Verehrer schon nach Deinem Autogramm? Du hast Anna Chapman die Schau gestohlen“, schrieb er einem Gerichtsdokument zufolge an sie.

          Bei diesem von den Behörden ebenfalls nicht namentlich benannten Funktionär handelt es sich wohl um Alexander Torschin, einen Unterstützer von Präsident Wladimir Putin und Vizepräsident der russischen Zentralbank. Mit Torschin war Butina oft in den Vereinigten Staten unterwegs, vor allem bei der Waffenlobby NRA.

          Die aus der Stadt Barnaul in Westsibirien stammende Butina hatte sich bereits in ihrer Heimat für die Waffenrechte eingesetzt. So ergab sich wohl auch der Kontakt zu Torschin, der ebenfalls Waffen liebt. Er heuerte sie 2011 als Assistentin an.

          Waffenliebhaberin: Maria Butina

          Später reiste Butina mehrfach in die Vereinigten Staaten, bevor sie sich 2016 mit einem Studentenvisum in Washington niederließ. Dort machte sie kürzlich an der American University einen Masters-Abschluss in internationalen Beziehungen. An der Uni erzählte sie relativ offen herum, dass sie eine Putin-Connection habe.

          In rechtsgerichteten Zirkeln wurde die gesellige Russin weit herumgereicht. Neben der NRA besuchte sie etwa die Aktivistenkonferenz CPAC und das Nationale Gebetsfrühstück in Washington. Sie lernte republikanische Gouverneure kennen und auch Donald Trump junior, den Sohn des heutigen Präsidenten. Und sie hatte auch eine denkwürdige Begegnung mit Trump senior.

          Bei einer Veranstaltung im Juli 2015 in Las Vegas fragte sie den Präsidentschaftsbewerber, ob er die Russland-Sanktionen fortsetzen wolle. Er denke, dass er mit Putin „sehr nett“ auskommen werde und die Sanktionen nicht gebraucht würden, antwortete Trump. Die von Butina entlockte Aussage wurde in Moskau sicherlich mit großem Wohlgefallen vernommen.

          Torschin war von seiner Mitarbeiterin offenkundig begeistert. „Dein politischer Stern ist am Himmel gestiegen“, schrieb er ihr den Ermittlungen zufolge einmal. Nun ist ihr Stern abgestürzt. Eine Freilassung auf Kaution wurde Butina verwehrt, ihr droht eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren.

          Das russische Außenministerium hat unterdessen eine Internetkampagne zur Freilassung Butinas gestartet. Das russische Außenministerium ersetzte sein Twitter-Profilbild in der Nacht zu Freitag mit einem Foto Butinas. Dazu schrieb das Ministerium die Hashtags #NewProfilePic und #FreeMariaButina.

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